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Postskriptum Die Woche In Unserer Stadt
Schwimmbäder muss man sich leisten (können)

Ratingen. Hallen- und Freibäder sind ein Gewinn für jede Stadt. Nur nicht in finanzieller Hinsicht. Im Pflichtenheft einer Kommune stehen sie nicht.

Da lacht das Herz der Schwimmbadbetreiber in Ratingen: Die Bäder - allen voran das Allwetterbad in Lintorf - melden Besucherrekorde. Und selbst finstere Pessimisten werden sich kaum vorstellen wollen, dass aus dem Freibad an der Anger an schönen Sommertagen kein fröhlicher Badelärm mehr dringt. Was für die Stadt Ratingen in Sachen Bäder als eher groteske Vorstellung daherkommt, kann in der Nachbarstadt Heiligenhaus nicht in Stein gemeißelt ausgeschlossen werden.

So hörte Bürgermeister Heinisch von der SPD-Opposition bereits, er sei unter denjenigen, die das Hallenbad an der Selbecker Straße schließen wollen. Was wiederum aufgrund räumlicher Nähe und technischer Verzahnung nicht ohne Auswirkung auf das Freibad nebenan bleiben könnte, wie sich der Laie dazu denkt. Aber nicht nur der: In Heiligenhaus geht die Angst um vor einer Zeit ohne kommunales Bade- und Freizeitangebot. Eigentlich undenkbar, wenn man in Erinnerung ruft, dass speziell das Freibad in einer guten Sommersaison Publikumsmagnet für die ganze Region (und Teile des Ruhrgebiets) ist. Mindestens so gefragt zu sein wie das Angerbad - das dürfte den Heiligenhauser Stadtwerken als Betreiber aber am Ende wenig nützen. Das Millionendefizit bleibt.

Wer diese Situation eine Zwickmühle nennt, kennt eigentlich schon den Ausgang des Spiels. Es kann nicht mehr gewonnen werden von dem, der drinsteckt. Das ist die eine Seite. Die andere: Wer in einer Kommune potenziellen Firmen-Investoren kein Gesamtpaket inklusive angenehm weicher Standortfaktoren zu bieten hat, dem wird am Ende auch der Autobahnanschluss allein wenig nützen. Auch das riefen die Haushaltsberatungen in Heiligenhaus in Erinnerung. Die gingen bekanntlich mit der Erkenntnis zu Ende, dass der Doppelhaushalt kaum noch auf Kante nähbar ist. Das Problem: Mit welchem konkreten Wert lassen sich weiche Standortfaktoren verbuchen? Andersrum wird die Sache einfacher: Man müsste im Zweifelsfall die Kosten berechnen, die das Schulschwimmen verursacht, wenn es kein städtisches Bad mehr gibt. Schulschwimmen dann anderswie zu organisieren - das wäre Pflichtaufgabe der Stadt. Für Badespaß einzustehen nicht. Der ist nur eine liebe und teure Gewohnheit.

paul.koehnes@rheinische-post.de

Quelle: RP
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