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Heiligenhaus
Museum lässt die Vögel zwitschern

Heiligenhaus: Museum lässt die Vögel zwitschern
Zu sehen ist auch dieser präparierte Kolkrabe. FOTO: A. Blazy
Heiligenhaus. Die Sonderausstellung in der Abtsküche informiert rund um die Mystik und Symbolik der Vögel im Volksmund. Von Sandra Kreilmann

Wer zur Zeit den Neubau im Abtskücher Heimatmuseum betritt, dem fällt es sofort auf, es klingt hier anders. Es sind Vogelstimmen, die die aktuelle Sonderausstellung besingen und das hat einen guten Grund: Der Gesang der Vögel brachte Museumskustos Reinhard Schneider auf die Idee zu dieser Ausstellung, die er - ganz volkstümlich - "Alle Vögel sind schon da" genannt hat.

So ist zum Beispiel der Stieglitz ein Symbol für den Leidensweg Christi und damit Detail vieler Marienbildnisse, auf denen er den Vorausblick auf die Kreuzigung Christi darstellt. Nur ein Detail des kleinen und großen Wissens über die Vogelwelt, die Schneider zusammengetragen hat und die er in den Bildbeschriftungen mit Gedichten von Christian Morgenstern, Heinrich Hoffmann von Fallersleben oder Wilhelm Busch ergänzt hat, oder auch mit lautmalerischer Darstellung der individuellen Vogelstimmen.

Noch bis Freitag, 29. Mai, ist die Ausstellung zu sehen. Hinter der steckt wieder viel Arbeit und Liebe zum Detail, denn wenn der Museumskustos eine Ausstellung zusammenstellt, dann fischt er in sämtlichen Gefilden - und greift auf das bewährte regionale Netzwerk zurück. So gab es Unterstützung von Fotograf Horst Lüke, der sich durch die Linse mit der Heiligenhauser Vogelwelt beschäftigt hat. Von ihm gibt es Tipps, wie man die gefiederten Tiere vor die Kamera bekommt und vor allem, wie man ihnen den Lebensraum schafft, damit sie sich auch noch wohlfühlen: Trockensteinmauern, Bäume, Sträucher und Hecken, das lockt die Vögel oder zumindest, die Insekten, von denen die Vögel sich ernähren, so Lükes Tipps.

"Die Natur wird es danken, und vielleicht auch die Fotokamera." Ergänzt wird die Ausstellung mit beeindruckenden Beispielen aus der Vogelwelt. Sie zeigen präparierte Tiere. Darunter ein Storch, der, getreu des Volksmundes natürlich, ein Baby gebracht hat, ein Graureiher, der, so die Legende, immer mehr verschwindet, weil er Fische mindestens genauso gern mag, wie der Mensch, und Raben wie auch viele kleinere, nicht minder beeindruckende Vogel-Präparate und ihre Geschichten. In den Legenden werden gerne mal Gedichte zitiert, Vogelstimmen werden lautmalerisch wiedergegeben (ein Fest für Leser, die das nachzusprechen versuchen), vor allem aber wird das große und kleine Wissen über die Tiere am Himmel vermittelt.

Mit dieser Ausstellung feiert man im Museum Abtsküche gleich noch einen besonderen Anlass, denn in diesem Jahr feiert der Nordrhein-Westfälische Naturschutzbund sein 50-jähriges Bestehen. Nicht zuletzt ist die Ausstellung auch ein Gruß an Helmut Schulte, der im November an seinem 80. Geburtstag verstorben ist. Aus dem Nachlass des Esseners stehen aus Holz geschnitzte Vögel in der Ausstellung. "Menschen für Vögel zu begeistern und für den Naturschutz zu gewinnen, lag ihm am Herzen", heißt es im Nachruf auf Schulte.

Quelle: RP
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