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Serie Selbstverteidigung
Nicht zögern, wenn es keinen Ausweg gibt

Serie Selbstverteidigung: Nicht zögern, wenn es keinen Ausweg gibt
Wirksame Wing Tsjun Selbstverteidigung für Mädchen demonstrieren Elena und Alexander. FOTO: achim blazy
Ratingen. Seit der Silvesternacht in Köln ist das Thema Selbstverteidigung gerade bei Frauen gefragt wie nie. Wie verhalte ich mich richtig in gefährlichen Momenten? Wir fragen Profis und geben Tipps. Wing Tsjun soll einst von Frauen entwickelt worden sein. Von Anneke Schultz

Ratingen Wie kann ich mich effektiv verteidigen? Diese Fragen stehen im Vordergrund. In der Kampfkunst Akademie Ratingen gibt es darauf Antworten. Inhaber Tobias Kleinhans vermittelt mit seinem Team die Kunst des Wing Tsjun. Dabei steht die Verteidigung gegen körperlich überlegene Gegner im Mittelpunkt.

"Im Gegensatz zu vielen anderen Kampfkünsten muss man Wing Tsjun nicht jahrelang perfektionieren. Es geht darum, schnell und effektiv Techniken zu erlernen, die in realen Situationen helfen", erklärte Kleinhans. Der Legende nach entwickelten zwei Frauen den Sport vor 350 Jahren im chinesischen Bürgerkrieg. Selbstverteidigung von Frauen für Frauen. Doch auch viele Männer begeistern sich für Wing Tsjun.

Das Training findet in gemischten Gruppen statt. So können realistische Situationen simuliert werden und die Teilnehmer sind in der Lage, in Gefahrensituationen ruhig und konzentriert zu reagieren. Zunächst vermitteln die Trainer allerdings gewaltfreie Lösungen solcher Situationen. "Für uns ist jeder vermiedene Kampf ein gewonnener Kampf. Deshalb machen wir mit den Teilnehmern Rollenspiele, in denen verbale Lösungen gezeigt werden", sagte Tobias Kleinhans. So ist es wichtig, in unangenehmen Situationen laut und deutlich zu sagen, dass man sich bedrängt fühlt. Hier ist der Satz "Lassen Sie mich in Ruhe" am effektivsten. Für den Angreifer wird klar, dass er mit Widerstand rechnen muss und auch alle Menschen in der Umgebung werden auf die Situation aufmerksam. Zusätzlich schafft die höfliche Anredeform Distanz zum Angreifer. Erst, wenn verbale Verteidigung nicht mehr hilft und auch Weglaufen keine Option ist, sollte man sich auf einen körperlichen Kampf einlassen.

Tobias Kleinhans: "Ich wünsche keinem meiner Schüler, dass er oder sie in eine solche Situation kommt. Sollte es aber keinen anderen Ausweg geben, darf man auch nicht zu zögerlich sein. Angriff ist dann die beste Verteidigung." Wing Tsjun baut dabei auf vier Grundsätzen auf. Zunächst lernen die Schüler, den Körper zu entspannen und nicht zu verkrampfen. So kann der Gegner weniger Kontrolle ausüben. Schließlich macht man sich frei von der Kraft des Gegners, um sie gegen ihn zu benutzen. Dabei wird noch eigene Kraft hinzugefügt.

Katharina Rückels trainiert seit acht Jahren Wing Tsjun, Elena Viehweger ist seit dreieinhalb Jahren dabei. Beide fühlen sich deutlich sicherer: "Gerade im Hinblick auf Karneval gibt uns das Training ein sicheres Gefühl. Wir nehmen grundsätzlich keine Opferrolle ein, auch wenn wir alleine unterwegs sind." Übungen für sicheres Auftreten und die Stärkung des Selbstbewusstseins sind auch ein Bestandteil des Trainings.

Zusätzlich zu den Techniken zeigen die Trainer Auswege aus Situationen, in denen der Gegner von hinten oder von der Seite angreift. Diese sogenannten Notfalltechniken trainieren die Teilnehmer so lange, bis sie automatisch abgerufen werden können. Kleinhans sagte: "Opfer verfallen oft in Panik und dann in eine Schockstarre. Dagegen trainieren wir hier an, denn das ist das Schlimmste, was passieren kann. Wing Tsjun ist natürlich keine Superkraft, die unbesiegbar macht. Aber gerade für Frauen ist es eine realistische Möglicheit, sich effektiv zu verteidigen."

Quelle: RP
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