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Ratingen
Museum Ratingen erinnert an Hann Trier

Ratingen. Das Haus zeigt ab Freitag Arbeiten des 1999 verstorbenen Informel-Malers. Es werden mehrere Führungen angeboten. Von Valeska von Dolega

"Wer ihn kannte, weiß, dass er hochgebildet war - auf vielen Gebieten", sagt Gabriele Uelsberg vom LVR-Landesmuseum Bonn. "Hann Trier war ein bescheidener Mensch, von großem Intellekt, der immer an sich gearbeitet hat." Wie diese lebenslängliche Entwicklung exemplarisch ausschaute, zeigt die Schau "Der Junge und der Unbekannte". In Kooperation mit dem LVR-Landesmuseum, das mit der Kunststiftung Hann Trier dessen Nachlass pflegt, hat Alexandra König, Chefin im Museum Ratingen, die Ausstellung konzipiert.

Am 1. August wäre der 1915 geborene Künstler 100. Jahre geworden - was ein Grund ist, ihn jetzt zu präsentieren."Entstanden ist keine retrospektive Werkschau", fasst alexandra König zusammen. Der Fokus richte sich auf zwei Aspekte: die Anfänge und das Unbekannte.

Sozusagen als kleines Vorspiel beginnt die Ausstellung mit zarten Bleistiftzeichnungen. Diese zarten Arbeiten dokumentieren teilweise, wie minuziös Hann Trier Entwürfe vorbereitete, und zeigen geschliffene Technik sowie handwerkliches Können. Quasi ebenfalls zur Einstimmung auf die dann folgenden großen, farbprächtigen Arbeiten sind hier auch Exponate der sogenannten Donnerstag-Gesellschaft zu sehen. Das war ein literarisch-künstlerischer Verbund, der unter anderem 1949 Sartres "Die Fliegen" aufführte. Hann Trier fertigte dazu Holzschnitte, die als Bühnenbilder an die Wand projiziert wurden. "Adaptieren und experimentieren, um zu seiner individuellen Sprache zu kommen", so beschreibt Alexandra König die Techniken und Art des Umgangs mit Materialien, die den gebürtigen Düsseldorfer in den 50er Jahren kennzeichnen. Bevorzugt arbeitete der Mann, der bereits zu diesem Zeitpunkt begann, die Welt mit Exkursionen wie etwa nach Kolumbien zu erkunden und sich wohl "bewusst als Weltbürger definierte", im Querformat. "Der perfekte Rahmen, der Raum gibt, Bewegungen zu zeigen." Stark sind expressive, kompositorische und gestalterische Kraft. Grafische Elemente wie Pfeile weisen aus dem Werk heraus. Manchmal geht der Schwung auch in Schriftzeichen über. Auch das sei kein Zufall, "er war ein sehr belesener Mann, das Wort war ihm wichtig". "Beidhändig" oder "Monstranz" lauten beispielsweise die Titel, die "nie deskriptiv sind, sondern Impulse beschreiben".

Präsentiert in verschiedenen Räumen, zeigen die 60 Arbeiten plus 50 Ölbilder viel von der ungeheueren Präsenz und den wesentlichen Phasen seines Schaffens. Die späten 50er Jahre zeigen "Vibrationen", typisch für die Bildsprache sind konstruktive Kompositionen, von deren Strenge er sich mit Tempo und Farbigkeit löst. Den Schlusspunkt setzten einerseits Skizzen zu Deckenmalereien, die er unter anderem im Vatikan und Heidelberger Schloss vornahm, sowie die "Große Winterreise". Inspiriert von Franz Schuberts Musik sind in diesem viertteiligen Werk alle Einzelelemente, die für ihn virulent waren, quasi als Quintessenz zu sehen. "Facettenreichtum und Bandbreite seiner Leistung aus den wesentlichen Werkphasen sind gut zu sehen."

Quelle: RP
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