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Heiligenhaus
So klingt die irische Revolution

Heiligenhaus: So klingt die irische Revolution
Mit den Zwillingsschwestern Sheila und Anna sowie der Jüngsten im Bunde, Clare (Geige), eröffneten die "Friel Sisters" den Abend. FOTO: achim blazy
Heiligenhaus. Folk-Fans feierten beim "Irish Heartbeat-Festival" in der Kant-Aula mit drei Bands Irlands 100 Jahre alte Unabhängigkeit. Von Sandra Kreilmann

Am 17. März war St. Patrick's Day. Und wenn es ein Völkchen gibt, das seinen Schutzheiligen feiert, wie sonst kaum ein anders, dann sind das, ganz genau: die Iren. Da sich in diesem Jahr auch der Osteraufstand zum 100. Mal jährt, der die Unabhängigkeit Irlands von Großbritannien einleitete, gab es gleich doppelt Grund zum Feiern.

Die Heiligenhauser Folk-Fans feierten beim "Irish Heartbeat-Festival" am Samstag mit den drei Bands und insgesamt zwölf Musikern zusammen. Und die hatten eine bunte Mischung ganz eigener Interpretationen ihrer heimatlichen Klänge im Gepäck. Mit den Zwillingsschwestern Sheila und Anna sowie der Jüngsten im Bunde, Clare, eröffneten die "Friel Sisters" den Abend. Sie sorgten mit Ruairi Stewart an der Gitarre für satte Klanglandschaften und dem klassisch-traditionellen Folksound. Die "Uilleann Pipe", die sie neben den klassischen Instrumenten dabei haben, ist ein Dudelsack, dessen Blasebalg mit dem Ellenbogen und nicht mit Lungenluft betrieben wird. Allein das deutsche Wort für dieses Instrument amüsiert die Schwestern: "Wir haben das Wort ,Dudelsack' vor unserer Tournee durch Deutschland noch nie gehört."

Neben guter Musik lockten Guinness, Irish Stew und Cheddar-Käse das Publikum in den Festsaal des Gymnasiums. FOTO: Blazy, Achim (abz)

Man lernt eben nie aus; dass sich eine Klangschale mit ihrem satten Grundton organisch in ein Lied einfügt, zum Beispiel. Oder dass Zwillingsschwestern auf zwei Querflöten vierhändig spielen können. Wenn die Familie Friel singt, dann wunderbar harmonisch vom Abschied, von der Liebe und - dem feierlichen Anlass geschuldet - immer wieder auch von der Freiheit. Ganz ohne Gesang, außer vielleicht einem kräftigen "Hey" hin und wieder, kommen die fünf Jungs von Cruig, zu deutsch: "Fünf", aus. Miceál Mullen, Rónán und Ruairí Stewart, sowie Eoin und Cathal Murphy aus dem irischen Norden bestechen dabei mit Boyband-Optik, haben es aber faustdick hinter den Ohren.

Ihr musikalisches Können schickt den Folk in die heutige Gegenwart, ohne jedoch die Wurzeln zu verleugnen. Sie haben zwar die klassischen Instrumente wie die "Fiddle", die "Pipes" und das Akkordeon im Gepäck, ergänzt wird ihre instrumentale Bandbreite aber durch das Banjo und das Schlagzeug. Und genau letzteres treibt ihre Folk-Interpretationen vorwärts und sorgt für eine ungewohnte Kraft hinter den Songs.

Dass in Donnegal die Luft für musikalisches Talent besonders gut zu sein scheint, zeigen auch die vier Diver-Schwestern der "Screaming Orphans", ("schreiende Waisen") und das in poppiger Punk-Attitüde. Joan, Angela, Gráinne und Marie Thérèse haben neben dem Schlagzeug auch noch einen Synthesizer dabei. Ihre Musik orientiert sich mehr in die Pop- und Rockrichtung, lässt aber genauso wenig die Herkunft verleugnen. Folk ist eben kein starres Konstrukt, sondern lässt Raum für Experimente.

Alle drei Bands spielten eigene Songs, ob traditionell oder aufgefrischt, allesamt machen Spaß und auf den Applaus des Heiligenhauser Publikums können die Folk-Bands zählen.

Quelle: RP
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