| 00.00 Uhr

Ratingen
Rathaus: Berlin überholt Ratingen

Ratingen. Bei der Närrischen Ratssitzung in der vollen Stadthalle ging es bissig, aber fair zu.

Frisches Blut gab es gestern auf der Närrischen Ratssitzung. Die SPD schickte mit dem Homberger Ortsvereinschef Pat Kreß einen Nachwuchsmann in die Bütt, für die Piraten trat Ex-Bürgermeisterkandidat Thomas Woywod an. CDU-Fraktionschef Ewald musste kurzfristig für den verhinderten Ratskollegen Oliver Thrun in Bütt. Einziger Profi der CDU-Riege war Jürgen Hilger-Höltgen, der ehemalige Düsseldorfer Hoppeditz.

Die FDP schickte mit Tina Pannes und Tim Jopé zwei altbewährte Kräfte auf die Bühne, während die Bürger Union diesmal mangels eines geeigneten Kandidaten aussetzte. Die Grünen beteiligten sich nicht an der Närrischen Ratssitzung in der voll besetzten Stadthalle.

In allen Reden war natürlich der Rathaus-Neubau eines der beherrschenden Themen. Inhaltlich überzeugen konnte dabei der junge Sozialdemokrat Kreß, bisher außerhalb von Homberg eher selten in Erscheinung getreten: "Ich muss Euch aber ehrlich sagen,/ und das schlägt einem langsam auf den Magen,/ statt die Rathausruine zu bestaunen,/ fehlt mir vom Bürgermeister ein fleißiges Raunen./ Denn wenn es so weiter geht, und das will keine Sau,/ eröffnet Berlin seinen Flughafen noch vor unserem Bau." Und, mit Blick auf den Düsseldorfer Platz: "Vielleicht kriegen wir als Folgeinvestition/ ein Dach für die Fußgängerzone, was kostet das schon?/ Oder direkt für die ganz Stadt, dann findet der Rosenmontagszug auf jeden Fall statt."

Auffallend in diesem Jahr war vor allem, dass es zwar manche Boshaftigkeit und harte Spitze gab, aber es immer fair blieb. Außerdem waren diesmal ausnahmslos alle Reden gereimt, was für das große Engagement aller Redner spricht. Es glänzte übrigens auch der älteste Politiker in der Bütt, Piratenchef Thomas Woywod. Ganz im Sinne von Rio Reisers Hit träumte er, "wenn ich König von Ratingen wär": "Ich dachte so nach gutem Brauch,/ was der Pesch kann, kann ich auch". Er setzte sich zum Beispiel mit dem Hertiehaus auseinander, dem Schandfleck am Beginn der Fußgängerzone: "Dieser grässliche 70er Jahre Tempel/ ist eigentlich der falsche Stempel/ für unsere Stadt mit Tradition". Und so gelang allen Rednern, was die Bütt im Karneval leisten soll: unterhalten und den närrischen Spiegel vorhalten. Dafür gab es für alle viel Applaus und jede Menge Lacher.

Nur schade, dass der gute Umgang unter den Politikern spätestens Aschermittwoch wieder Geschichte ist - bis zur nächsten Närrischen Ratssitzung.

(wol)
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Ratingen: Rathaus: Berlin überholt Ratingen


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.