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Ratingen
Nadine Pungs - einmal Iran und zurück

Ratingen. Sie ist von ihren Auftritten im Tragödchen bekannt - und tourt gern durch die Weltgeschichte. Von Gabriele Hannen

Nadine Pungs ist des Deutschen hervorragend mächtig und manch anderer Sprache auch. Als letzte hat die 35 Jahre alte Schauspielerin und Kleinkünstlerin (vom Tragödchen bekannt) nun Farsi in einem Kursus gelernt. Diese Sprache sollte ihr einen kommunikativen Weg in den Iran ebnen - es geht ihr eben nichts über eine sorgfältige Reiseplanung. "Bei ihren Vorbereitungen zu den großen Touren ist Nadine immer sehr umsichtig", weiß Tragödchen-Prinzipalin Anne Gansen zu berichten, "das ist dann mal keine Kleinkunst."

Also große Kunst, wieder einmal. Sie hatte ein Land auf dem Schirm, in das Frau sich nicht mit einem Dutzend Bikinis, Shorts und Stöckelschuhen auf den Weg macht. Nadine Pungs ist über die Rahmenbedingungen schon gut informiert und hat sich bei manch anderer Tour durch die Welt ein gutes Rüstzeug geholt, war sie doch unter anderem jenseits der touristisch eher unverfänglichen europäischen Staaten schon in Afghanistan, der Mongolei, Rumänien, Russland, Serbien, auch in den USA. Und, wenn irgendwie möglich, bloggt sie noch von unterwegs unter dem Link www.trackqueen.de ihre spontanen Gedanken.

Manchmal auch die so genannten Vorurteile, die sich aus unterschiedlichen Gründen ins Hirn geschlichen haben. Da heißt es, ziemlich Pungs-mäßig und harmlos formuliert, vor der letzten Reise: "Ich mache dort Ferien, wo manch einer die Hölle vermutet. Natürlich ist das populistischer Blödsinn. Selbst der leidige Begriff Achse des Bösen ist irreführend. Es gab nie eine Achse; denn Iran, Irak und Nordkorea pflegten keine Allianz. Denn Iran und Amerika sind unausgesprochene Verbündete im Kampf gegen die Taliban in Afghanistan und den sogenannten Islamischen Staat (IS) im Irak und in Syrien geworden. Doch in den westlichen Köpfen hat sich dieser Terminus festgezeckt." Und los ging's.

Nach ein paar Flugstunden holte die Flugbegleitung vornehmlich die westlichen weiblichen Reisenden in das wahre Leben zurück, als daran erinnert wird, die Kopftücher anzulegen. Da macht auch eine Frau Pungs keinen Aufstand, wenngleich sie tief im Herzen kein Kopftuch trägt und es ihr unter der Sonne Persiens auch noch tief in den Nacken rutscht.

Die Sittenpolizei überprüft zwar gelegentlich den Sitz des Schleiers. Ach ja: "Facebook ist verboten. Alkohol ist verboten, unverheiratete Pärchen sind verboten. Wer sich nicht daran hält, bekommt Peitschenhiebe. Ungläubigen und Homosexuellen droht gar die Todesstrafe." Das sollte man wissen. Aber: "Hinter den verschlossenen Türen lebt eine andere, eine private Gesellschaft. Da wird heimlich der selbst gebrannte Alkohol getrunken und über die Regierung gelästert. Und jeder hat einen Facebook-Account." Das kann man lernen.

Es muss schon ein bisschen anders tönen, riechen und sich anfühlen, wenn sie am Reisen Spaß haben will. Immerhin muss auch sie für ihre Touren arbeiten - auf der Bühne oder während der Mitarbeit bei center.tv Düsseldorf zum Beispiel. Und, man glaubt es kaum, kostet Persien letztlich nicht mehr Geld als ein, zwei Wochen Malle all inclusive. Sie ist von Täbris in Ost-Aserbaidschan bis Hormozgan am Persischen Golf gereist (und zurück), saß mal in einem Schmuggler-Bus, der sorgfältig gefilzt wurde, ging mit dem einen oder anderen geblümten Schador in die eine oder andere Moschee. Sie ist stolz auf ihren widerstandsfähigen Magen und kam nach vier Wochen aus einem wunderschönen Land in ein wunderschön freies Land zurück.

Quelle: RP
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