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Kreis Mettmann
Polizei will gegen Gaffer durchgreifen

Kreis Mettmann: Polizei will gegen Gaffer durchgreifen
Bei diesem schweren Unfall auf dem Düsseldorfer Platz deckten Einsatzkräfte die Unfallstelle ab. FOTO: Joachim Preuß
Kreis Mettmann. Wer Unfallopfer fotografiert oder filmt, macht sich strafbar. Gegen solche Personen will die Polizei härter vorgehen. Von Valeska von Dolega

Ob bei Autounfällen, Großbränden oder Umweltkatastrophen - Gaffer werden für Einsatzkräfte zunehmend zum Problem. Vor allem bei Verkehrsunfällen ist diese Art Schaulustiger mehr als bloß ein Ärgernis.

Schamlos ziehen sie ihr Mobilfunktelefon, gehen vom Gas, um Fotos zu machen. Oder verlassen im Stau ihr Auto, um zur Unfallstelle zu spazieren. "So kann der Einsatz der Rettungskräfte behindert werden", sagt Uli Löhe, Sprecher der Polizei im Kreis Mettmann. Ebenso wenig ist es möglich, für eine rasche Absicherung der Unfallstelle zu sorgen. "Notwendige Sekunden verstreichen", Zeit ist für die Beamten und ihre Kollegen von Feuerwehr und Ärzteteams ein wesentlicher Faktor. Werden von den peinlichen Voyeuren auch noch Spuren verwischt, kann das dramatisch werden, wenn später ein Unfall rekonstruiert werden soll, führt der Beamte aus.

"Bislang haben wir im Kreis Mettmann mit Gaffern noch keine ganz großen Probleme gehabt." Negative Vorfälle wie in den Nachbarstädten gab es bislang nicht. Zuletzt hatte die Polizei in Hagen nach einem Unfall mit einem wütenden Facebook-Beitrag Sensationslustige kritisiert. "Musste das sein?!" "Was wäre, wenn ihr das Opfer wärt?", fragten die Beamten. Auf der Autobahn bei Leverkusen sind deswegen bereits mobile Stellwände zum Einsatz gekommen. Allerdings stellen Polizei, Feuerwehr und andere Rettungskräfte fest, dass "die menschliche Neugierde sehr stark ist". Derlei impertinenten Beobachtern wird zunächst ein sogenannter Platzverweis erteilt. "Wir fordern auf, hinter Absperrungen zu treten", sagt Uli Löhe. Wird dieser Anweisung nicht Folge geleistet, werden Personalien notiert, um entsprechende Bußgeldverfahren einzuleiten. Dabei haben Beamte und Retter Wichtigeres zu tun - "wir müssen uns um die Opfer kümmern". Hier Personal abziehen zu müssen, sei vor allem nicht im Sinne der Opfer.

Wenn zudem Gaffer dafür sorgen, dass weitere Staus oder Folgeunfälle entstehen, wird die Situation noch unübersichtlicher. Die spektakulären Sichtschutzwände führen die Polizisten im Kreis Mettmann nicht mit sich. "Sie müssen mit entsprechendem Personal und in entsprechenden Fahrzeugen angebracht werden." Feuerwehr und Autobahnpolizei tun das. Als Sichtschutz improvisieren die Beamten mit Rettungsdecken. "Hierfür müssen zwei Kollegen abgestellt werden, um sie zu spannen und hochzuhalten." Zwei Kräfte, die anderswo dringender gebraucht werden.

Um die Autobahn-Gaffer in die Schranken zu weisen, geht die Polizei mit Geldstrafen und Punkten in Flensburg gegen die Sensationsgier vor. Wer mit Handy in der Hand bei laufendem Motor erwischt wird, zahlt 60 Euro und kassiert einen Punkt. "Offensichtlich wissen sogenannte Gaffer nicht, auf welch vielfältige Weise sie belangt werden können", sagt Rüdiger Schmidt-Weustenfeld, Fachanwalt für Verkehrsrecht.

Pauschale Urteile lassen sich nicht fällen. Schon eine Ordnungswidrigkeit begeht aber derjenige, der ohne triftigen Grund stark abbremst oder ohne Grund auf der Autobahn anhält. Auch das Halten eines Mobiltelefones am Steuer bei laufendem Motor zum Fotografieren einer Unfallstelle ist eine Ordnungswidrigkeit.

Wird eine polizeiliche Anordnung (zum Beispiel den Unfallort verlassen) nicht befolgt, begeht man ebenfalls eine Ordnungswidrigkeit. Hier droht die Verhängung von Bußgeldern und der Eintrag von Punkten. Wer ohne triftigen Grund scharf bremst und daraus folgt ein Unfall, riskiert darüber hinaus unter Umständen eine strafrechtliche Verurteilung zu einer Geld- oder Freiheitsstrafe, gleiches gilt bei einer Behinderung von Rettungskräften, insbesondere dann, wenn dadurch die Versorgung von Unfallopfern erschwert wird.

Die niedersächsische Landesregierung hat eine Bundesratsinitiative gegen Gaffer beschlossen. Damit will sie das Behindern von Rettungskräften sowie das Aufnehmen von Fotos und Videos von Unfallopfern unter Strafe stellen lassen, wie Innenminister Boris Pistorius und Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz in Hannover mitteilten.

Quelle: RP
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