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Ratingen
Neuer Glockenturm für Herz Jesu ist fertig

Ratingen: Neuer Glockenturm für Herz Jesu ist fertig
Von der Glockenstube aus hat man dank der Verglasung jetzt eine tolle Aussicht auf den Stadtteil Ost. FOTO: Blazy, Achim (abz)
Ratingen. An diesem Wochenende sollen die Glocken in der Gemeinde Herz Jesu nach langer Pause wieder mit vollem Ton erschallen. Der freistehende Turm ist aus dem Gerüst geschält, die Glockenstube gründlich restauriert, die Feier für heute Abend gut vorbereitet. Von Gabriele Hannen

Mutter Kirche hat einiges im Sortiment, wenn sie etwas verkündigen will: Engel, Geistliche auf der Kanzel, Glocken. Und letztere sind jetzt in Ratingen in ganz neuem Ambiente am Start. An diesem Wochenende sollen sie in der Gemeinde Herz Jesu nach langer Pause wieder mit vollem Ton erschallen. Der freistehende Turm ist aus dem Gerüst geschält, die Glockenstube gründlich restauriert, die Feier für heute Abend gut vorbereitet.

Und dann kann das passieren, was zu den liebenswert-unüberhörbaren Entscheidungen von Pastor Daniel Schilling gehört: langes und lautes Läuten. Er hat bei der Fußballweltmeisterschaft in St. Peter und Paul Jogis Jungs Tribut gezollt, erfreut beim Schützenfest die Sebastianer mit einer Extraportion aus dem Glockenturm und unterstützt jetzt die Gemeinde von Herz Jesu mit ungebremsten Schall. Tom Gerhold, Pastor der evangelischen Friedenskirche, wird unterstützend mitmachen. "Ganz klar, dass die Glocken unserer Gemeinde einstimmend in Schwingung versetzt werden".

Viele der Ratinger Kirchenglocken kommen aus derselben Gießerei, kommen aus Gescher, wo in der zwölften Generation die Traditionsfirma Petit & Edelbrock Glocken fertigt - und das unter anderem für Herz Jesu, St. Suitbertus, St. Peter und Paul, St. Jacobus, fürs Marienkrankenhaus und die Adolf-Clarenbach-Kirche in Hösel getan hat.

Was das Kirchenbauen in der Gemeinde Herz Jesu betrifft, so war man da nicht zurückhaltend. In den 60ern des letzten Jahrhunderts wurde der damalige Bau - erst 40 Jahre alt - komplett dem Erdboden gleich gemacht, 1968 dann der Grundstein für eine neue Kirche gelegt. Der Turm gehört zwar zur Kirche, steht aber ein Stück daneben und ist nur durch die Eingangshalle mit dem Gotteshaus verbunden. Die Gemeinde musste den Turmbau damals übrigens komplett selbst finanzieren.

Das ist jetzt anders. Das Erzbistum Köln hatte sich zwar wegen anderweitiger Verpflichtungen nicht zeitnah zur Entdeckung der Schäden am Turm mit einem Sack voll Geld in Ratingen eingefunden, ließ sich aber letztlich nicht lumpen und übernahm, wie in solchen Fällen üblich, 70 Prozent der anfallenden Kosten von rund 340 000 Euro, die verbaut worden sind. 30 Prozent kommen aus der Ratinger Kirchenschatulle. Im Februar 2013 waren die ersten Schäden festgestellt worden. Es wurde untersucht, es wurde abgesichert, nicht nur ein Gutachten befand über den angeschlagenen Zustand der "Glockenstube" am oberen Ende des 24 Meter hohen Turms. Zunächst war die Ursache der Schäden am Verblendmauerwerk, den Verankerungen und den Betonriegeln der Glockenstube zu klären, dann begannen die Planungs- und Genehmigungsverfahren. Die umfangreichen planerischen und gestalterischen Aufgaben hatte das Ratinger Architekturbüro Lücker Beckmann übernommen, das sich bereits beim Jacobussaal in Homberg bewährt hatte.

Irgendwann kam die Idee ins Gespräch, den Kirchturm an drei Seiten der Glockenstube zu verglasen - ein Beispiel für Töne hinter Glas gab es an der benachbarten Friedenskirche, ein einziges weiteres in dieser Form an einer Kirche im Berliner Bezirk Reinickendorf. Und dann schien eine Verblendung des Mauerwerks mit Kupferblech die rechte Lösung.

Nun prangt der Turm in zeitgemäßer Eleganz: Erst einmal sind alle Schäden beseitigt, sind rund 33 Quadratmeter Glas installiert, 55 Quadratmeter Kupfer angebracht, 310 Quadratmeter Verblendmauerwerk verbaut, 1100 Edelstahlanker zum Halten gebracht und 5.300 Meter Fugen ausgefräst worden. Es gibt LED-Beleuchtung, "gottlob nicht bunt", sagt Wolfgang Danzeglocke, Mitglied des Kirchenvorstands, Kämmerer und im Bauausschuss. Er ist bei allen Arbeiten dabei gewesen und hat für Dezenz beim Licht gesorgt. Ihm entging nichts. Wie schön der Untergrund des Turms zum verkündeten Glauben passt, hat sich inzwischen auch herausgestellt. Das Gebaute steht nämlich auf Fels. Allerdings ist ein bisschen Sand ringsum auch dabei.

Quelle: RP
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