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Heiligenhaus
Neues Stadtbild: Kastanie weg, Brücke da

Heiligenhaus: Neues Stadtbild: Kastanie weg, Brücke da
Die etwa 120 Jahre alte Kastanie vor der kleinen Kapelle an der Abtskücher Straße musste wegen zu großer Gefahr weichen. FOTO: Blazy, Achim
Heiligenhaus. Experten haben das letzte Brückenstück für den Panoramaradweg aufgelegt und ein marodes Naturdenkmal entfernt Von Sandra Kreilmann

Es war eine ganz besondere Lieferung aus dem Emsland, die am Samstagmorgen in Heiligenhaus eintraf. 21 Tonnen schwer, 3,4 Meter breit und mit 28 Metern Länge überbreit – das letzte Brückenstück, das den Panoramaradweg über die Abtskücher Straße komplettiert. Mit Hilfe eines 150 Tonnen schweren Kranes wurde dieses Stück nun aufgelegt.

"Endlich ist der Weg vom Autoverkehr gelöst. Vor allem wenn man hier mit Kindern fährt, war das mit dem Straßenübergang eine heikle Ecke", sagte Wilfried Dahmen. Er verband den Besuch des Lückenschlusses über der gesperrten Abtskücher Straße gleich mit einem Familienausflug. Christian Dahmen glaubte: "Die Brücke macht den Weg sicherlich attraktiver." "Und für uns Technikbegeisterte in Heiligenhaus ist so eine Brückenauflegung schon eine Besonderheit", betonte Berthold Dahmen.

Ein Schwertransport mit Polizeieskorte hatte die rund 340 000 Euro teure Brücke herbeigeschafft. Der Kreis Mettmann ist Bauherr. Vor zwei Jahren begannen die Planungen, vor einem Jahr sei der Beschluss zum Bau gefasst worden, erklärte Wolfgang Wirths vom Kreisliegenschaftsamt. Die Brücke, die früher an dieser Stelle stand, musste abgerissen werden, weil die Durchfahrtshöhe für Lkw zu gering war. Mit 4,75 Meter hat die neue Brücke die richtige Höhe. "Zehn Tonnen Last hält die Brücke aus", sagte Wirths.

Josef Niehues, der Verantwortliche der ausführenden Firma Heinrich Walter Bau, betonte: "Jede Brücke ist anders. Diese Brücke stand etwa sechs Wochen in der Werkstatt." Im Vorfeld habe es bis zu fünf Entwürfe gegeben, sagte Kreisdezernentin Ulrike Haase. "Die Entscheidung fiel zugunsten einer soliden, aber kostengünstigen Lösung, die gut ins Konzept passt." Zur Sicherheit werde nun noch ein Edelstahl-Gitternetz eingesetzt, fügt Haase an. Der Technische Beigeordnete Harald Flügge war begeistert: "Man merkt in Gesprächen mit den Bürgern, wie sehr der Radverkehr durch das Erfolgsprojekt Panoramaradweg in den Mittelpunkt rückt. Der Weg ist barrierefrei, denn jetzt gibt es mit dem Straßenverkehr keine Kreuzungspunkte mehr."

Während also am oberen Teil der Abtskücher Straße mit der Brücke etwas Neues entstand, musste 750 Meter weiter, unabhängig vom Lückenschluss, etwas Altes weichen: Die 120 Jahre alte Marone vor der kleinen Kapelle an der Abtskücher Straße musste radikal auf drei Meter gekürzt werden. Das zuletzt 14 Meter hohe Naturdenkmal auf dem Grundstück der katholischen Kirche konnte nicht gerettet werden. "Wir haben alles versucht, um die Ess-Kastanie zu retten. Baumdoktoren waren da und es wurde versucht, den Baum zu stabilisieren", erzählte Rolf Hitzbleck vom Kirchenvorstand. "Aber die Gefahr war einfach zu groß." Anwohner berichteten, dass ein Großteil der vom Baum abgeworfenen Ess-Kastanien sowieso ungenießbar gewesen sei, der Baum aber "einfach hierhin gehört hat". Ein Fall also für den Industriekletterer und Baumpfleger Thomas Hainski. Er sägte den Baum Stück für Stück ab. "Die dicke Faul-Stelle am Stamm sieht man deutlich. Der Stamm ist so hohl, dass man sich reinstellen kann", urteilte Hainski.

Eigentlich gehört Heiligenhaus nicht zum Einsatzgebiet des Teams um den 23-jährigen Remscheider Spezialisten. "Durch die Schräge ist der Baum nicht leicht zu klettern. Das wollte ich unbedingt machen." Nun soll laut Kirchenvorstand ein neuer Baum gepflanzt werden.

(RP/rl/ila)
 
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