| 00.00 Uhr

An(ge)dacht
Schlächter haben nicht das letzte Wort

Ratingen. Komm in meine Arme" spielen Eltern mit ihren Kindern. Mit ausgebreiteten Armen heißt man willkommen.

Mit ausgebreiteten Armen begrüßt man Reisende am Bahnhof. Gleichzeitig sind sie eine Geste der Wehrlosigkeit: Wer die Arme ausbreitet, ballt nicht die Fäuste und trägt keine Waffe in der Hand.

Wenn wir an Karfreitag Jesu ausgebreitete Arme am Kreuz sehen, ändert sich dieses Symbol der Offenheit. Denn andere haben Jesus gewaltsam die Arme ausgebreitet: Der römische Statthalter, der politische Unruhen befürchtete, hätte die Jesusbewegung noch mehr Zulauf bekommen. Jesus hatte von der Freiheit und Würde des Menschen vor Gott gesprochen. Das passte den römischen Besatzern nicht.

Was ging in den römischen Soldaten vor, als sie Jesus die Arme ausbreiteten und ihn ans Kreuz schlugen? Was geht in Kriegern vor, die Frauen und Männer, Alte und Kinder bombadieren, erschießen oder gewaltsam vertreiben: In Syrien, im Irak, in Eritrea, in Afghanistan?

Was geht in uns vor, wenn wir hören, dass Mordwerkzeuge oft aus Deutschland kommen. Von den Waffenexporten haben wir profitiert.

Paul Gerhardt, der evangelische Liederdichter, textete in einem Passionslied: "Nun, was du Herr erduldet, ist alles meine Last; ich hab es selbst verschuldet, was du getragen hast."

Wir sind beteiligt. Selbst die, die persönlich kein Mordwerkzeug in die Hand nehmen, sind Teil des mörderischen Weltgeschehens. Jesus stirbt, wie er gelebt hat: mit ausgebreiteten Armen. Arme, in die sich die Randsiedler der damaligen Gesellschaft geflüchtet hatten: Kinder, Alte, Prostituierte, Korrumpierte.

Ausgebreitete Arme, in denen Menschen Zuflucht fanden, die selbst Opfer waren. Jesus stirbt, wie er gelebt hat: Mit ausgebreiteten Armen. So zeigt er noch am Kreuz Liebe ohne Vorbehalt.

Seine ausgebreiteten Arme deuten an, was am Ostermorgen wirklich wird: Dass die Schlächter und Mörder nicht das letzte Wort haben werden. Sie deuten an, dass Gott diesen Weg bestätigen wird: Das Leben mit ausgebreiteten Armen.

GERT ULRICH BRINKMANN, PFARRER AN DER EVANGELISCHEN STADTKIRCHE IN RATINGEN

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

An(ge)dacht: Schlächter haben nicht das letzte Wort


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.