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Heiligenhaus
Planen und bauen mit langem Atem

Heiligenhaus: Planen und bauen mit langem Atem
Baustellen brachten und bringen Belastungen für alle mit sich – nicht nur zwischen Rathaus-Center und Basildonplatz. Aber zunehmend rücken die Ziele des Stadtumbaus in den Blick. FOTO: Achim Blazy
Heiligenhaus. Erste Ideen für die Veränderungen der Innenstadt gehen auf die Mitarbeit der Heiligenhauser zurück. Von Stefan Mülders

Der Stadtumbau in Heiligenhaus, der mit der Westfalenstraße seinen definitiven Beginn nahm, ist inzwischen in vollem Gange. Der vorerst letzte große Akt wird in diesem Sommer in Angriff genommen: die Neugestaltung der Hauptstraße. Im Rückblick auf die Zeit, als das alles fast noch Utopie war, wird deutlich, dass viele kreative Ideen aus Werkstätten und Workshops heute schon Realität sind oder in naher Zukunft noch werden. Aus heutiger Sicht dürfte jeder Heiligenhauser nachvollziehen können, was der Technische Beigeordnete Harald Flügge 2005 bereits voraussah: "In der Innenstadtplanung und -gestaltung braucht man einen langen Atem."

Es begann mit dem mutigen Konzept "Urbane Szenografien": Die Heiligenhauser Planer ließen im Jahr 2004, damals noch unter Bürgermeister Peter Ihle, Studenten der RWTH Aachen und der Bergischen Universität Wuppertal in die Stadt hinein. Sie sollten mit mehr oder weniger geschultem Blick von außen die Stadt und das, was ihr bevorsteht, beleuchten. Heraus kamen viele interessante, manchmal auch skurrile Sichtweisen. Diese wurden später gebündelt, weiter entwickelt und in ein Konzept gegossen: Erschienen in der Broschüre "Innenstadtkonzept Heiligenhaus – Perspektiven für die Stadtentwicklung".

"Das ist unsere Bibel", sagt Flügge. "Neben den Experten der Hochschulen und Planungsbüros haben daran in vielen Sitzungen auch Verantwortliche und Bürger der Stadt mitgewirkt." Seitdem wird das Konzept, das in den "Urbanen Szenografien" seine Wurzeln hat, kontinuierlich umgesetzt. "Dabei ergaben sich immer wieder neue Situationen, die eingearbeitet werden mussten." Zum Beispiel die Verlagerung von Kiekert an den Höseler Platz, ein Glücksfall für Stadt, der aber bei den studentischen Grundideen noch keine Rolle spielen konnte.

"Die Akzeptanz der Baumaßnahmen erhöhen" war Anliegen von Susanne Elsen und Inga Capell. Ihre Ideen eines Sommernachtskinos und einer Ausweitung von Grünflächen in der Innenstadt wurden verfolgt. Das neue Stadtfest folgte ebenfalls ihren Anregungen. Ziel war es, die Bürger schrittweise an die Veränderung heranzuführen. Auch der Radweg beziehungsweise eine neue Nutzung der Bahntrasse sowie die Entwicklung eines Bahnparks waren Teil der studentischen Workshops. Letzterer wird zwar nicht auf einen Schlag realisiert, findet sich aber in Teilprojekten wie der Waschstraße mit Café, der Kaffeerösterei, Bahnwaggons, BMX-Park und Boule-Anlage eine schrittweise Umsetzung. Immer wieder entwickelten sich neue Vorschläge unter intensiver Beteiligung der Bürger. Man träumte von einer untertunnelten Hauptstraße, einer grünen Innenstadt und Wasserspielen. Viele Gedanken sind in das Hauptstraßen-Konzept eingeflossen. Bürgermeister Dr. Jan Heinisch nannte es vor zweieinhalb Jahren in einer der Planungswerkstätten "die schönste Gestaltungsmöglichkeit seit Jahrzehnten". Die Idee, ausgedehnte Plätze zu Kernmerkmalen der neuen City zu machen entstammt den Studenten-Workshops. Es flossen zwar nicht alle Details in die endgültigen Konzepte ein, aber das Wesentliche blieb erhalten. Mit ein bisschen Phantasie findet sich sogar die Idee von Klaus Küppers und Jan Schellhoff wieder, an der Bushaltestelle Rathausplatz eine Rasenfläche zu installieren: Ihr gegenüber steht eine der berühmt-berüchtigten begrünten Steinbänke. Eher als fixe und verschrobene Idee abgetan wurde damals das Vorhaben von Anna Dencheva und Irina Stoyanova, aus dem Gelände Kiekert & Nieland ein Wellnesszentrum zu machen. Damals undenkbar, weil an eine Insolvenz dieses Betriebes noch keiner dachte. Aus heutiger Sicht jedoch möglicherweise gar nicht so abwegig.

Quelle: RP
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