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Ratingen.
Neue Türen und frische Farbe für den Dom

Ratingen.: Neue Türen und frische Farbe für den Dom
Die kleine Kapelle bekommt einen neuen Anstrich. FOTO: Achim Blazy
Ratingen.. In den vergangenen Jahrhunderten wurde an und in der Kirche St. Peter und Paul gerne gepfuscht. Jetzt wird richtig repariert. Von Gabriele Hannen

Wenn man sich - von wo auch immer - Ratingen nähert, ist es ein ganz, ganz kleines bisschen wie mit Köln und seinem Dom: St. Peter und Paul reckt sich, Heimat verkündend, über manches hinaus und macht klar, wo die Mitte der Stadt zumindest einmal war.

Dabei hat genau diese Kirche im Laufe der Jahrhunderte eine Menge aushalten müssen: Krieg, Altersschwäche, Modewellen, bauwütige Pastöre, Geschmacksverirrungen, Geldmangel, Wind und Wetter. Doch Bruchstein hält eine Menge aus - ganz offensichtlich.

Frische Farbe wird für die Fensterläden fällig. FOTO: Blazy, Achim (abz)

Für das kommende Wirtschaftsjahr hat der Kirchenvorstand eine Summe von knapp 54.000 Euro eingeplant, die nicht etwa für Neubauten, sondern für die Instandhaltung des Gotteshauses vorgehalten werden. Und wer schon einmal einen Hausanschluss in seine Eigenheim-Scheiblette hat legen lassen müssen, der weiß, dass diese Summe keinesfalls größenwahnsinnig ist.

Im Augenblick wird allenfalls im Chor an der dort geplanten Zusatz-Orgel gewerkelt, was aber nicht aus den gemeindlichen Geldtöpfen zu bezahlen ist, sondern mit Spenden und Finanzpolstern des Vereins "musica sacra" beglichen wird.

Bezahlen aber muss Peter und Paul unter anderem zwei neue Türen, die von der Kirchgasse in die Sakristei und in die Kirche führen. Die sind zwar keine großartig historischen Prachtstücke, werden aber wegen Größe und handwerklichen Einsatzes ihr Geld kosten. Stadtkonservatorin Anna-Maria Voss, die stets einen gestrengen Blick auf die Belange von Denkmalschutz und Denkmalpflege hat, wird auch hier wachen.

Die Türen zur Sakristei und in die Kirche sollen ausgewechselt werden. FOTO: Blazy, Achim (abz)

Das hat es so manches Jahrhundert seit dem Bau der kleinen Hallenkirche um 800 nun leider gar nicht gegeben. Da wurden bei manchem Schaden einfach mal die steinernen Umgrenzungen herausgeschlagen und durch Metallteile ersetzt, da wurde mal der Boden unter dem Hauptturm, dem Westturm, um einen knappen Meter angehoben, ein paar Jahrhunderte später wieder abgesenkt, da mauerte man eine Tür zu - dort, wo jetzt an der Kirchgasse das große Kreuz hängt - und wurde einfach, der Symmetrie wegen, eine neue Tür gebrochen.

Manche Risse im Gemäuer lassen sich eindeutig darauf zurückzuführen, dass falsches Material und nicht artgerechte Verarbeitung bei der Renovierung benutzt worden waren.

Im vergangenen Jahrhundert drückte das II. Vatikanische Konzil mit seinen geänderten Schwerpunkten für die Einbeziehung der Gläubigen ins liturgische Geschehen dem Kirchenraum manche Veränderung aufs Auge: Zeitweise gab es keinen Mittelgang, so dass weder festliche Ein- und Auszüge der Geistlichkeit, noch der Brautpaare möglich waren. Das wurde revidiert. Inzwischen waren die Kommunionbänke vor dem Chor zum Teil spurlos verschwunden.

Genau das geschah dem Löwenanteil früherer Altäre, von denen es an den Seitenwänden neun gegeben haben soll. Die Kanzel wurde "verrückt" und so neu montiert, dass das Kirchenvolk "einen besseren Blick" aufs Geschehen bekam. Es soll auch einmal ein Sakramentshäuschen gegeben haben. Und auch der edelmetallene Kirchenschatz verdunstete zum Teil. Der Aufbau des Hochaltars verschwand und wurde, Holzstück für Holzstück, verkauft. Glücklicherweise gab es noch kein zuckersüßes LED-Licht.

Manche Heiligenfigur ist im Ratinger Museum gelandet und wird dort alsbald der heimatkundlichen Dauerausstellung zugeführt.

Elektromeister Bernd Jeuken, als Kirchenvorstandsmitglied Gebäudebeauftragter für St. Peter und Paul, ist um jede abgeschlossene Instandsetzung froh. Die Leuchtmittel - und das sind nicht wenige - sind alle ersetzt, sparen Energie und können gedimmt werden.

Im Frühjahr werden die Dachfenster in der barocken Turmhaube neu gestrichen, bekommen die Schall-Schächte rund um die Glockenstube ein neues, metallenes Netz (nachdem die offenbar tauben Tauben vertrieben worden sind), wird die Marienkapelle frisch geweißt.

Alles in allem keine weltbewegenden Vorhaben, die große Summen verschlingen - die aber stetig im Auge zu behalten sind.

Da waren mit grunderneuernden Arbeiten Ende des vergangenen Jahrhunderts mit fünf Millionen Mark ganz andere Summen zu stemmen gewesen.

Vielleicht nimmt man jetzt mal die Mülltonnen in den Blick, die störend im Durchgang zwischen Kirchgasse und Oberstraße stehen und angeblich nur vom benachbarten Blumenhandel genutzt werden.

Quelle: RP
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