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Ratingen
Schüler setzen Kunst gegen Komasaufen

Ratingen. Bei einer besonderen Aktion wurden Siebtklässlerinnen der Liebfrauenschule Landessieger - ein toller Erfolg. Von Valeska von Dolega

"Die Mädels haben sich richtige Geschichten ausgedacht", erinnerten Daniela Eßer und Annette Pieczyk daran, wie die Teilnahme an der bundesweiten Aktion "bunt statt blau" begann. Beide lehren Sozialwissenschaften (SoWi), und jenseits des eigentlichen Unterrichts haben die von ihnen in zwei SoWi-Kursen betreuten Liebfrauenschülerinnen am Wettbewerb "bunt statt blau" teilgenommen. In der Kategorie "Jüngere" belegten die etwa 50 Mädchen den ersten Platz. Sie gestalteten zum Thema Stühle.

"Natürlich sind wir mächtig stolz", freuen sich die Lehrerinnen über den Erfolg. Bundesweit hatten mehr als 7000 Schüler an der Ausschreibung teilgenommen. Als "tolles Ergebnis" aber loben sie nicht allein das Abschneiden. Sondern "was die Mädchen in Eigenregie Kreatives realisiert haben". Als nämlich Ende Januar klar war, man wolle an dem bereits zum 7. Mal von der DAK ausgelobten Wettbewerb teilnehmen, musste zunächst eine Möglichkeit gefunden werden, die Vorgaben umzusetzen: Die Kampagne fördert die künstlerisch-kreative Auseinandersetzung mit dem Thema "Komasaufen bei Jugendlichen". In den Wettbewerb sollten Plakate gehen - aber wie sollten so viele Kursteilnehmerinnen nur ein einziges Plakat gestalten?

Die findige Lösung des Problems fanden Schülerinnen wie Pauline, Lena, Kristina, Shadiat und Noemi (alle 13) auf dem Dachboden ihrer Schule. Dort nämlich stand ausrangiertes Mobiliar. "Das war richtig cool und mal was ganz anderes als im Kunstraum", erinnert sich Pauline an die Arbeit in der obersten Etage, die kurzerhand zum Atelier umfunktioniert wurde. Grüppchenweise erfanden die Mädchen Geschichten, über Babys mit Bierflaschen, die den Alkoholmissbrauch von Frauen während der Schwangerschaft symbolisieren sollten, oder in Thermoskannen versteckten Gefäßen, die zeigen sollten, wie Abhängige versuchen, ihre Sucht zu verbergen. "Wir hatten uns aus verschiedenen Richtungen dem Thema genährt", unterstützt durch den Besuch einer Suchtberaterin von der Diakonie. Aber auch die sogenannten Rauschbrillen, die zur Auseinandersetzung mit Auswirkungen des Alkoholmissbrauchs in der Schule ausgehändigt wurden, hatten ihre Wirkung nicht verfehlt.

Zunächst mit Bleistift auf Papier skizziert, setzten die Siebtklässler dann mit Farbe und Pinsel ihre Skizzen auf den Sitzmöbeln um. Entstanden sind ein gutes Dutzend kunterbunt gestalteter Stühle. Sie wurden zusammen mit Schaufensterpuppen, manche davon vom Alkohol dahingerafft auf dem Boden liegend, und unzähligen Alkoholflaschen wie zu einem Standbild drapiert - und für das Plakat abfotografiert. Das wurde dann ordnungsgemäß im Landeswettbewerb eingereicht. Und prompt gelang die Erstplatzierung.

Gestern Nachmittag fand im feierlichen Rahmen in der Schulaula die Preisverleihung mit Barbara Steffens statt. Sie ist nicht bloß in NRW-Ministerin für Gesundheit, sie ist zum sechsten Mal Schirmherrin der Veranstaltung.

Mit Alkohol und seinen unschönen Auswirkungen muss man sich "so früh und intensiv wie möglich auseinandersetzen. Deshalb ist das ein Projekt, das weitergeführt werden muss". Schulleiter Peter Bärens ergänzte, dass an der Liebfrauenschule nicht bloß Zeit für Mathe, Deutsch und Französisch sei, "sondern auch für andere wichtige Themen". "Es gibt andere Möglichkeiten, seine Freizeit zu gestalten, als abzuhängen und zu saufen."

Quelle: RP
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