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Postskriptum Die Woche In Unserer Stadt
So ruhig war es in der Politik noch nie

Ratingen. Ungewöhnlich für Ratingen: Verbale Attacken haben an Wucht verloren. Personalien wie der Abgang von CDU-Größe Wilhelm Droste werden zur Kenntnis genommen.

Ratingen und die Politik - das war in der Vergangenheit immer der Garant für verbales Geschepper. Man erinnere sich an den intensiven Bürgermeister-Wahlkampf zwischen dem damaligen Amtsinhaber Harald Birkenkamp und seinem Herausforderer Klaus Konrad Pesch, der schließlich seinen Vorgesetzten vom Thron stieß und neuer Chef der Verwaltung wurde. Ein politischer Kracher.

Klar: Im Rat kommt es immer mal wieder zu Scharmützeln. Doch die Wucht der Attacken hat deutlich nachgelassen, das Tagesgeschäft wabert dahin, das hat einen Hauch von neuer Sachlichkeit.

Selbst die Nachricht, dass Wilhelm Droste, der langjährige CDU-Landtagsabgeordnete, nicht mehr für einen Sitz im Landesparlament kandidieren will, hat nicht eine einzige Reaktion aus dem politischen Raum hervorgerufen - jedenfalls nicht öffentlich. Dabei galt Droste viele Jahre lang als eigentlicher Kopf der CDU, der sich aus der Kommunalpolitik operativ heraushielt, aber taktische Schritte und Wünsche beim Personal durchaus vorgab.

Der Jurist und Notar, lange Jahre auch Chef der Kreis-CDU, schaute sich die Entwicklungen in der Politik genau an und schaltete sich mitunter selbst ein. Zum Beispiel im Fall des Lintorfer Ortsverbandes, der lange Zeit blass blieb im Vergleich zur Bürger Union, deren politisches Gewicht im Stadtteil deutlich zunahm. Droste hatte dies erkannt und mahnte dringend und sehr deutlich eine Kurskorrektur an.

Ein anderes Beispiel für die neue Ruhe in der Politik: Den jähen Abgang von Melanie Meyer, die mit frischem Elan Parteichefin der Ratinger CDU wurde, nahm man stumm zur Kenntnis. Aus den Reihen der CDU hieß es auf Anfrage, man habe eine gut funktionierende Interimslösung und suche in aller Ruhe nach einem neuen Kandidaten. Eile gebe es aber nicht.

Was steht in der näheren Zukunft politisch an? Ums konkrete Personal geht es am 7. Oktober, wenn die CDU-Mitglieder aus Ratingen und Heiligenhaus anlässlich einer Ur-Wahl Drostes Nachfolger bestimmen. Das Profil des Kandidaten ist längst abgesteckt: Er muss langjährige Erfahrung und vor allem Führungsqualitäten haben. Dass der Kreis der Personen, die für dieses Landtagsmandat in Frage kommen, nicht allzu groß ist, muss nicht verwundern, denn in der Politik fehlt in vielen Bereichen Nachwuchs, der strategisch an solche Aufgaben herangeführt wird. Dieses Problem lässt sich zwangsläufig auch auf die Kommunalpolitik herunterbrechen.

Der Landtagswahlkampf könnte am Anfang des Jahres 2017 die politische Frühjahrsmüdigkeit ein wenig abfedern. Wichtigste Themen werden die Bereiche Flüchtlingsproblematik, Schule und Bildung sowie die Bekämpfung der Kriminalität sein. Das könnte spannend werden. Doch bis dahin ist noch viel Zeit. Motto: Nur mit der Ruhe! norbert.kleeberg@rheinische-post.de

Quelle: RP
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