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Ratingen
Schnäppchenjagd hilft der Stadtkasse

Ratingen: Schnäppchenjagd hilft der Stadtkasse
Günstige Gelegenheit: Waldemar Barschewsky ersteigerte gleich mal zwei Fahrräder auf einen Streich. FOTO: Blazy Achim
Ratingen. Das Fundbüro versteigert Dinge, die lange Zeit niemand abgeholt hat. Wer clever mitbietet, kann gute Geschäfte machen. Von Valeska von Dolega

Schöner hätte es im berühmtesten Auktionshaus "Sotheby's" auch nicht sein können, als kürzlich die private Kunstsammlung David Bowies versteigert wurde. Ewig lang war die Schlange vor der Tür zur Dumeklemmerhalle schon, bevor den Interessierten Punkt 12 Uhr Einlass zur jährlichen Fundsachen-Versteigerung am Mittwoch gewährt wurde.

"So preiswert wie hier kommt man doch selten an Sachen", erklärte Raffael Schledt, warum er "überpünktlich" am Start war. "Es ist ein bisschen wie mit einem Überraschungsei, man weiß ja nie, was wirklich drin ist", umschrieb er das Format Wundertüte in Sachen Angebot. Mit fachmännischem Blick beschaute er das Sammelsurium der Stücke, die gut aus einem Gemischtwarenladen hätten stammen können und jetzt unter den Hammer kommen sollten: Mobilfunktelefone en masse, Uhren, Bernsteinketten, elektronische Gerätschaften wie iPad, iPod und Klapprechner sowie jede Menge Fahrräder. Schönste Kuriosität: ein Kinderwagen. "Wie kann man den denn vergessen?", wunderten sich einige.

Smartphones und Handys waren auch reichlich im Angebot. FOTO: RP-Foto. A. Blazy

"Turnusgemäß ein Mal im Jahr wird versteigert", erklärt Stadtsprecherin Ulrike Trimborn. "Gesetzlich vorgeschrieben müssen Fundsachen sechs Monate aufbewahrt werden, bevor sie versteigert oder dem Finder ausgehändigt werden." Akribisch nummeriert, und mit verschiedenen Identifikationsmarken ausgezeichnet, wurde, was Menschen irgendwo haben liegenlassen, versteigert. Erprobter Auktionator war wie bei den vergangenen 25 Aktionen wieder Frank Meißner, sonst Leiter der Bürgerbüros. "Die meisten kennen sich mit den Sachen, bei denen sie dann mitbieten, ganz gut aus", beschrieb Rocio Stockem, städtische Mitarbeiterin, den Kenntnisstand der Mitbietenden. "Bei den Handys wollen die Leute die technischen Daten wissen", bei Schmuck wird nach Goldgehalt gefragt und bei einem ominösen Koffer nach dessen Inhalt. "Er ist voller Zahnbürsten für Elektro-Zahnreiniger", wusste Rocio Stocken zu berichten. "Jetzt geht's los", fieberte Brigitte Krause kurz nach 13 Uhr dem ersten Damenrad entgegen. Fünf Euro lautete das Mindestgebot. Erst zaghaft, dann entschlossen bot sie mit und bekam, "zum Ersten, Zweiten und Dritten", den Zuschlag. "Das waren spannende Momente. Ich hatte richtig Herzklopfen", beschrieb sie den aufregenden Weg zum neuen Fahrzeug.

Je nach Ausstattung und Zustand wechselten die Vehikel für Spottpreise von sieben bis stattlichen 125 Euro den Besitzer. Zu ähnlichen Rotstiftpreisen wurden Kinderräder und Kickboards an den Mann gebracht. Zwei Räder erstand Waldemar Barschewsky. "Eins verschenke ich an mein Patenkind, eins ist für mich." Ganz zielgerichtet hatte er mitgeboten, "ich hatte mir vorher die Räder angeschaut und den Zustand von Reifen und Bremsen überprüft".

Dass er nun rechtmäßiger Besitzer der Artikel ist, dokumentierten die städtischen Mitarbeiterinnen mit einer amtlichen Empfangsbestätigung. Darauf quittiert wurden mit einer entsprechenden Laufnummer, Datum, Stempel und Unterschrift, für was er den Zuschlag bekommen hatte und welchen Preis er dafür zahlte. Für seinen Enkel hatte Pensionär Peter Oerser ein Kickboard erstanden. "25 Euro, dabei ist es viel, viel mehr wert." Gerne nutzt er Versteigerungen, um für kleines Geld Großes zu bekommen. "Aber man darf sich nicht versteifen. Manchmal wird man überboten" und im Geist setzt er sich grundsätzlich ein Preis-Limit. Und so war die Fundsachenversteigerung - wie in den Vorjahren - eine schöne Veranstaltung.

Der Erlös von 4158 Euro ist für die Aufstockung der allzeit löchrigen Stadtkasse bestimmt.

Quelle: RP
 
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