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Analyse
Partnerschaften brauchen neue Frische

Analyse: Partnerschaften brauchen neue Frische
Die Tafeln vor dem Heiligenhauser Rathaus, die an die Städtepartnerschaften erinnern sollen, sind inzwischen reichlich verwittert. FOTO: Achim Blazy
Heiligenhaus. Städtepartnerschaften in England, Frankreich und im Erzgebirge sind ein Pfund, mit dem die Stadt wuchern kann. Das tat man auch lange Zeit - aber jetzt braucht es einen Plan für die Zukunft. Von Paul Köhnes

Geht es nach der Aktenlage, dann ist das Thema "Städtepartnerschaften" ein eher dröges Ding. Ende September hat sich das zuständige Kulturkomitee - mutmaßlich letztmals für dieses Jahr - mit dem Thema beschäftigt. Auf dem Papier sieht es für den Rest des Jahres gar nicht so schlecht aus. Wer allerdings nach der Zukunft der Städtepartnerschaften fragt, bekommt ein Lob als Antwort: "Eine sehr gute Frage" sei das. Und selbst diese Auskunft gibt es hinter vorgehaltener Hand.

Also vorerst zurück zur Papierform: So ist vom 11. bis 13. November im englischen Basildon die Abschlussveranstaltung zum Gedenken an den Ersten Weltkrieg. Mit einer abschließenden Theateraufführung unter musikalischer Leitung und Beteiligung der Heiligenhauser Band "Fricklesome Amsel" - die, nebenbei - seit langen ein gefragter Heiligenhaus-Exportartikel ist. Anfang Dezember gibt es im französischen Meaux ein Wiedersehen auf dem dortigen Weinachtsmarkt. Heiligenhaus und Basildon sind dort mit Ständen vertreten. Umgekehrt wird Meaux im Advent in Heiligenhaus mit einem Stand zu Gast sein. Heiligenhaus ist auf dem Weihnachtsmarkt im erzgebirgischen Zwönitz mit einem Stand vertreten. Eine Delegation aus Zwönitz wird mit einem Stand auf dem Heiligenhauser Weihnachtsmarkt vertreten sein. Die Stadt Mansfield schließlich war beim Stadtfest zuletzt zu Gast in Niederberg.

Zum offiziellen Teil gehört natürlich auch, dass es inzwischen den "Basildonplatz", den "Mansfieldplatz" und das "Zwönitzer Eck" gibt. Augenfälliger ist derzeit aber etwas ganz anderes: Der "Partnerschaftswegweise" vor dem Kulturbüro - einstmals ein hübsch gestalteter bunter Holzwegweiser, der die Entfernungen in die Partnerstädte anzeigt und die Himmelsrichtung, in der sie liegen - dieser Wegweiser ist komplett verwittert. Und es drängt sich, gerade bei diesem symbolträchtigen Anblick, eine Vorstellung auf: Sämtliche Städtepartnerschaften könnten eine Auffrischung vertragen.

Ansätze sind vorhanden. Unlängst traf man sich zu einer munteren deutsch-englischen Wochenendrunde im Museum. Und hier, im heimlichen Kulturzentrum an der Abtsküche - liegen auch Chancen für Neustarts, über die nachzudenken lohnt. Noch in bester Erinnerung ist die deutsch-französische Kooperation anlässlich des Datums "100 Jahre Erster Weltkrieg" im Jahr 2014. Die Schau zeigte damals eindrucksvoll ein dunkles Kapitel deutsch-französischer Geschichte, festgemacht an Heiligenhaus und der Partnerstadt an der Marne. Völlig anders geartet sind weitere deutsch-französische Verbindungen - Stichworte: Wein- und Käsemarkt oder "französisches Wochenende" - beides ebenfalls im Museum.

Offen erscheint derzeit, ob Gruppenreisen in die Partnerstädte -über viele Jahre fester Bestandteil des Jahreskalenders - irgendwie wieder aufleben könnten. Auf Kosten der Stadt wird das angesichts der Haushaltszwänge kaum funktionieren. Aber es dürfte daran eigentlich auch nicht scheitern.

Um Kontakt Richtung England kümmert sich aktuell auch die Gesamtschule. 15 Schüler waren unlängst dort, für das Frühjahr 2018 ist ein Gegenbesuch geplant. Zwischendurch halten sich die neuen Freundschaften via Mail und Soziale Netzwerke.

Kernfrage bleibt: Wie sind Städtepartnerschaften weiter mit Leben zu füllen? Interesse darf vorausgesetzt werden. Vielleicht wäre es ein dankbarer Ansatz, den alten Holzwegweiser im Rathaus-Innenhof in Erinnerung zu rufen. Für den Anfang täte es ein wenig Farbe. Ausgehend davon könnte das Kulturbüro die Werbetrommel rühren für eine Stadt, die mit ihren internationalen Kontakten auch weiterhin etwas anzufangen gedenkt.

Auch das muss ja nicht die Welt kosten.

Quelle: RP
 
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