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Ratingen
Mösch startet wegen Radio-Gottesdienst später

Ratingen: Mösch startet wegen Radio-Gottesdienst später
In der Zeit von 10 bis 11 Uhr wird der Gottesdienst über Frequenz 88.8 im Radio bei WDR 5 übertragen. FOTO: Achim Blazy
Ratingen. Der Sonntagsgottesdienst auf WDR 5 wird am Sonntag live aus St. Peter und Paul übertragen. Bereits heute gibt es eine Aufzeichnung. Von Gabriele Hannen

Ratingen kommt aus dem Feiern nicht heraus. Im Grunde könnten Lichter- wie Wimpelschmuck ganzjährig hängen bleiben und die Altstadt dekorieren. Die nächsten festlichen Anlässe sind am Sonntag, irdisch gesehen, die Silberne Mösch, die mit Schrummtata durch die Stadt getragen wird und, kirchlich betrachtet, der Radio-Gottesdienst, der aus Ratingen in die Welt schallt. Über WDR 5, Frequenz 88.8, von 10 bis 11 Uhr.

Da ist auch schon der Berührungspunkt zwischen sommerlichem Brauch- und ganzjährigem Christentum: Der Edelmetallvogel, der das Schützenfest in der darauf folgenden Woche ankündigt, wird eine halbe Stunde später als sonst durch die Straßen getragen, damit die sensiblen Mikrofone in St. Peter und Paul mehr Pastor Schillings Worte als Schützenmusik einfangen.

Die Mösch wurde aus 58 Platten Königssilber gefertigt. Sie ist vom Schwanz bis zum Brustbein 31 Zentimeter lang, 16 Zentimeter hoch und sieben Zentimeter breit. FOTO: Achim Blazy

Es gab in der zurückliegenden Planung unter anderem das Angebot, den Ostergottesdienst als Radiosendung zu übertragen, mit Chören und Solisten, mit allem festlichen Zipp und Zapp. Doch dann hätte der Pastor am Samstagabend bereits die erste Version des Ostergottesdienstes zelebrieren müssen. Denn eine Gottesdienst-Übertragung setzt sozusagen eine identische Joker-Messe voraus, die bei unvorhergesehenen massiven Störungen statt der Direktübertragung über den Äther geht. Diese Aufzeichnung wird auch am heutigen Samstag ab 18 Uhr gemacht und für alle Eventualitäten bereit gehalten, ist aber besser zu vertreten als eine Ostermesse am Karsamstag. Um 15 Uhr soll heute der Übertragungswagen neben der Sakristei einparken. Und weil es um Rundfunk geht und nicht um Fernsehen, wird sich der Aufwand in Grenzen halten.

Das wird auch die Gestaltung des Gottesdienstes tun: In den Ferien gibt es keine großen Chöre mit prachtvollem Repertoire - es gibt eine innig singende Gemeinde und immerhin Christian Siegert als Kantor und den beliebt-bewährten Ansgar Wallenhorst an der Seifert-Orgel. Und natürlich Pastor Schilling, der die sorgsam ausgefeilte Predigt schon vor Wochen dem Rundfunkbeauftragten des Erzbistums zum Drüberlesen gegeben hat. Sie dreht sich um den Schatz im Acker, um ein Gleichnis Jesu, das bei Matthäus 13,44 erzählt wird und schon bei Wikipedia mit zahlreichen interessanten Auslegungen zitiert wird.

Er wird nun die Predigt ablesen müssen, damit tatsächlich zwei völlig identische Gottesdienste stattfinden können, minutiös geplant und abgespult und auch machbar. Die Gläubigen allerdings brauchen nicht zweimal zu kommen, damit die Messe zählt. Aufs religiöse Konto wird jede Messe einzeln gutgeschrieben, versichert der Pastor. Zum generellen Einhören kann man sich schon einmal viele seiner Predigten im Internet aufrufen - auf seiner Website (www.pastor-daniel-schilling.de/) und bei Facebook, wo er reichlich und durchaus zeitgemäß medial vertreten ist.

Während Tauben- oder Möschendarstellungen in der Kirche St. Peter und Paul eher nicht zu finden sind, braucht man zum Betrachten der Silbernen Mösch nur einen klaren Blick und kann sie am Sonntag inmitten der Fülle beliebter Dekorations-Blumen und -Schleifen ausmachen:

Im Jahr 1802 hatten die Sebastianer von den damals vorhandenen 58 Platten Königssilber 16 Stück spendiert, aus denen ein größerer Silbervogel, eine "Mösch", gefertigt wurde; vom Schwanz bis zum Brustbein 31 Zentimeter lang, 16 Zentimeter hoch, sieben Zentimeter breit, auf einem elf Zentimeter langen Ast sitzend, der von drei Blättern verziert ist. Die Anfertigung kostete die Schützen damals noch einmal neun Reichstaler und 45 Stüber.

Und diese "Silberne Mösch" wird am morgigen Sonntag, 30. Juli, als Ankündigung des Schützenfestes ab 11 Uhr durch die Stadt getragen. Der Gottesdienst aus der Pfarrkirche St. Peter und Paul hat bis dahin die üblichen 100.000 Radio-Zuhörer erreicht. Egal ob als Direktübertragung oder aus der Konserve.

Quelle: RP
 
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