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Hösel
Performance: Texte, Tango und ein Engel in Hösel

Hösel. Tragen Engel güldene Stöckelschuhe und gießen ihre ätherischen Leiber auf silberne Treppenleitern? Wohl nicht. Doch dann, wenn das himmlische Geflügel einen literarischen Ausflug in irdische Sphären - hier: ins Haus Oberschlesien - macht, kann das schon mal geschehen. Also drapierte sich die Schauspielerin und Rezitatorin Cornelia Schönwald dann, wenn sie nicht durch den Zuschauerraum mäanderte, attraktiv auf die Sprossen und unter ein aufgeklapptes Flügelpaar und lächelte. Meistens aber deklamierte sie.

Der Kulturkreis Hösel, immer wieder gut für exquisite Kammerstücke literarischer und musikalischer Art, hatte sich diesmal dem Tango verschrieben - dem Tango und einem Engel. Das bedeutete entrücktes Rezitieren feinsinniger Texte und leidenschaftliches Musizieren noch leidenschaftlicherer Stücke.

Natürlich fehlte Altmeister Astor Piazzolla nicht, Erik Satie, Carlos Gardel erklangen. Und das von einem Trio, das sich zu einem ganz speziellen Klangkörper zusammengefügt hatte: Beate Schmalbrock spielte Querflöte und Klavier, Kornelia Goldstein Trompete und Marko Kassl, 39 Jahre alter Österreicher und seit 2007 Lehrbeauftragter für Akkordeon an der Hochschule für Musik Detmold, spielte Akkordeon.

Dass die Musiker wirklich besondere sind, mag man nicht nur daran erkennen, dass sie unterrichten, sondern auch noch in anderen, wenngleich "artnahen" Berufen zu Hause sind: So hat die Flötistin zum Beispiel eine Ausbildung zur Dispokinetikerin abgeschlossen, kümmert sich um die richtige Haltung und Sensomotorik bei Musikern und heilt, wo was aus dem Ruder läuft.

"Ein Stück Himmel" nannten die vier Künstler ihren Auftritt; wozu die Musik maßgeblich beitrug und die ausgewählten sanften oder schrägen, oft rätselhaften Texte kräftig zum Thema beitrugen.

Ingeborg Bachmann kam zu Wort, Khalil Gibran - immer gern gehört bei ähnlichen Anlässen auch, Rose Ausländer, Dante, Jaques Prevert oder auch Max Frischs "Fragebogen". Alles, was dichten kann und Engeln verfallen ist, ging ins Ohr und ins Herz.

Groteske Sinnsprüche gab es, überraschenderweise auch mal heiter kamen manche Texte daher. Und allerliebst der "Straßenfeger" von Jaques Prevert unter dem Himmel von Paris - für den das Akkordeon hätte erfunden werden müssen, wäre es nicht schon auf der instrumentalen Welt gewesen.

"Viele Menschen versäumen das große Glück, weil sie das kleine übersehen", hieß es treffend in einem Text. Viel kleines Glück fügte sich im Kulturkreis Hösel zum größeren Zuhörerglück - ein wahrhaft zugewandter Applaus ließ die Künstler hochleben und auch Regine Walther, stellvertretende Vorsitzende, zufrieden mit dem erwählten Programm sein.

(gaha)
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