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Heiligenhaus
So funktioniert Deutsch als Zweitsprache

Heiligenhaus: So funktioniert Deutsch als Zweitsprache
Praktikant Marco Schild (l.), Lehrer Lutz Berth und Schulleiterin Sonia Cohen (Mitte, hinten) üben mit der DAZ-Klasse der Realschule Deutsch. FOTO: dietrich janicki
Heiligenhaus. Die Realschule am Nordring macht gute Erfahrungen mit einem Unterrichts-Modell, das Integration betont. Von Stefan Mülders

Seit Schuljahresbeginn ist die DAZ-Klasse (Deutsch als Zweitsprache) an der Realschule in Heiligenhaus eingerichtet. Die "normalen Themen" Heranwachsender mischen sich hier mit Fluchterfahrungen unterschiedlichster Ausprägung, kulturellen und sozialen Unterschieden und völlig heterogenen Bildungshintergründen der Schüler.

Was im Sommer schnell auf die Beine gestellt werden musste und nur durch die hohe Einsatzbereitschaft aller Beteiligten überhaupt zu bewältigen war, hat in den vergangenen Monaten an Struktur gewonnen. Es gab zwar die Aufgabe, eine Integrationsklasse einzurichten, aber zusätzliches Personal zunächst nicht. Erst am 1. Dezember kam mit Lutz Berth ein zusätzlicher Lehrer an die Realschule, der damit Michael Kliemann als Interims-Klassenlehrer ablöste. Weiter wird die DAZ-Klasse von je zwei Lehrkräften der Gesamtschule und des Immanuel-Kant-Gymnasiums unterstützt, außerdem ist Marco Schild seit Jahresanfang für sechs Monate als Praktikant dabei. Darüber hinaus haben sich ehrenamtliche Helferinnen gefunden, die das Angebot für die jungen Zuwanderer unterstützen. Darunter sind vier pensionierte Lehrerinnen, die fünfte Person ist eine gebürtige Französin, die als Unternehmerin Geschäftsverbindungen zwischen Deutschland und Frankreich aufbaut. Auch Schulleiterin Sonia Cohen und Ridoin Ourraoui, Realschullehrer mit marokkanischen Wurzeln, sind regelmäßig in die Arbeit mit der DAZ-Klasse eingebunden.

Begonnen wurde mit einer Art Ganztages-System. Morgens regulärer Unterricht, teilweise bereits eingebunden in den Fachunterricht, nachmittags ergänzendes Programm. Dieser Bereich wird mit Beginn des neuen Halbjahres nicht mehr verpflichtend sein. "Wir haben festgestellt, dass dieses Angebot nicht bei allen gleich gut ankommt und werden den Nachmittagsbereich als freiwillige Option anbieten", sagt Sonia Cohen. Doch das ist nicht die einzige Erkenntnis, die gewonnen wurde beziehungsweise mit der Vermutungen bestätigt wurden. Die starke Heterogenität sorgt hier und da durchaus für Probleme. "Es gibt Schüler, die müssen erst mal alphabetisiert werden, andere sind schon deutlich weiter. Da ist ein einheitlicher Unterricht nur bedingt möglich und streng genommen müssten einige sogar eher über einen begrenzten Zeitraum in 1-zu-1-Betreuung beschult werden. Aber das lässt sich im Rahmen einer Regelschule nicht bewerkstelligen." Eine wichtige Stütze sind gerade hier die Ehrenamtlichen. Ein weiterer Punkt ist das fehlende spezialisierte Lehrmaterial. "Wobei ich erfreut festgestellt habe, dass gerade die Realschule Heiligenhaus hier schon sehr weit ist", sagt Lutz Berth, der zuvor in elf Jahren an 15 verschiedenen Schulen als "Springer" eingesetzt war und dadurch bereits Berührungspunkte mit Integrationsklassen hatte. "Für diese Zielgruppe gibt es kaum Lehrmittel. Ich musste auch schon mit Kinderbüchern arbeiten, um die deutsche Sprache zu vermitteln. Denn selbst Grundschulmaterial setzt teilweise schon zu viele Vorkenntnisse voraus." Außerdem schätzt Berth, dass neue eigene Materialien gemeinsam mit den anderen an der DAZ-Klasse beteiligten entwickelt werden. So wurden gerade erst neue Poster erstellt, die das Deutschlernen unterstützen sollen.

Quelle: RP
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