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Analyse
Schul-Gutachten sind nie absolut sicher

Ratingen. Die Grundschulempfehlung für die Wahl der weiterführenden Schule könnte wieder verbindlich werden für Eltern und aufnehmende Schule. Die Regelung, vor Jahren abgeschafft, gehört zumindest wieder auf den Prüfstand. Von Monika von Kürten

Im letzten Grundschuljahr werden die Weichen für die weitere Schullaufbahn der Kinder gestellt. Mit dem Halbjahreszeugnis erhielten die Familien Unterstützung von der Grundschule in Form einer begründeten Empfehlung einer geeigneten künftigen Schulform. Hierbei handelt es sich aber nicht wie noch vor acht Jahren um eine verbindliche Empfehlung, sondern um eine reine Hilfestellung. Die Schulministerin überlegt auf Wunsch von Lehrern aller Schulformen, die Rücknahme der Entscheidungsfreiheit wieder zu einem Thema zu machen.

Sonia Cohen, Rektorin der Realschule Heiligenhaus, hält viel von den Empfehlungen. "Erfahrene Grundschullehrkräfte haben einen sehr guten diagnostischen Blick, und meine Erfahrung ist, dass sie den Auftrag der Empfehlung sehr ernst nehmen. Natürlich kann man in der 4. Klasse nur den "Ist-Zustand" beurteilen, eine Prognose ist nie sicher. Es macht aber keinen Sinn, die Empfehlungen verbindlich festzulegen, da unser Schulsystem zum Glück nach allen Seiten durchlässig ist ", sagte sie. Sie sehe einen viel größeren Handlungsbedarf für die Politik, gute Schulplätze für alle bereitzustellen, nicht nur für die vermeintlich Starken. Es sei leichter, Schüler nach einem Entwicklungsschub während der Erprobungsphase an ein Gymnasium weiter zu leiten, als die Schwächeren an eine besser geeignete Schulform.

Der Sohn von Berit Wolf besucht derzeit die vierte Klasse einer Lintorfer Grundschule und hat vor Kurzem sein Halbjahreszeugnis bekommen. Die Empfehlung des Klassenlehrers entsprach ihren Einschätzungen. Trotzdem findet sie nicht gut, die Entscheidung allein den Lehrern zu überlassen. "Meine Meinung ist, dass es eine gemeinsame Entscheidung von Lehrern und Eltern sein sollte. Ich bin der Meinung, dass Lehrer viel besser einschätzen können, wie die Kinder im Unterricht klarkommen. Zuhause verhalten sie sich oft anders, alleine durch die Tatsache, dass sie in der Schule mit weiteren 25 bis 30 Kindern in den Klassen sitzen. Viele Eltern überschätzen ihre Kinder oder wollen einfach nur das Beste für ihr Kind, das dann aber oft total überfordert ist. Wenn Lehrer und Eltern in einem guten regelmäßigen Kontakt sind, werden sie am Ende der Schulzeit einer Meinung sein", erklärte sie.

Doch nicht alle Eltern sind mit der Beurteilung seitens der Lehrer einverstanden. Manche beurteilen die schulische Entwicklung der Kinder aus zum Teil völlig anderen Perspektiven. Sie machen geltend, dass die zugrundeliegenden Schulnoten nie völlig objektiv zustande gekommen sind und sich häufig die Empfehlungen als falsch herausstellen. Aber Lehrer sind keine Hellseher und können im Gegensatz zu den Elter nur ein eingeschränktes Leistungsspektrum sehen und beurteilen.

Darum ist vor der endgültigen Anmeldung an den weiterführenden Schulen ein beratendes Gespräch zwischen Eltern und Grundschullehrern wichtig, um das gesamte Leistungsbild des Kindes besser einschätzen zu können und um unter Umständen konträre Gesichtspunkte auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen.

Die Entscheidung, an welcher Schule das Kind dann schlussendlich angemeldet wird, obliegt jedoch den Eltern. Über die Aufnahme selber entscheidet die weiterführende Schule.

Quelle: RP
 
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