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Ratingen
Sie liebt Grüntöne aller Art

Ratingen: Sie liebt Grüntöne aller Art
Die grüne Politikerin Mareike Wingerath trägt gern bunte Kleidung. Ihr jüngstes Anliegen ist der Bahnhof Ost. FOTO: Achim Blazy
Ratingen. Mareike Wingerath sitzt den Ratinger Grünen vor. Und lässt sich immer neue Dinge einfallen. Von Gabriele Hannen

Es gibt Frauen, die für Perlohrstecker geboren sind. Und bei denen setzt sich eine gewisse Perlohrstecker-Meinung auch in Kleidung und Denke fort. Was völlig in Ordnung ist. Es gibt Frauen, die bunte Blumen aufs Beinkleid gedruckt haben oder monochromes Lila auf der Latzhose - was genau so okay ist. Doch auch der unbedarfte Farbkundler weiß an dieser Stelle: Es geht hier um eine grüne Frau - auch wenn ihre Klamotten bunt sind. Durch und durch grün, hilfsbereit und einfallsreich ist sie, diese Mareike Wingerath, geborene Jessen, jetzt 68 Jahre alt und seit rund 30 Jahren mit Jochen Petzschmann verbandelt.

Sie "sitzt" der Ratinger grünen Partei vor, sie lässt sich immer wieder neue Sachen einfallen, für die die Gefolgsleute dann auch flott gemacht werden. War es einst die Gesamtschule in Ratingen West, die gebaut werden sollte - was eine echte Herzblut-Attacke von Mareike Wingerath war, ist es nun der Bahnhof Ratingen Ost, dem neues Leben eingehaucht werden kann. Immerhin können aufgeweckte Leute von Kettwig bis Rolandseck und auch sonstwo erkundigen, wo Leute mit und ohne Rollator ihren kulturellen Spaß bekommen. In Ratingen ist da noch so manches ausbaufähig.

Angefangen hat es auch in dem Fall dieser lebensfrohen Frau mit wackeren Eltern, die in Hamburg ihr familiäres Leben ausgestalteten. Das Mädel wollte Lehrerin werden und wurde es auch. Als sich der s-pitze S-tein in ihrer Art zu sprechen häuslich eingerichtet hatte, gab es die üblichen Berliner Sprachattacken - Mareike war Lehrerin in einer Hinterhof-Schule in Kreuzberg.

Es wurden Kinder eingesammelt, es wurde aufgeräumt, gekocht, gewaschen, Nachher wie vorher meistens von den Frauen. Aber die hatten immerhin inzwischen die Pille in der Latzhose. Sie geriet mit Sohn und s-pitzem S-tein in Gegenden, in denen weniger der Klassenkampf und mehr die tägliche, frohe Lebensbewältigung auf dem Plan standen. Dennoch gehörte Mareike Wingerath immer zu den politisch hoch interessierten Frauen. Und Familie zu managen ist auch Politik. Auch in Ratingen, und das dann letztlich als Alleinerziehende.

Sie gründete an der Eisenhütte eine "Kinderkiste", in die auch der Sohn ging. Sie arbeitete gut, viel und gern als Lehrerin. Und absolvierte ein Sabbat-Jahr, das natürlich weniger Sabbat als mehr Arbeit bedeutete - denn dieses Jahr lebte sie auf dem Balkan nach dem Bosnienkrieg und das bescherte ihr viele schreckliche Einsichten in die kämpferischen Auseinandersetzungen.

Es ist vielleicht verwerflich, das rhetorische Lasso zum trauten Zweier-Zusammenleben zu werfen, um das sich Wingerath/Petzschmann seit mehreren Jahrzehnten redlich mühen: "Wir üben Streit und wir schaffen Frieden", meinen die beiden einvernehmlich.

Quelle: RP
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