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Ratingen
Närrischer Gottesdienst findet Anklang

Ratingen: Närrischer Gottesdienst findet Anklang
Pastor Daniel Schilling standen in St. Peter und Paul die Ratinger Jecken zur Seite. FOTO: Achim Blazy
Ratingen. Da wird geschunkelt und gebützt, geklatscht, getrötet und gesungen. Da gibt es, auch katholisch gesehen, kein Halten mehr in gläubiger Stimmung und bei der LED-Beleuchtung, beim Kerzengeflacker und Orgelbrausen: Gemeint ist der Wortgottesdienst zum Ratinger Karneval. Von Gabriele Hannen

Rappelvoll war St. Peter und Paul, bunt gewandet kamen die organisierten Jecken, froh gestimmt die Akteure. Und mittendrin Pastor Daniel Schilling im kleinen Schwarzen, wechselweise mit spitz zulaufendem Karnevalisten-Schiffchen und mit schwarzem Birett auf den dunkelblonden Locken getoppt.

Bei den Gesängen kamen natürlich die Ratinger Heimatrenner gut an - "Ech ben ne alde Dumeklemmer" (Text: Hubert Bös) oder "Viva Ratingia". Da konnte man auf die Stimmgewalt von Heinz Hülshoff und vom Höseler Knabenchor unter der Leitung von Toralf Hildebrandt bauen.

Klang und Raum: Doch Kölsche Tön' müssen immer dann ran, wenn auch noch das Gemütvolle weihrauchgleich durch die Atmosphäre wabern soll: Anleihen bei den Bläck Fööss brachten "En unserem Veedel" und "Unsere Stammbaum" zu Gehör, vom zugereisten Tenor Norbert Conrads kundig dargebracht.

Das Nervenzittern einer ersten jecken Messe war im zehnten Jahr nun nicht mehr da, wohl aber die Begeisterung, sich in Uniform am Altar aufzubauen. Da nahmen die sieben Fahnenträger mit ihrem bunten Tuch Haltung an, da dekorierten die rot-weißen Gardisten - auf deren Initiative der Gottesdienst alljährlich stattfindet - den Kirchenraum, da zollten Prinzessinnen mit übergehängtem warmen Mantel und muggeligen Schuhen der gotischen Kirchenkühle Tribut. Aus Ratingen waren Prinz Peter und Renate gekommen, dazu die Kinder-Tollitäten Moritz und Jacqueline, aus Angermund Tim und Christine - jeweils mit ihrem erforderlichen Garde-Personal.

Mundart und Predigt: Dennoch war es keine Karnevalssitzung. Auch, wenn Pastor Schilling seine Predigt in Reime verpackt hatte und vielerlei frohe Gesänge Schwung ins Volk brachten. Der Pastor hatte manch Nachdenkliches auf der Zunge, versuchte sich auch vorsichtig an Mundartlichem und beendete seine wohlgesetzten Verse mit dem Spruch, den schon die höchste politische Frau kreiert hatte: "Wir schaffen das". Ansonsten kam aus dem Pfarrhaus etwas Kritisches zum Rathaus (Bürgermeister Pesch lächelte darob, wie er so lächelt) und auch zum Parkhaus - dem in Kirchennähe -, was beides durch die geistliche Mimik an Komischem gewann. Sonst: Mahnendes und viele verbindliche Worte.

Das Programmheft zum Gottesdienst zeigte - war es ein Zeichen - einen leicht schrägen Peter und Paul-Turm und den Titel "Heimat", Erklärung für Seliges in der Kirche, Mahnung für Nestflüchter und Freud für all die, die sich auch an die Worte schmiegten, die von den Mundart-Artisten der Jonges aus Hochdeutschem gefertigt worden waren. Klar, Mundart von heute ist "glory, glory halleluja", (Text Fabian Pollheim) von Christian Siegert an der Orgel im Zwischenspiel vorgesungen und von der Gemeinde dankbar aufgenommen. Heimat ist auch, wie das Pater Noster, das Ave Maria, diesmal als Trompetensolo von Martin Herzberg gegeben.

Wunsch und Wirklichkeit: Es wäre keine Jecken-Messe mit dem Pastor gewesen, wenn er nicht auch hier sein verlangendes Sehnen nach einer Brauchtumsglocke noch einmal von der Kette gelassen hätte. Wo nämlich zwei oder drei Vertreter des Sommer- oder des Winterbrauchtums in Christi Namen versammelt sind und Schilling mitten unter ihnen ist, da fragt er nach der edlen Spende. Schließlich wurde aus Karnevalistenmund beiläufig vorgeschlagen, man könne sie doch dem Hl. Bimbam weihen.

Quelle: RP
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