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Ratingen
Ratinger retten ihren Märchenzoo

Ratingen: Ratinger retten ihren Märchenzoo
Ganz viele Bürger packten nach dem Orkan mit an: Es gab 50 freiwillige Helfer, die über Facebook zusammengekommen sind und beim großen Aufräumen halfen. FOTO: achim blazy
Ratingen. Am 9. Juni 2014 brach am Blauen See die Welt zusammen - Ela vernichtete 1000 Bäume und das Freizeitgelände. Von Norbert Kleeberg

Die Erinnerungen sind sehr frisch, sehr präsent - auch ein Jahr nach dem Ereignis. "Meine Gefühlswelt fährt immer noch Achterbahn, wenn ich an den 9. Juni 2014 denke", sagt Märchenzoo-Betreiberin Heike Klimmeck-Kohnen. Ihre Augen strahlen kraftvoll. "Vor einem Jahr hat Orkan Ela unsere bisherige Welt zerstört - aber Ela hat uns eine so schöne, neue Welt eröffnet", sagt sie rückblickend.

So wütete das Unwetter in Ratingen FOTO: Blazy, Achim

Genau ein Jahr ist es jetzt her, dass der Märchenzoo unter riesigen Bäumen begraben wurde. Dass die Märchen und Tiergehege zerstört wurden. Dass der Märchenzoo nach über 60 Jahren vor dem Aus stand. "1000 Bäume sind in den Märchenzoo gestürzt", erzählt Betreiber Thomas Kohnen. Es ist aber auch ein Jahr her, dass der Märchenzoo eine unglaublich große Hilfe und Zuneigung erfahren hat. Schon wenige Stunden nach Ela erfasste die Pächter, Heike Klimmeck-Kohnen und Thomas Kohnen, eine Welle der Hilfsbereitschaft. Unzählige Freiwillige standen vor dem Tor, um unbürokratisch zu helfen.

Den Worten "Wir müssen unseren Märchenzoo retten!" folgten Taten. Über Wochen war das Geräusch der Kreissägen zu hören, es wurde gehämmert und gewerkelt, es wurde aber auch viel gelacht und: Es entstanden Freundschaften. Zerstörte Märchen wurden von den Sturmschäden befreit und wieder aufgebaut. Jeden Tag kamen die Helfer. Jeden Tag. Vor oder nach ihrer Arbeit, in ihrem Urlaub. Es fanden zahlreiche private Spendenaktionen statt, Unternehmen boten ihre Hilfe und Unterstützung an. In der Facebookgruppe "Aufbauhilfe Märchenzoo Ratingen" koordinierten sich die Helfer, zeigten auf Bildern, was bislang geschafft wurde. Exakt zwei Monate nach Ela konnte der Märchenzoo am Blauen See im vergangenen August seine erstaunliche Wiedereröffnung feiern. "Diese wunderbaren Menschen haben so Großartiges geleistet", urteilt Heike Klimmeck-Kohnen, "sie nehmen in unseren Herzen einen so großen Platz ein."

Ja, die ersten Stunden nach dem Sturm sind immer noch sehr präsent. "Das sah aus wie nach einem Bombenangriff", erklärt Martin Meyer-Pyritz. Die ersten Tage half er aktiv mit, zersägte am Märchenzoo mit vielen anderen Helfern Baum um Baum. Dann war er krankheitsbedingt außer Gefecht gesetzt: "Und dann habe ich überlegt, was ich noch tun kann. So entstand die Idee zu einem Kinderbuch", erzählt der Ratinger. So kam "Bernhard Bär im Ratinger Märchenzoo" heraus - ein Märchen, das sich auf die Ereignisse jenes Pfingstmontages bezieht und bunt illustriert ist (die RP berichtete bereits). "Die Bilder habe ich alle selbst gemacht", betont der Autor, "trotzdem sind mir diese Bilder schwerer gefallen als das Schreiben", meint er. "Ich kenne dieses Gelände ja seit Jahrzehnten, war mit meiner Familie hier", sagt er.

Neben den 1500 Euro Verkaufserlös aus dem Kinderbuch hatte Meyer-Pyritz bereits im vergangenen Sommer durch den Verkauf seiner Bestseller-Bände "Brandgefährlich" zugunsten des Märchenzoos über 760 Euro eingenommen. Eine Hilfe, die sich im wahrsten Wortsinn ausgezahlt hat.

Quelle: RP
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