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Ratingen
Tandem aus Mobilität und Beschäftigung

Radstation Ratingen bringt Mobilität und schafft Arbeitsplätze
Landtagsabgeordneter Stefan Engstfeld (l.) besuchte mit Grünen-Ratsmitglied Christian Otto (2.v.r.) die Radstation des SkF am Ratinger Ostbahnhof. FOTO: Dietrich Janicki
Ratingen. Die Radstation Ratingen verbindet Rad und Bahn und gibt zehn ehemaligen Langzeitarbeitslosen einen Job. Von Dirk Neubauer

Einen gegen Regen und Diebe geschützten Unterstellplatz fürs eigene Rad am S-Bahnhof Ratingen Ost? Kostet 70 Euro im Jahr oder einen Teilbetrag für eine kürzere Zeit nach Wunsch und ist für Mieter mit einer Chipkarte durch eine Drehtür rund um die Uhr erreichbar. Die 252 Stellplätze im Fahrradparkhaus sind das Herzstück der Radstation Ratingen. Der Service reicht aber noch viel weiter: Dort werden Fahrräder geputzt und repariert, es gibt zehn Leihfahrräder, die stunden- oder tageweise gemietet werden können. Dazu drei elektrisch betriebene Stehfahrräder, "People Mover" genannt, zum Ausleihen. Und durch eine Kooperation mit dem Ausleihverbund "RevierRad" kann auf Bestellung auch eine weit größere Zahl von Rädern in Ratingen bereitgestellt werden.

Stefan Engstfeld, Vizefraktionsvorsitzender der Grünen im NRW-Landtag, und Christian Otto, verkehrspolitischer Sprecher der Ratinger Grünen, schauten sich den Betrieb gestern an und waren voll des Lobes. Zum Einen aus einem ur-grünen Grund: Fahrrad und Bahn sind via Radstation ideal miteinander verbunden. Zum Anderen, weil bei der SkF Arbeit und Integration gGmbH zehn Langzeitarbeitslose Arbeitsplatz und Lebensperspektive gefunden haben.

Ohne einen jährlichen Zuschuss von der Stadt und Gelder der Arbeitsagentur Ratingen würde es die Radstation nicht geben. Das machte der für das Projekt zuständige Bereichsleiter beim Sozialdienst katholischer Frauen (SkF), Robert Wierichs, deutlich: "Wir sind ein Zuschussbetrieb." Doch mittlerweile habe sich die Qualität der Arbeit so weit herumgesprochen, dass die Stadt pro Jahr nur noch 20 Prozent der Betriebskosten hinzuschießen muss. "Wir sind immer auf der Suche nach neuen, lukrativen Tätigkeitsfeldern", versicherte Wierichs im Duett mit dem Fahrradmechaniker-Meister Marc Toczek, der die Fahrradwerkstatt leitet. Derzeit angedacht: eine Ladestation für Elektrofahrräder im Radparkhaus.

Damit hätten zur Arbeit pendelnde Radler den Rückenwind dank voller Akkus eingebaut, wenn sie sich abends in den Fahrradsattel schwingen. Hans Jörgens vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) verwies auf eine Lösung in Velbert. Dort ruhen die jeweiligen Ladeteile in abschließbaren Spinden mit Stromanschluss. Christian Otto, grüner Verkehrsexperte im Ratinger Rat, regte an, die Radstation am Ostbahnhof besser in das Radwegenetz einzubauen. Sie liege für Ortsunkundige ein wenig versteckt. Ein weiterer grüner Vorschlag, um das Fahrrad-Drehkreuz noch attraktiver zu machen: Wenn man die Räder in Linienbussen mitnehmen könnte, wären auch andere Teile von Ratingen besser mit dem Ratinger Osten vernetzt. Die neue Fahrradbeauftragte von Ratingen Paula Stegert hatte sich wegen Krankheit entschuldigt.

Rings um die Radstation gibt es aber nicht nur Friede und Freude. Aus dem Kreis der Ratinger Fahrradhändler murrt es deutlich: Anfangs sei die Radstation als Maßnahme für schwer vermittelbare Jugendliche gestartet worden.

Mittlerweile ziehe die Werkstatt am Ostbahnhof als Konkurrenz schmerzlich viele Aufträge an sich. "Die müssen weder Mehrwertsteuer ausweisen noch Beiträge an die Berufsgenossenschaft abführen - können also ganz anders kalkulieren", klagte ein Händler gegenüber der RP. Namentlich wollte er nicht genannt werden, weil viele Bürger seine Kritik missverstehen könnten: "Es ist für uns ohnehin schwer genug."

Quelle: RP
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