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Marlene Wilde fuhr 45 Jahre unfallfrei
Seniorin gibt Führerschein freiwillig ab

Rentnerin gibt Führerschein ab: Marlene Wilde aus Ratingen fuhr 45 Jahre unfallfrei
Marlene Wilde zeigt ihren alten Führerschein. 1970 hatte sie sich zur Fahrstunde angemeldet. FOTO: Dietrich Janicki
Ratingen. 45 Jahre fuhr Marlene Wilde aus dem Kreis Mettmann unfallfrei Auto und kassierte keinen Punkt. Das Auto verschenkte sie an ihren Enkel. Von Valeska von Dolega

Gemeinhin wurde er früher "Lappen" genannt, der graue Ausweis, der die Lizenz zum Fahren war. Aber mit einem "Lappen" hat das Dokument, das Marlene Wilde präsentiert, rein gar nichts zu tun. Wie neu schaut er aus und als könnte er noch viele lange Jahre gelten. Wenn da nicht quer der Stempel "ungültig" drauf prangte.

"Ich habe mich entschlossen, meinen Führerschein abzugeben", erklärt die gebürtige Hanseatin. Irgendwann im vergangenen Herbst überkam sie "plötzlich die Furcht, das Auto zu chauffieren".

'Und wer möchte mein Auto haben?'"

Also besprach sich die agile 88-Jährige mit Tochter, Sohn und den Enkeln. "Sie waren alle erstaunt", erinnert sich Marlene Wilde fröhlich. Und ganz besonders durfte sich ein Enkel freuen, "denn nachdem ich meinen Entschluss verkündet hatte, den Führerschein abzugeben, fragte ich: 'Und wer möchte mein Auto haben?'" Den verschenkten Viertürer chauffiert inzwischen Nick, der studiert.

1970 hatte die damals 42-Jährige sich entschlossen, sich zur Fahrstunde anzumelden. "Für die heutige Zeit war ich ja schon steinalt." Was damals Pflichtfahrten waren? "Keine Ahnung. Aber ich habe alles sorgfältig absolviert."

Nicht ein Punkt in 45 Jahren

Anschließend ist sie 45 Jahre unfallfrei über die Straßen gesaust, nicht einen Punkt hat sie dabei kassiert. Ein Mal ist ihr beim Ausparken ein Malheur unterlaufen, bei dem der Seitenspiegel des neben ihr parkenden Autos in Mitleidenschaft gezogen wurde. "Aber das war alles."

Flensburg - wofür es wie viele Punkte gibt FOTO: dpa

Als "sehr persönliche Sache" beschreibt sie die jetzt getroffene Entscheidung. "Da kann man keinem reinreden", weiß sie. Ihr Freundeskreis war von ihrer Entscheidung "begeistert, aber keiner hat es nachgemacht". Und auch der Mitarbeiter beim Kraftfahrzeugamt "schaute verblüfft, als ich sagte, ich wollte meinen Führerschein abgeben". Er guckte irritiert, fragte zur Sicherheit nach und kommentierte: "Das ist das erste Mal, dass ich so etwas erlebe!" "Aber es war ja auch ein ganz junger Mann."

Ob und wann Senioren ihre Fahrlizenz abgeben sollen, ist ein in der Bevölkerung "heiß debattiertes Thema", sagt ein Sprecher der Polizei. Von Behördenseite aber lehnt sich bislang keiner aus dem Fenster, was altersbedingte Nachprüfungen oder Ähnliches angeht. Wie auch, führt der Polizeibeamte aus. Es gebe 60-Jährige, die tatterig sind, und 80-Jährige, die mit ihrer Fitness manch 40-Jährigen verblüffen. "Wie könnte da ein allgemeingültiges Reglement getroffen werden?"

In der von der Polizei geführten Statistik waren es 2013 927 Menschen im Alter von über 65 Jahren, die in Verkehrsunfälle verwickelt waren. 2014 waren 890 Menschen über 65 Jahre in Verkehrsunfälle involviert. Ärzte empfehlen, im Alter regelmäßig Sehkraft, Hörvermögen und Reaktionsfähigkeit testen zu lassen.

Quelle: RP
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