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Ratingen
Sie wirft im Alltag gern den Turbo an

Ratingen: Sie wirft im Alltag gern den Turbo an
Stillsitzen ist eigentlich nicht Gudrun Althofs Sache. Die passionierte Badmintonspielerin hat es lieber sportlich-rasant. FOTO: Achim Blazy
Ratingen. Gudrun Althof managt als Vorsitzende den TV Hösel. Die 60-Jährige hat ein Faible für alles, was Tempo verspricht. Von Valeska von Dolega

Zahlen, Daten und Fakten mag sie. Und am allerliebsten hat Gudrun Althof mit Menschen zu tun. Aber was die 60-Jährige gar nicht kann, ist stillzusitzen. Formulierungen wie "ich mach' das mal eben" und Worte wie "schnell" beschreiben sie laut Eigenaussage am treffendsten.

Diese Art von Umtriebigkeit und nicht stillsitzen können sind gleichzeitig beste Voraussetzungen für ihre Aufgaben als Vorsitzende des TV Hösel. Im Frühjahr 2010 beerbte die selbstständige Kauffrau Klaus Ferger in diesem Job, als "Vereinsmanagerin" ist sie seither verantwortlich. "Die Arbeit verteilt sich auf mehrere Schultern", bezieht sie sofort ihr Girl-Power-Team der weiblichen Vorstandsriege mit ein. Als wichtigste Aufgabe bezeichnet sie die Ausrichtung des Vereins, schließlich muss der sich den Gegebenheiten der Zeit anpassen, sich also immer mal wieder neu erfinden, um fit für die Zukunft zu sein. "Jugger" ist dafür ein Beispiel. Was sich wie ein Schreibfehler liest und wie eine futuristische Idee aus dem Märchenbuch klingt, ist ein Mannschaftssport mit Elementen aus Individualsportarten wie Fechten und Ringen. "Das ultimative Endzeitspiel", lacht Gudrun Althof. Sie selbst ist passionierte Badmintonspielerin. Ein Sport, der allein wegen des Tempos gut zu ihr passt. 12-jährig, damals noch in ihrer Heimatstadt Neuss, wurde bei ihr Skoliose diagnostiziert. "Ich sollte die rechte Körperhälfte ertüchtigen", imitiert sie den Arztauftrag. Und das tat sie dann im Humboldt-Gymnasium, das sie damals besuchte. Mit so viel Erfolg, dass sie später "im Ligabetrieb mitmischte", wie sie den eigenen Erfolg uneitel beschreibt. Und als die Familie - zusammen mit ihrem Mann hat sie fünf Kinder, inzwischen übrigens auch vier Enkel - aus Neuss nach Ratingen verzog, "suchten wir ein geeignetes Feld". Das fand die studierte Betriebswirtin beim TV Hösel.

Hier ist sie seit 1991 Mitglied. Nicht lange blieb es bloß beim Badmintonspielen, die Abteilung wurde ziemlich rasch beim Landesverband angemeldet. Und seit 1993 hatte Gudrun Althof dann die Abteilungsleitung übernommen. "Ein toller Sport", der allerdings so etwas wie ein Nischendasein führt. Denn anders als beim Tennis, wo Ballwechsel entlang der Grundlinie ja ausufernd lange dauern können, lebt das Rückschlagspiel mit dem gefiederten Ball, das mit Federball so viel zu tun hat wie die Formel 1 mit Schneckenrennen, von fixen Aktionen und einem Übermaß an Tempo. "Wir haben alle Kinder mitgenommen. Aber nie jemanden gedrängt." Tochter Isabel sog die Leidenschaft für den Sport quasi mit der Muttermilch auf, ließ sich gerne als kleines Mädchen vom Fieber anstecken. Sie leitet die Abteilung inzwischen, ihr Bruder Alexander hat ebenfalls eine Trainerlizenz.

Im Club kümmert sich Gudrun Althof darum, dass alles im Fluss ist und zukünftig gut läuft. 1901 gegründet, zählt der Club Pi-mal-Daumen 2.000 Mitglieder. "Im Kinderbereich sind wir stark, dann folgt ein tiefes, tiefes Tal bei den Jugendlichen", im Segment Erwachsene bis Senioren "sieht es dann wieder gut aus. Sport im Verein zu machen hält sie für "wichtig wegen der sozialen Netzwerke, die sich daraus ergeben".

Sie kennt ältere Mitglieder, die auf den Rollator gestützt zum Kurs kommen und hinterher mit anderen gemütlich plaudernd ihre Zeit beim gemeinsamen Bier verbringen. "Ein Verein bietet gute Möglichkeiten, unkompliziert Leute kennenzulernen." Und seine eigenen Fähigkeiten weiterzuentwickeln.

Das übrigens macht Gudrun Althof selbst gerne. Als waschechter Geschwindigkeits-Freak mit ausgeprägtem Interesse am Motorrad fahren hat sie sich in diesem Jahr Reitunterricht geschenkt. Pferde faszinierten sie schon immer, den Sport wollte sie längst lernen.

Quelle: RP
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