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Kolumne Calm Down (3)
Plätzchenbacken ist gut für die Seele

Kolumne Calm Down (3): Plätzchenbacken ist gut für die Seele
Monheimer backen Plätzchen nach Rezepten aus aller Welt: Kouthar, Alina, Ebru, Laura und Pia (v. li.) rollen mit Vergnügen den Teig für die kleinen Leckereien aus. FOTO: RALPH MATZERATH/dpa
Ratingen. Der Duft von Zimt und Schokolade zieht durch das Haus der Jugend an der Tempelhofer Straße. "Mmmm" klingt es in verschiedensten Tonlagen aus allen Richtungen. Die Jugendlichen genießen die heimelige Atmosphäre. Von Andrea Bindmann

Kreis Mettmann Hoch konzentriert sind Alina, Pia, Kaouthar, Ebrou und Laura am Werk. Es ist still am Tisch. Fast besinnlich. Alina formt Gesichter aus buntem Plätzchenteig. Laura sticht bunte Blumen in Grün, Rot und Violett aus. Ebrou knetet eine dicke Teigkugel: "Das beruhigt", findet sie. Auch Laura ist entspannt: "Man kann seiner Fantasie freien Lauf, die Gedanken fliegen lassen." Alina fügt hinzu: "Wir backen auch zuhause, aber nur vor Weihnachten. Das gehört einfach dazu." Alle drei sind sich einig: "Plätzchen backen ist etwas besonderes, weil man gemeinsam Zeit verbringen kann. Da ist selbst das Aufräumen nicht schlimm. Und das Schönste ist, wenn nachher probiert werden darf."

Aynur hat ein altes Familienrezept für Schokoladenteig mitgebracht. "Diese Plätzchen haben bei uns zuhause Tradition. Meist backt sie aber meine Tante." Auch sie genießt es, wenn die ganze Familie versammelt ist und nach Herzenslust von den Teigwaren nascht.

An den anderen Tischen werden geduldig kleine Hörnchen gerollt und mit Äpfeln gefüllt. Kokosmakronen warten neben Nusshörnchen und Spritzgebäck auf den Backofen. Die jungen Herren basteln kleine Häuser aus Butterkeksen, Zuckerguss und farbenfrohen Naschereien. Die fleißigen Bäcker genießen mit allen Sinnen: Es duftet, der Teig muss mit den Händen bearbeitet werden und natürlich wird auch probiert. Dann das Warten. Geduld ist dabei nicht jedermanns Stärke.

Stadtteilmanager Georg Scheyer hat unterdessen einen der härtesten Jobs des Abends: Er steht direkt neben dem Backofen und wird in warme Plätzchenduftwolken eingehüllt. "Ich darf nicht naschen", kämpft er gegen seinen inneren Schweinehund. "Jeder Teig hat unterschiedliche Backzeiten und jeder Teilnehmer hat einen hohen Anspruch an das Ergebnis", verrät er. Doch die Aktion "Monheim backt bunt" hat gleich in mehrfacher Hinsicht positive Auswirkungen. "Es geht um das Miteinander", so Scheyer. "Das Miteinander von Generationen und Nationen."

Die Backaktion ist nicht nur eine Auszeit vom Alltag, sondern dient einem guten Zweck. "Ein Teil der Plätzchen wird sofort verzehrt, ein Teil traditionell auf den Monheimer Weihnachtsmärkten im Rahmen der Geschenkaktion ,Monheimer Weihnachtssterne' verteilt", erklärt Schulsozialarbeiterin Jutta Schäfer-Gerhards. "Wir backen jetzt im dritten Jahr. Aber so viele Teilnehmer hatten wir noch nie. Sie haben türkische, marokkanische oder spanische Rezepte mitgebracht. "

Die jungen Hobby-Bäcker belagern derweil Georg Scheyer und können es kaum abwarten, bis die Plätzchen fertig gebacken aus dem Ofen kommen und abgekühlt sind. Dann wird gekostet, gelobt und es werden Rezepte getauscht. Während es einige Teilnehmer schon wieder in den Alltagsstress zieht, bildet sich eine Runde, die 300 Tüten für die Aktion Weihnachtssterne packt.

Am Ende sind alle Teilnehmer erschöpft aber zufrieden. Der Plätzchenzauber wirkt - nicht nur auf den Gaumen, auch auf die Seele.

Im Rahmen der Aktion Weihnachtsterne können Bürger mit einer Spende einem bedürftigen und in Monheim lebenden Jungen oder Mädchen zum Fest ein passendes Spielzeug zukommen lassen. Die Spender erhalten dafür im Gegenzug einen farbigen Weihnachtsstern als Schmuck für den heimischen Baum oder das Adventsfenster. Und natürlich köstliche Plätzchen für die Seele.

Quelle: RP
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