| 18.35 Uhr

Drohender Deichbruch in Ratingen
Situation bleibt auch in der Nacht kritisch

Ratingen: Damm droht zu brechen - Wohngebäude bedroht
Ratingen. Die Lage am überfluteten Deich in Ratingen blieb am Dienstagabend weiter kritisch. Sollte er brechen, wären Wohngebäude und ein Gewerbegebiet bedroht. THW und Feuerwehr sind auch in der Nacht im Großeinsatz, die Arbeiten könnten noch Tage dauern.

"Wir haben immer noch das Problem, dass der Damm weiter abrutscht, dass Bäume abzustürzen drohen. Wir können im Moment nur gegen das Wasser anpumpen und versuchen, uns Zeit zu kaufen." So beschrieb Markus Meyer, Pressesprecher der Ratinger Feuerwehr, am Dienstagmittag die Situation. "Wenn es anfängt zu regnen, kriegen wir ein Problem", schilderte der Sprecher. 

Seit der Nacht zum Dienstag sind Feuerwehr und Technisches Hilfswerk (THW) vor Ort und konnten bislang verhindern, dass der Damm eines Teiches in Ratingen, der als Regenrückhaltebecken dient, bricht. Am Abend konnte der Wasserstand um 110 Zentimeter gesenkt und der Druck auf den Damm so reduziert werden. Sollte der Damm brechen, könnten sich mehr als 25.000 Kubikmeter Wasser in Richtung einiger Privathäuser in Ratingen und eines Gewerbegebietes in Essen ergießen. Die gefährdeten Gebäude wurden mit Sandsäcken vor einer Flutwelle geschützt.

Damm in Ratingen droht zu brechen FOTO: Blazy, Achim

Lagebesprechung am Abend soll über weiteres Vorgehen entscheiden

Feuerwehr und THW brachten bis zum Abend eine dritte Pumpe in dem schmalen Abschnitt in Position. "Diese Maßnahme hat gefruchtet", sagt Meyer. Damit sei ein Überlaufen des Beckens gestoppt, es drückten aber noch enorme Wassermassen gegen den brüchigen Deich. Über die Nacht werde die Arbeit fortgesetzt, um eine Gefährdung der Anwohner auszuschließen. 

Die Zufahrt wurde für Baumaschinen befestigt, umgestürzte und bereits schief stehende Bäume mussten entfernt werden. "Wir lösen uns in Schichten ab. Der Einsatz wird weitgehend geschultert von ehrenamtlichen Kräften der Feuerwehr und des THW", sagte der Sprecher der Feuerwehr Ratingen. Ein Notdamm aus Sandsäcken wurde etwa 200 Meter unterhalb der Dammkrone in dem sehr engen Tal errichtet. "Um eine Art Puffer zu bilden. Er wird eine Bremse sein, falls der Damm abgehen sollte", erklärte der Feuerwehr-Sprecher. 

Im nächsten Schritt wollen die Rettungskräfte am Mittwoch versuchen, den Wasserablauf zu beschleunigen und so die Situation schneller zu entschärfen. Dazu soll entweder ein kontrollierbarer Überlauf geschaffen oder eine Rohrleitung erneuert werden. Zu dieser Entscheidung kamen der Rettungsdienst und die beteiligten Behörden am Dienstagabend. Am Mittwochmorgen soll in einer erneute Lagebesprechung die Umsetzung der Maßnahmen besprochen werden. 

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Bäume abgestürzt, Erdreich abgetragen

Der Teich im Stadtteil Hösel war nach heftigen Regenfällen angeschwollen. "Es muss schon seit mehreren Tagen das Wasser über die Dammkrone gelaufen sein", sagt Meyer. Es habe akute Einsturzgefahr für den Deich bestanden. Bäume seien abgestürzt, mehrere Kubikmeter Erdreich abgetragen worden.

Noch in der Nacht wurde vorsichtshalber ein Haus geräumt. Mehrere Stellen wurden mit Sandsäcken gesichert. "Die Situation ist stabil", sagt Meyer. Doch wie lange der Einsatz an dem Teich für Feuerwehr und THW noch dauern wird, ist derzeit unklar. Der Feuerwehrsprecher sagt, nun müsse geklärt werden, wie der Damm stabilisiert werden könne. "Je nach baulicher Maßnahme kann das Stunden oder Tage dauern."

Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version dieses Textes hatten wir berichtet, es handele sich um ein Regenrückhaltebecken. Das hatte die Feuerwehr mitgeteilt. Tatsächlich handelt es sich um einen Teich, der als Rückhaltebecken genutzt wird. Wir haben den Text korrigiert.

(lsa/sbl/dpa)
 
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