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Ratingen
Musik, die unter die Haut geht

Ratingen. Barbara Barth, Greetje Kauffeld und die "medlz" boten viel Abwechslung mit Überraschungen. Von Wolfgang Schneider

Nach dem Voices-Auftakt mit Maren Kroymann boten auch die Folgetage anspruchsvolle Unterhaltung, für die es zurecht sehr viel Applaus vom Publikum gab, das leider nicht so zahlreich erschienen war, wie man es der Veranstaltung gewünscht hätte.

Wer meint, das Jazz eigentlich nur was für echte Männer im schummrigen Licht rauchiger Kneipen ist, den belehrte Barbara Barth mit ihrem Quintett binnen kürzester Zeit, dass das ein längst überholtes Bild ist. Diese junge Frau schaffte es mit Charme und ungeheurer Virtuosität, die Menschen im Saal mit auf eine ganz besondere Reise zu nehmen - eine Reise in die Welt ihrer eigenen Kompositionen, die auch einen spannenden Blick auf die Künstlerin selbst werfen. Sie wirkt jederzeit authentisch, wie sie da zwischenzeitlich fast ein bisschen verloren im Scheinwerferlicht steht. Und gerade das ist es wohl, was sie ausmacht.

Nie wirkt ihre gefühlvolle und emotionale Art aufgesetzt, mit jedem Ton, mit jeder Geste merkt der Zuhörer, dass Barbara Barth diese Art von Musik lebt oder noch besser, diese Musik zum Leben erweckt. Da passt es, dass sich die Musiker seit fünf Jahren kennen und perfekt miteinander harmonieren, was den Auftritt zu einem wahren Genuss werden lässt. Was entsteht, ist eine Musik, die viel Raum für jeden Einzelnen in der Gruppe lässt und bei der man Spielfreude, Energie und Leidenschaft der Fünf nicht nur hören, sondern auch sehen kann.

Quasi das genaue Gegenteil zu der jungen wilden Künstlerin ist Greetje Kauffeld, die Grande Dame des Jazz, der es mit grandiosem Timing und einer vollendeten Phrasierung immer wieder schafft, eine intime Verbindung zum Publikum und eine Atmosphäre herzustellen, in der starke Emotionen, bewegende Melancholie und wieder gut machende Heiterkeit einander abwechseln - ein wahres Wechselbad der musikalischen Gefühle. Und auch hier ist die Künstlerin nur so stark, weil sie Musiker um sich hat, die sie perfekt ergänzen. Ihr musikalisches Gegenüber, das Trio, präsentiert sich mitunter lyrisch, dann wieder expressiv oder auch überaus cool.

Ihre Interpretationen klingen mal flüsterleise, mal warm und voluminös - was sie aber immer gemeinsam haben, ist eine schon fast physisch spürbare Kraft, die durch das Stadttheater zu schwappen scheint wie eine musikalische Welle.

In eine ganz andere musikalische Richtung ging es dann am Samstagabend - fast vier Stunden Musik, die die eine oder andere Überraschung zu bieten hatte. Die wohl größte wartete dabei am Ende mit den vier Frauen, die sich "medlz" nennen und ein Repertoire "aus Film und Fernsehen" präsentierten. Alle vier haben eine klassische Gesangsausbildung, kennen sich seit Kindheit und haben gemeinsam gesungen. Fazit: Musik, die unter die Haut ging.

Quelle: RP
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