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Heiligenhaus
Oleg dankt für glückliche Ferientage

Heiligenhaus. Der Elfjährige aus der Ostukraine schickte eine rührende Mail. Die Aktion Tschernobyl setzt auf solche guten Kontakte. Von Paul Köhnes

Eine E-Mail aus dem ukrainischen Kiew kam in diesen Tagen bei Familie Schwarz in der Wassermangel an: "Sie haben geholfen, dass unser Kind eine Zeit lang anders wohnen, ein bisschen Ruhe haben konnte", heißt es darin. Es geht um den elfjährigen Oleg Garkaviy, das erste Flüchtlingskind aus der Ostukraine, das im Rahmen der "Aktion Tschernobyl" in diesem Sommer für drei Wochen zur Erholung nach Heiligenhaus kam.

Eine Kopie der Mail erhielt auch Gaby Slotta, von Beginn an treibende Kraft der Heiligenhauser "Tschernobylhilfe". Sie freut sich drüber: "Die Helfer in Kiew und wir kennen uns jetzt seit 23 Jahren. Da sind Kontakte gewachsen."

Auf ein Wiedersehen hofft auch Oleg: "Mit warmen Erinnerungen" spreche er über seine Gastgeber, von "vielen unvergesslichen Erlebnissen" und von "vielen Ausflügen und interessanten Menschen" ist die Rede in dem Brief. "Wir sind herzlich dankbar und verbeugen uns tief vor Ihnen", schreibt die Familie Garkaviy.

Die Garkaviys stammen aus Antrazit, einer Bergbaustadt in der heftig umkämpften Region Luhansk, etwa 90 Kilometer vor der russischen Grenze an der wichtigen Trasse Kiew-Charkiw-Rostow am Don gelegen. Im Sommer vergangenen Jahres kam Tag für Tag viel Militärtechnik aus Russland in ihren Ort, es wurden Waffenlager angelegt, eines davon in einem verlassenen Kulturhaus ganz in der Nähe des kleinen Wohnhauses der Familie, es wurden Raketen-Stellungen und Kontrollposten eingerichtet. Als dann Kämpfe begannen und Granaten in Wohngebieten einschlugen, floh zunächst der Vater mit Oleg und dessen fünfjährigen Bruder nach Kiew, einige Zeit später die Mutter mit der dreijährigen Tochter. Jetzt lebt die fünfköpfige Familie zusammen mit zwei weiteren Personen in einer Zwei-Zimmer-Wohnung in Kiew.

"Es sind Umstände, wie es sie inzwischen so ähnlich hundertausendfach in der krisengeschüttelten Ukraine gibt", kommentiert Gaby Slotta. Trotz der schlimmen Erfahrungen, die er in letzter Zeit gemacht hatte, erwies sich Oleg Garkaviy in Heiligenhaus als ein Gastkind, wie man es sich nur wünschen kann. "Er war total nett und zugänglich", sagt Gastmutter Angela Schwarz. Irgendetwas, das auf Kriegserlebnisse zu Hause hinwies, hat sie nicht bemerkt. Bei den Aktivitäten in Heiligenhaus war er immer ganz vorn mit dabei. Zum Beispiel als man während eines Besuchs bei der Feuerwehr in einen Schutzanzug schlüpfen konnte und den Helm dazu aufgesetzt bekam. Für ihn war das ein ganz besonders schöner Programmpunkt. Der Abschied aus Heiligenhaus fiel ihm sehr, sehr schwer. Oleg hat sich während der Heiligenhauser Tage "in Deutschland verliebt", heißt es in dem Dankesbrief schließlich.

Quelle: RP
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