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Ratingen
Sonne satt – das ist d'r Zoch in den Mai

Rosenmontagszug in Ratingen
Ratingen. So fühlt sich Karneval Anfang Mai an: Die Ratinger machen die Innenstadt zur Partymeile. Kostüme passen gut zu Eiswaffeln, Liegestühlen und Sonnencreme. Hoch "Peter" kommt wie bestellt für Prinz Peter I. und 20.000 Zuschauer. Von Paul Koehnes

Ist das die sechste Jahreszeit? In der Innenstadt eine eher theoretische Frage am Himmelfahrtstag. Immerhin geht es um den Zoch 2.0, nachdem der Original-Rosenmontagszug wegen Sturm und Nässe abgesagt werden musste. Nun ist auch Aschermittwoch längst passé – aber wer will das wissen?

Familie Grüttner aus Mettmann jedenfalls nicht. Man ist eine Stunde vor Zugbeginn auf dem Weg vom Beamtengässchen zum Marktplatz: "Mitmachen ist doch schön. Und die Kinder müssen sich nicht warm einmummeln, sondern können ihre Kostüme zeigen. Nici als Ninja, Marie als Hexe auf dem Weg zum Marktplatz, das passt schon." Jessica Bigow hat ihre fünf Monate alte Tochter Lotta ebenfalls verkleidet, und zwar als Nachwuchs-Fußballnationalspielerin. Ein kleiner Vorgriff auf die nächst-nahende Jahreszeit, die "Fußball-EM" heißen könnte.

So bunt war der nachgeholte Rosenmontagszug FOTO: Blazy, Achim

Vor der Stadthalle herrscht derweil beinahe Strandatmosphäre. Wer noch einen ergattert, kann sich in einen knallbunten Liegestuhl fläzen und sich den ersten Sonnenbrand des Jahres holen. "Ziemlich großartig" findet Iris Heuchert am Zugstart das bunte Treiben. Dazu eine Einschränkung, die eigentlich keine ist: "Nö, so wie Karneval sonst fühlt sich das nicht an, trotz Kostüm. Macht aber nichts – es ist eben eine Riesenparty." Zum Zugstart jedenfalls sind an der Industriestraße die Plätze mit guter Sicht rar – wie sonst eben am Rosenmontag.

Sinn fürs meteorologische Detail beweist Hanno Paas, Urgestein des Ratinger Karnevals an der Lok des Karnevalsausschusses. Auch Anfang Mai geht es um Getränke: "Ich hab gar nicht dran gedacht, dass heute der Sekt warm werden kann", heißt es augenzwinkernd.

Ratinger Rosenmontagszug im Mai

Für KA-Sprecher Peter Hense und das Prinzenpaar Peter I. und Renate I. ist die Session sowieso noch nicht vorüber. Formal gab es noch keine "Entkürung" – aber auch das ist am Himmelfahrtstag Nebensache. Insofern, so Hense, sei der "Zoch" auch alles andere als ein närrischer Inseltermin. Nur zu gern hat man zur Kenntnis genommen, dass das Hoch "Peter" für Prinz Peter wie bestellt gekommen ist. Der Prinz nimmts vielleicht als kleine Wiedergutmachung. Am Rosenmontag, dem höchsten Festtag seiner Amtszeit, da wollte er auf den Tag genau seinen 50. Geburtstag feiern. Damals machte ein Tief einen Strich durch die Rechnung. Dass sich echte Ratinger Karnevalisten von rein gar nichts die Laune verderben lassen, das hatten sie schon Anfang Februar bewiesen. Da zog ein improvisierter Miniaturzug durch die Straßen.

Von Improvisation und Miniaturausgabe kann beim Zoch 2.0 nun wirklich nicht die Rede sein. "Einfach großartig" findet Blau-Weiss-Grande Michael Schleicher die ganze Atmosphäre. Ganz souverän meistert er nebenher eine Sonderaufgabe. Eine Familie aus Düsseldorf sucht von Süd aus das Ratinger Brauhaus. Schleicher hilft – unter anderem mit dem Hinweis: "Das ist von hier ungefähr einen Kilometer entfernt."

Kamelle fliegt beim Ratinger Rosenmontagszug

Während die Ersten schon nach Plätzchen im Schatten Ausschau halten, ist Zugleiter Arthur Lenhardt unterwegs wie gewohnt. Denn ob ein Zug nun 1800 Teilnehmer hat (so wäre es am Rosenmontag im Februar gewesen) oder eben gut 1200 wie in der frühsommerlichen Neuauflage – Sicherheit steht für ihn ganz oben auf dem Plan mit den 67 Zugnummern. 37 Motivwagen gibt es dabei zu sehen. "Klar, in vielen Vereinen passte die Neuauflage so nicht mehr ins Jahresprogramm", weiß er. Und auch, dass man diesmal mit den Besucherzahlen ehemaliger Rosenmontage kaum wird konkurrieren können. "Muss ja auch nicht sein. Ist doch schön, wenn die Stadt eine Partymeile ist."

"Hufschlag frei – Karneval im Mai" heißt es folglich den ganzen Nachmittag. Dass am Marktplatz kein Durchkommen mehr ist, versteht sich von selbst. 20.000 Zuschauer haben sich auf den Weg ins närrische Treiben begeben, heißt es am späten Nachmittag von der Polizeileistelle.

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