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Ratingen-West
Quartiersbotschafter mit Herz

Ratingen-West: Quartiersbotschafter mit Herz
Diptesh Banerjee will ein Vorbild sein. FOTO: Dietrich Janicki
Ratingen-West. Diptesh Banerjee ist der Gentleman unter den Rappern. Außerdem arbeitet der Student mit Flüchtlingskindern. Von Valeska von Dolega

"Ohne die Musik wäre ich nicht der geworden, der ich bin", sagt Diptesh Banerjee. Ausgerechnet HipHop verdankt der Rapper nach Eigenaussage alles. Nach dem Motto "One nation, one groove (Eine Nation, ein Rhythmus)" ist der Stil nicht nur Melodie, sondern Lebensphilosophie. "Hier sprechen Herz und Gefühle", sagt Gentleman-Rapper "Dip", der Frauen und die Liebe wie ein Urahn Walter von der Vogelweides als des Minnesangs Frühling besingt. Beschimpfungen gingen für ihn auch deshalb nicht, weil er "ein Vorbild sein will".

"Aufgrund meiner Hautfarbe wurde ich diffamiert", erinnert der inzwischen 39-Jährige. Nicht nur, dass er einen indischen Migrationshintergrund hat, als kleiner Junge war er auch noch Brillenträger. "Total uncool im Block", also Ratingen-West. Mit zwölf Jahren entdeckte er seine Liebe zur Musik, "endlich hatte ich etwas gefunden, um mich auszudrücken". Seine destruktive Art und die Perspektivlosigkeit wichen "Selbstbewusstsein. Schwarz ist gut, das ist cool". Die Kids im Block respektierten ihn. Mit 15 Jahren stand er erstmalig auf einer Bühne. "Das Lob motivierte mich, weiter zu machen."

Nach seiner Philosophie gibt es im wahren HipHop keine Unterschiede bei Hautfarbe oder Geschlecht, nur ob einer "was drauf hat oder nicht". Und Dip, der das Leben als "stetigen Lernprozess" versteht und vor allem sein geistiges Potenzial mit der Lektüre von René Descartes, Immanuel Kant oder Hermann Hesse auszubauen sucht, möchte diesbezüglich ein würdevoller Vertreter seiner Zunft sein.

Längst ist die Musik "mehr als nur ein Hobby" geworden. Zwar hat der überzeugte Ratinger sich nach dem Abitur 1997 an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf für Germanistik und Informationswissenschaft eingeschrieben und antwortet brav, er wolle mal Lehrer werden. Wirklich "nach vorne" möchte er aber musikalisch. Diverse CDs hat er besungen, zunächst mit seiner Band, später solo. "Bei allem Erfolg hat er seine Wurzeln nie vergessen oder verleugnet", urteilt Heiner van Schwamen über den Sänger. Dip bezeichnet ihn als "Entdecker, dem ich alles verdanke".

"Es gibt Leute die nicht so gut darauf klarkamen, dass ich so viel Aufmerksamkeit bekam", sagt Dip über manch anderen Weggefährten. Vor allem war der Wirbel groß, als es zum Casting einer fernsehprominenten Show nach Köln ging. "In der Werbung hörte ich, dass man ohne Altersbeschränkung mitmachen kann. Da dachte ich: 'Phett!'." So sang er bei Dieter Bohlen und dem als Äitsch-Pee Baxxter bekannten Scooter-Frontmann Hans Peter Geerdes vor. "Ich hatte zu wenig geschlafen, zu viel Kaffee getrunken und einfach viel zu viel Gas gegeben", erinnert er sich an den letztlich verpatzten Auftritt. "Ich fühlte mich, als stünde ich vorm Olymp." Aber Dip Banerjee wäre nicht er, würde er nicht auch im Scheitern eine Chance sehen. "Beim nächsten Casting gehe ich's ruhiger an." Doch bis dahin hat er sich viele andere Aufgaben und Ziele gesteckt. Seine Philosophie anderen zu vermitteln, diesen "Weg des Wissens" zu gehen, andere zu achten, wo nötig die kontroverse Debatte zu suchen, Außenseiter in die Gesellschaft zu integrieren und in "gegenseitiger Harmonie" zu leben, sind Lebensmaxime.

Jeden Montag zum Beispiel arbeitet er mit Jugendlichen. Natürlich aus und in seinem Quartier, er ist ja schließlich noch immer einer von ihnen. "Es wird gesungen und getextet, über Musik gesprochen und Musik gehört. "Ich versuche zu vermitteln, wie wichtig es ist, Ziele zu haben." Und dass Ehrgeiz, Disziplin und Fleiß auf dem Weg, sie zu realisieren, wichtig sind. Der Rest kommt dann quasi von alleine, die große Liebe nebst Superfrau inklusive.

Quelle: RP
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