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Ratingen
Ratinger sammeln für neue Glocke

Ratingen: Ratinger sammeln für neue Glocke
Schützenchef Gero Keusen mit Pfarrer Daniel Schilling im Glockenturm von St. Peter und Paul. Die alte "Märch" soll bald Gesellschaft bekommen. FOTO: Achim Blazy
Ratingen. Schützen und Karnevalisten wollen eine kleine Brauchtumsglocke mit hellem Klang für St. Peter und Paul stiften. Von Christiane Bours

Es begann mit einem Scherz: Im März 2014 hatte Daniel Schilling seine Stelle als neuer Pfarrer in St. Peter und Paul angetreten, einige Monate später stand ihm sein erstes Schützenfest der St. Sebastiani-Bruderschaft bevor, inklusive Schützengottesdienst. "In vielen Gesprächen im Vorfeld haben mir die Schützen erklärt, dass sie der Gemeinde sehr verbunden sind und im Laufe der Jahrhunderte immer wieder der Kirche Geschenke gemacht haben", erinnert sich Schilling. Dazu kam noch das damalige Motto des Schützenfestes, "Lebendige Tradition für Ratingen" - Grund genug also, sich Gedanken zu machen, wie man Tradition, Brauchtum und Kirche weiter miteinander verbinden kann.

Das Ergebnis: Während des Schützengottesdienstes ließ Schilling die Bemerkung fallen, dass in St. Peter und Paul eigentlich noch eine Sebastianus-Glocke fehlt. "Sofort ging ein Raunen durch die Kirche, und das Ganze wurde zum Running Gag während des Schützenfestes", erinnert sich Schilling und schmunzelt. Gero Keusen, Vorsitzender der Bruderschaft, war jedenfalls genauso überrascht wie die anderen Besucher des Gottesdienstes.

Das Weihrauchschiffchen haben St. Sebastiani-Schützen im Jahre 1775 gespendet. Dafür wurde Königssilber eingeschmolzen. FOTO: Blazy Achim

Die Idee stand also im Raum, die Schützen waren sich schnell einig: "Wir sammeln für eine Brauchtumsglocke." Brauchtumsglocke deshalb, weil auch die Vertreter des Winterbrauchtums nicht lange überzeugt werden mussten, um sich dem Projekt anzuschließen. Und so fließen seitdem die Kollekten von Schützen- und Karnevalsgottesdiensten zusammen und werden für die Glocke gespart. Wie viel Geld es inzwischen ist, wollen weder Schilling noch Keusen verraten. Nur so viel - es muss noch fleißig weitergesammelt werden.

Auch, wie viel die Glocke am Ende wirklich kosten wird, ist jetzt noch nicht absehbar. "Das hängt ja auch davon ab, wie viel der Einbau kosten wird", erklärt Schilling. Wie die künftige Brauchtumsglocke aussehen und klingen soll, weiß er dafür umso genauer. "Es soll eine eher kleine Glocke mit einem hellen Klang werden, der sich in das Geläut der übrigen Glocken einfügt."

Schließlich ist St. Peter und Paul bereits mit prachtvollen Klangkörpern gesegnet, allen voran natürlich die Märch, die aus dem Jahr 1498 stammt. Allerdings ist sie nicht die älteste Glocke, die im Kirchturm ihren Dienst versieht. Die Glocke Katharina wurde um 1300 gegossen, die übrigen fünf zwischen 1523 und 1994.

Gute Taten für die heimische Pfarre sind seit Gründung anno 1433 Ehrensache für die Bruderschaft. Davon zeugen das Weihrauchschiffchen von 1775 und das Sterbekreuz aus dem 18. Jahrhundert.

In den 1970er-Jahren spendeten die Schützen schließlich ein Kirchenfenster mit dem Heiligen Sebastianus. Finanziert wurden diese Spenden mit dem Königssilber der Bruderschaft, die dafür diverse Königsplaketten einschmelzen ließ.

Wichtig ist sowohl Keusen als auch Schilling, dass die Bruderschaft auch heute noch fester Teil der Gemeinde ist, und zwar nicht nur beim Gottesdienst während des Schützenfestes, sondern das ganze Jahr über - ganz nach dem Motto der Bruderschaft "Glaube, Heimat und Sitte". Der Festgottesdienst ist am heutigen Samstag, 17.30 Uhr, in St. Peter und Paul.

Quelle: RP
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