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Ratingen
Ratinger Kinder fordern ihre Rechte ein

Ratingen: Ratinger Kinder fordern ihre Rechte ein
Die Kinderbeauftragten Emily (links) und Leoni wollen sich stärker für die 54 fest verbrieften Kinderrechte einsetzen. Am Freitag gibt es dazu das Ratinger Fest zum Weltkindertag. FOTO: Achim Blazy
Ratingen. Vor 25 Jahren ratifizierte Deutschland die UN-Kinderrechtskonvention. Seither ignorieren Erwachsene die darin festgelegten 54 Regeln. Das soll sich mit dem Kinderfest am Freitag auf dem Marktplatz ändern. Von Dirk Neubauer

Schimpfen, schlagen, schikanieren - wer von den rund 17.000 Kindern in Ratingen so etwas erleben muss, kann bereits seit 25 Jahren "Halt, Stopp!" rufen. Notfalls auch gegen die eigenen Eltern und den extrem dummen Satz: "Uns hat ein kleiner Klaps ab und an ja auch nicht geschadet."

Die UN-Kinderrechtskonvention wurde von Deutschland am 5. April 1992 ratifiziert. Seither wird sie von den allermeisten Erwachsenen trefflich ignoriert. Niemand kennt die Kinderrechte. Niemand beachtet sie. Im Namen von 18 Kinderbotschafterinnen sagten jetzt Emily (13) und Leoni (14) dem Unwissen um die 54 fest verbrieften Kinderrechte den Kampf an. Beim großen Fest aus Anlass des Weltkindertages am Freitag, 15 bis 19 Uhr auf dem Marktplatz, lautet deshalb das Motto: "Kindern eine Stimme geben".

Natürlich macht sich Emily nichts vor. Wenn es mal hart auf hart käme und sie gegen einen Erwachsenen vorgehen müsste, der Kinderrechte mit Fäusten und Füßen traktiert, würde sie sich Hilfe holen - beim Kinderschutzbund, bei Erziehern oder auch der Polizei. "Allein kommt man da als Kind nicht weiter", sagte sie weise bei der Pressekonferenz zum morgigen Kinderfest. Vertreterinnen des städtischen Jugendamtes, der Evangelischen Gemeinde Ratingen Mitte und dem Ratinger Kinderschutzbund nickten. Diese drei organisieren das Kinderfest - seit mehr als zehn Jahren schon.

Dass in diesem Jahr die Kinderrechte im Mittelpunkt stehen, geht auf eine Gemeinschaftsaktion im Kreis Mettmann zurück. Spielplatzpatin Nicola Hengst Gohlke und Kindersachbuchautorin Anke M. Leitzgen traten die Kampagne los. "Erst wussten wir gar nicht, ob wir in Ratingen es gestemmt bekommen, uns daran zu beteiligen", sagt Charlotte Fischer-Simon vom Jugendamt. Da hatte sie die Ratinger Kinder nicht bei ihren Vorab-Bedenken berücksichtigt. 18 Mädchen im Alter von zehn bis 17 Jahren taten sich in Arbeitsgruppen zusammen und entwickelten Fragebögen. Mit denen zogen sie los - zum Neanderthalmuseum ebenso wie dem Jugendamt, in Jugendfreizeiteinrichtungen, zum Filialchef des Einzelhandelsunternehmens Real in Breitscheid und zu Radio Neandertal - um nur mal eine kleine Auswahl zu nennen. Überall sprachen sie über die Kinderrechte und stellten eines sehr rasch fest. "Viele hatten sich auf unseren Besuch nicht vorbereitet und kamen schnell ins Grübeln", sagt Leoni.

Auch in Diskussionen untereinander war die Sache mit den Kinderrechten immer wieder ein Thema. Sieben Flüchtlingskinder gehörten zur Gruppe - ebenso wie in Deutschland geborene Mädchen mit türkischen Wurzeln. Die berichteten von einer Freundin, die ihre erste Periode bekommen habe und seither von ihrem Vater ein Kopftuch verordnet und den bisher besuchten Jugendclub verboten bekam.

"Da Kinderrechte nicht teilbar sind, geht das nicht", sagte die Vorsitzende des Ratinger Kinderschutzbundes Kornelia Schröder. Im Zweifel habe auch das Heimatland des Mädchens die UN-Kinderrechte anerkannt - und Eltern müssten sich daran halten.

Die Ergebnisse aus den Besuchen und Gesprächen hielten die 18 Botschafterinnen für Kinderrechte in einem Reisetagebuch fest, das von Gruppe zu Gruppe weitergegeben und gefüllt wurde. Es soll am Freitag auf der Marktplatz-Bühne an Bürgermeister Klaus Pesch übergeben werden.

Und Pesch täte gut daran, sich auch auf kritische Kinderfragen gut vorzubereiten. Denn neben dem wie auch in den Vorjahren geplanten Unterhaltungs-, Spaß- und Spielprogramm gibt es nichts Schlimmeres in Sachen Kinderrechte, als ahnungslos um Thema herumstotternde Erwachsene.

Quelle: RP
 
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