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Heiligenhaus
So leben sich Flüchtlinge in der Stadt ein

Heiligenhaus. Durchatmen an der Harzstraße 9: Der Ansturm auf die neuen städtischen Wohnungen bleibt vorerst aus. Von Paul Köhnes

Polstermöbel in der Ecke, ein kleiner Couchtisch davor, darauf Bilderbücher und Spielzeug. Der kleine Silva, zwei Jahre alt, schaut auf die fremden Besucher, dann wieder auf Brigitte Steingräber. Mit ihr zusammen spielt er gerade, lernt Zählen und einzelne Worte in deutscher Sprache. "Zweimal anderthalb Stunden pro Woche bin ich hier", sagt die Pensionärin.

Alltag in der Wohnung an der Harzstraße 9. Die Diakonie hat sie zu einer Kombination aus Büro, Treffpunkt und Anlaufstelle umgebaut hat, nachdem die Stadt drei dutzend Wohnungen in dem Hochhaus kaufte. Das war Anfang des Jahres.

Während Steingräber sich um den kleinen Jungen kümmert, lernen dessen Eltern nebenan Deutsch. "Es sind kurdische Jesiden, die nur Arabisch sprechen - kein Wort Deutsch", sagt Sozialarbeiterin Juliane Steinhard. Für das Ehepaar Sulaimann konnte man in der Oberilp schnell sorgen: Der pensionierte Hochschullehrer Heinrich Busse bringt den beiden Irakern Deutsch-Grundkenntnisse bei. "Wir fangen praktisch bei Null an", erklärt er. Und geht die Sache ehrgeizig an. Er will unter anderem einen Computersprachkurs Arabisch-Deutsch, Deutsch-Arabisch organisieren und auf dessen Basis weitermachen.

"Es ist ein Riesenplus hier, dass von Beginn an so viele ehrenamtliche Helfer zu uns gestoßen sind", sagt Steinhard. Genau das hatte die Bürgergemeinschaft Oberilp mit ihrer damaligen Vorsitzenden Heidi Busse schon zu Jahresbeginn angekündigt. In einer Infoveranstaltung war die Einrichtung von drei Dutzend Wohnungen plus Betreuung für Flüchtlinge im Januar kontrovers diskutiert worden. Die Kapazitäten reichen für etwa 130 Menschen, 30 wohnen derzeit an der Harzstraße. Von Beginn an war für Heidi Busse klar: "Wir werden das unterstützen." Kurz darauf bereits hatte ein Dutzend ehrenamtlicher Helfer Mithilfe in allerlei formen angeboten.

Das funktioniert mitunter auf kleinem Dienstweg. So bekommt Steinhard en passant vom Küster der evangelischen Kirche einen Zettel in die Hand gedrückt: "Schauen Sie doch mal, was Sie hiervon brauchen können", so der Kommentar. Der Mann ist gerade mit einer Fuhre Hausrat unterwegs. Das Büro, indem Steinhard und ihr Kollege Marc Körschgen an der Harzstraße arbeiten, ist Anlaufstelle für Formalitäten und Fragen aller Art. Wo kriegen wir schnell einen Übersetzer her? Wer hat Schwierigkeiten, seine deutsche Post zu verstehen? Auch hier setzt man inzwischen erfolgreich auf ein Stück Nachbarschaftshilfe. Die Teeküche nebenan und der Wohnraum sind zum Treffpunkt für alle ausgebaut. Dazu ein Lernraum. Ein ganz wichtiges Hilfsmittel hängt im Flur: der Stadtplan, in dem wichtige Anlaufstellen eingezeichnet sind.

Von montags bis samstags sind die Diakoniemitarbeiter vor Ort - nicht nur zu gängigen Bürozeiten, 33 Stunden pro Woche. Bei einem internationalen Fest haben die inzwischen 30 Bewohner erste Kontakte knüpfen können. "Das lief gut", sagt Steinhard. In Richtung Freizeitangebot ist derzeit noch etwas Luft nach oben. Die Diakonie setzt auch hier auf Angebote oder Ideen interessierter Vereine.

Quelle: RP
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