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Ratingen
Sie hat den Blick für Perspektiven

Ratingen. Seit 13 Jahren fotografiert Sabrina Hübner professionell. Handwerk, Kreativität und Kontakte zu Menschen, das sind ihre Antriebsfedern. Ehemann Marcus organisiert das kleine Unternehmen im Hintergrund. Von Gabriele Hannen

Ein ganz cooles Foto: schwarz-weiß, vielleicht etwas dynamisch verwischt, mit natürlichem Gesichtsausdruck, so ganz unerwartet - ja, das gibt es. Und zwar an ein paar Straßen in Ratingen, wenn man übers Rotlicht der Ampel rauscht oder zum Beispiel zu schnell nach Lintorf fährt. Keins dieser Bilder ist wirklich preisgünstig und jedes dazu angetan, den Glauben an ein bisschen eigene Schönheit völlig zu verlieren. Wenn Sabrina Hübner fotografiert, ist das völlig anders. Die meisten der Menschen, die sie vor ihr Objektiv bekommen hat, sind nämlich auf Anhieb zufrieden.

Seit 13 Jahren fotografiert sie professionell, seit zwei Jahren auch noch selbständig. Ihre Kunden wünschen zumeist Porträtaufnahmen, Fotos vom Mutterbauch mit Baby drin und Elternglück mit Baby draußen, sie freuen sich über Kinderbilder aus Kita-Zeit und Schule, inszenieren sich bei der Hochzeit und in Unterwäsche. Und auch ohne.

Und alle, alle Kunden beginnen die Gespräche mit der Fotografin mit dem Geständnis: "Ich bin gar nicht fotogen und verlasse mich voll auf das hoffentlich besonders trickreiche Bildbearbeitungsprogramm." Daran hat sie damals, als sie sich nach dem Abitur beruflich orientierte, nun wirklich nicht gedacht. Als jüngere einer älteren Schwester wollte sie in ihrer Heimatstadt Recklinghausen, wo sie 1980 geboren war, Maskenbildnerin werden. Der Beruf schien ihr als glückliche Verbindung von Handwerk, Kreativität und Kontakt mit Menschen. Wobei Letzteres von sehr vielen Schulabgängern im Munde geführt wird.

Nun sind die Chancen, einen entsprechenden Ausbildungsplatz zu bekommen, ungleich größer, wenn eine Friseurlehre absolviert wurde. Die wurde begonnen, aber nicht geliebt. Sabrina Hübner ließ Schere und Kamm sinken und jobbte sich ein Jahr lang einer neuen Aufgabe entgegen. Sie machte eine Fotografen-Ausbildung: "Kreativität, Handwerk und Menschen kamen ja auch hier zusammen. Ich hatte ziemlichen Spaß, habe in einem großen Betrieb mit einer beachtlichen Ausstattung gelernt und noch Arbeitsschritte gesehen, die jungen Fotografen heute gar nicht mehr bekannt sind", erklärt Sabrina Hübner. Drei Jahre war sie im Lehrbetrieb, acht Jahre danach in einem weiteren. Und das alles in Recklinghausen.

Und dann kam Marcus aus Ratingen. Er verbandelte sich mit Sabrina und trennte sich von seinem Familiennamen. "Er brachte die Ordnung, die ich auch in meinem Job brauche und das Verständnis, das ich nötig habe". Sie nennt sich dann selbst einen "kleinen, chaotischen Kobold". Immerhin kommt der Kobold in Schulen und Kindergärten bei den Kleinen und fast Kleinen gut an und quatscht sie in Posen, die keine sind - zumindest nicht in solche, die einem von eigenen Kindergarten-Fotos noch erinnerlich sind - nämlich den seltsam auf angewinkeltem Arm aufgestützten Kopf oder angestrengt knieend auf einem Hocker, die Hände zur Merkel-Raute geformt. Auf ihren Bildern geht es nun flotter zu, und die Eltern bestellen Abzüge übers Internet.

Sabrina Hübner ist nun keine Fotografin, die auch abseits ihrer Tätigkeit "mit Menschen" für Spaß und Dollerei, wie das in Ratingen so nett heißt, künstlerisch wertvolle Bilder macht. So ein bisschen Architektur, Landschaft, urbanes Flair - das wäre nicht ihr Ding. Wenn sie vom ambulanten Einsatz über die Brücke nach Hause geht und ihre Ausrüstung mit sich schleppt, hat sie keine wehmütigen Blicke mehr für die rosa Seerosen links und rechts im Teich hinter dem Haus. "Sabrina trägt das Herz stets am richtigen Fleck und ist ein absoluter Harmoniemensch. Ihre Kreativität zeichnet sie aus - und seit sie sich selbständig gemacht hat, kann sie diese auch im Job ausleben und neue Wege einschlagen." Marcus Hübner muss es ja wissen. Er ist nicht nur die große Liebe, sondern auch noch der hilfreiche Mitarbeiter im kleinen Unternehmen.

Und er versucht redlich, die eine oder andere von 80 wöchentlichen Arbeitsstunden für die Organisation zu übernehmen. Und seine Frau strebt dann wieder hinaus, Bäuche zu fotografieren und frisch gebackene Eheleute, die ihre langfristig durchgeplante Hochzeit mit all ihren ausgefuchsten Details dokumentiert haben wollen.

Quelle: RP
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