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Ratingen
Noch viele Anregungen für Stadtgeschichte-Schau im Museum

Ratingen. In der Nachbetrachtung kommt so mache Vergangenheit besser weg als tatsächlich geschehen, manche auch schlechter. Wenn aber an die Geschichte einer Stadt erinnert wird, sind viele Betrachter am Werk, die es ganz genau wissen. Vor allem, wenn sie eine frühere Präsentation noch im Kopf haben. So ergeht es jetzt der neu eingerichteten stadtgeschichtlichen Dauerausstellung im Museum Ratingen auf der Grabenstraße. Übrigens hat das den Bei-Namen "Kunst und Stadtgeschichte".

Eines kann man der Rückschau auf 740 Jahre nicht vorwerfen: dass sie romantisierend, dass sie rührselig sei. Die rechte Bezeichnung wäre cool, vielleicht auch "zurückgenommen" oder auch "dezent". Da knallt nichts raus, da bricht man weder in Lachen noch in Tränen aus, will man auch nicht wirklich was anfassen - ist ohnehin verboten. Bei der Eröffnung, als Alexandra König, Museums-Leiterin, und Bürgermeister Klaus Pesch die Schau mit herzlichen Worten der Öffentlichkeit empfahlen, machten sich viele heimatverbundene Ratinger Eingeborene und zuverlässig angelernte Bürger ein erstes Bild. Da machte sich durchaus Zufriedenheit breit, denn fast vier Jahre hat es überhaupt keine stadtgeschichtliche Schau gegeben.

Und nun sind sie traut versammelt - die Hellebarden, der Pranger, die städtische Waage und das Schützensilber, der überdimensionierte Blick aus dem Hubschrauber auf die Innenstadt, auch etwas nicht wirklich "Neues" wie die Vespa. Einhellig vermisst wurde ein erläuterndes Begleitheft, das nicht nur einen chronologischen Rundgang hilfreich stützt, sondern auch zur Vor- oder Nachbereitung dringend erforderlich ist. Natürlich kann man sich an irgendeiner Stelle im Obergeschoss in die Ausstellung einklinken und bekommt auch raus, ob man im Mittelalter wandert oder später.

Allein - man muss dann wacker die Schilder lesen und verinnerlichen. Und immer mal wieder zum Touchscreen gehen und sich ein Stück Heimat "drücken". Der Bürgermeister ließ auf Befragen trostvoll durchblicken, dass die Herstellung einer Broschüre nicht am Geldmangel scheitern würde.

Es gab Kritik daran, dass das Dritte Reich und Regimegegner zu kurz kämen, dass die Gegenwart und etwa fünf Jahrzehnte davor nicht korrekt beziehungsweise nur in Bruchstücken dargestellt worden seien. Aber es gab echtes Lob, dass aus einem generell nicht sehr üppigen Bestand an historisch bedeutenden Gegenständen eine ordentliche Schau auf die Beine gebracht worden sei, die ein gleichberechtigtes Gegengewicht zur Kunst im Parterre darstelle.

Alexandra König hat mit ihrem Team eine ordentliche Arbeit gestemmt. Nun stellte sie die Erinnerungsschau vor und erklärte, dass sie offen für Anregungen sei und die Ausstellung Platz für Veränderungen biete. Wahrscheinlich aber nicht für das Kastenbett mit Himmel, das vielen Ratingern als prominentes Beispiel für Vergangenheit gut im Gedächtnis ist. Vielleicht wäre es ein witziges Zitat im Foyer.

(gaha)
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