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Analyse
Politik diskutiert Zukunft der Musikschule

Analyse: Politik diskutiert Zukunft der Musikschule
Die Band "Flyin' Tunes" der Musikschule bei einer Probe im Raum unterm Dach am Südring. Am Freitag, 17. November, 20 Uhr, ist die Band live im Club an der Hülsbecker Straße zu hören. FOTO: Achim Blazy
Heiligenhaus. Die Musikschüler sind seit zehn Jahren am Südring untergebracht. Dem Schulausschuss liegt für morgen ein Papier vor, das sich mit Alternativen zum Ex-VHS-Bau befasst und Chancen für Kooperationen mit anderen Musikschulen äußerst kritisch sieht. Von Paul Köhnes

Die Haushaltsberatungen für 2018/2019 kommen in Gang. Sparen bleibt das wichtigste Stichwort. Auf dem Prüfstand steht unter anderem die Zukunft der Musikschule. Es galt vorab, zwei Fragen zu klären: Kann Musikschulunterricht in andere städtische Gebäude ausgelagert werden? Und: Könnten andernfalls Kooperationen mit anderen Musikschulen Geld sparen? Auf beide Fragen geben die beteiligten Experten eine klare Antwort: Nein.

Aber damit dürfte es kaum getan sein. Festgehalten sind die Überlegungen in einem Papier, das am Donnerstag im Schulausschuss zur Diskussion steht. In den Seiten steckt erheblicher Aufwand. Der wird getrieben, um klipp und klar festzustellen, "warum die Umsetzung solcher Maßnahmen nicht oder aber nur mit erheblichem Qualitätsverlust und zum Teil stark eingeschränktem Angebot möglich wäre". So heißt es gleich im ersten Absatz.

Die Autoren des Papiers rufen die Entwicklung der Musikschule in Erinnerung. Als feststand, dass die Musikschule aus der "Villa Küpper" (In der Blume 8) ausziehen muss, wurden in Zusammenarbeit von verschiedenen Ämtern der Stadtverwaltung und der Musikschulleitung viele Möglichkeiten der Unterbringung überprüft und verworfen, bis mit dem ehemaligen VHS-Gebäude am Südring ein adäquates Domizil gefunden wurde. Im Jahre 2006 wurde das Haus, in dem seit 2007 die Musikschule untergebracht ist, für die Nutzung als Musikschule saniert und umgebaut. Die Gesamtkosten dafür beliefen sich seinerzeit auf knapp 210.000 Euro. "Eltern, Schüler und Lehrer sind seitdem begeistert von der positiven Atmosphäre und den hervorragenden Voraussetzungen für Zusammenarbeit und Vernetzung, die eine effektive Arbeit zum Wohle der Schüler ermöglichen", heißt es weiter in dem Papier. Der Unterricht an einer öffentlich geförderten Musikschule müsse mehr bieten als guten Einzelunterricht: Angebote zum Zusammenspiel mit anderen Kindern auf allen Lernstufen, Vorspiele mit verschiedenen Instrumenten und Ensemble- und Orchesterarbeit. All dies könne die Musikschule aufgrund des vorhandenen Gebäudes und der Nähe zu den Probenräumen in der Aula des IKG zurzeit sehr gut leisten. "Ein großer Vorteil des vorhandenen Gebäudes bestehe darin, dass Lehrer, Sekretariat und Leitung regelmäßig an einem Ort zusammen kommen. Informationen können schnell weitergegeben werden und eine effektive Zusammenarbeit mit dem Sekretariat und der Leitung wird sichergestellt."

Eine Verteilung von Musikschulangeboten sieht man äußerst kritisch. "Viele Schüler sind durch lange Schulzeiten und Hausaufgaben nicht mehr frei in ihrer Freizeitgestaltung. Auch Grundschulkinder sind durch die OGS oft zeitlich gebunden. Da in vielen Familien beide Elternteile berufstätig sind, können Kinder und Jugendliche nicht zu beliebigen Zeiten zum Unterricht gebracht werden. Bisher konnte meistens eine Lösung für diese Probleme gefunden werden, da im vorhandenen Gebäude die Unterrichtsräume ganztägig und auch an Wochenenden nutzbar sind". Für den alten VHS-Bau spreche auch die zentrale Lage. Darüber hinaus bietet das Musikschulgebäude die Möglichkeit, Sonderaktionen wie den Tag der offenen Tür, eine Projektwoche, die Einstudierung eines Musicals mit zahlreichen Sonderproben, die Herstellung eines Bühnenbildes etc. in Eigenregie und ohne zeitliche und räumliche Beschränkung und ohne zusätzliche Kosten durchzuführen. "Bei einer Verlagerung der Musikschule müssten all diese Möglichkeiten erhalten bleiben, um die Angebote der Musikschule ohne Qualitätsverlust für Eltern und Schüler aufrecht zu erhalten und unverändert hohe Unterrichtsgebühren zu rechtfertigen."

Ein klare Absage gibt es schließlich in Sachen Kooperationen: "Die Erfahrung aus anderen Musikschulen zeigt, dass mit der Zersplitterung des Unterrichts auf viele verschiedene Orte die Identifikation mit der Musikschule stark abnimmt."

Der Schulausschuss fasst keinen Beschluss zu dem Thema.

Quelle: RP
 
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