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Ratingen
So schützen sich Senioren vor Betrügern

Ratingen: So schützen sich Senioren vor Betrügern
Zahlreiche Senioren informierten sich über Tipps, wie man sich am besten gegen fantasievolle Betrügereien wappnen kann. FOTO: Achim Blazy
Ratingen. Ältere Leute sind bevorzugte Zielgruppe von Abzockern. Gesundes Misstrauen und Mut zum Nein-Sagen helfen. Von Valeska von Dolega

Tatort Telefon. Der mutmaßliche Mitarbeiter der Stadtwerke fragt höflichst nach Bankverbindung und der PIN, um eine angeblich offene Rechnung schnell und einfach zu begleichen. Wer hier zu gutgläubig ist, ist rasch viel Geld los. Allerdings ist diese Methode nur eine Variante im weiten Spektrum fantasievoller Trickbetrügereien. Am bekanntesten ist wohl der sogenannte Enkeltrick. Und weil es vor allem Senioren sind, die auf diese Art oft um viel Geld gebracht werden, hat nun die Verbraucher-Initiative (VI) zum Themenforum "Ihr gutes Recht: So schützen Sie sich vor Abzocke im Alltag" eingeladen.

Auf Einladung von Helmut Freund, Vorsitzender des Ratinger Seniorenrats, konnten sich gestern knapp 100 Golden Ager über gängige Methoden und aktuelle Varianten der Trickbetrüger in zahlreichen Einzelbeiträgen von Fachleuten aus Verbraucherschutz und Polizei informieren lassen. "Es geht darum, zu sensibilisieren", sagte Schroeder. Ob angeblich supergünstige Angebote auf der Kaffeefahrt, lukrative Offerten an der Haustür oder SOS-Anrufe: "Gesundes Misstrauen ist keine Unhöflichkeit", formulierte Lutz Hohaus eine wesentliche Maxime, "sondern der beste Schutz." Der Mann muss es wissen, er ist Kriminalbeamter. "Wer sich nicht erinnert, an einem Preisausschreiben teilgenommen zu haben, hat sicher nicht den Hauptpreis gewonnen." Bei solchen angeblichen Geldsegen sollte grundsätzlich nicht das Herz vor Freude hüpfen, sondern der Verstand auf "Alarm" schalten. Damit das oft geschieht, ist es "wichtig, gut informiert zu sein" (Infobox). "Bei angeblich tollen Angeboten am Telefon sage ich immer, die sollen mir das schriftlich zuschicken", sagte Wiltraut Brand. Post käme dann übrigens nur selten. Auch Marianne Schmitt ist vorsichtig. "Ich mache mich immer wieder schlau." Zusammen mit einer Freundin besuchte die 67-Jährige die Veranstaltung. "Was man alles im Bekanntenkreis hört, wer auf was reingefallen ist, das ist unglaublich." "Es ist die Gutgläubigkeit vieler Menschen, die gnadenlos ausgenutzt wird", wie Hohaus weiß.

Grundsätzlich sollte niemand in die Wohnung gelassen werden, der einem unbekannt ist. Hellhörig werden sollt man immer bei Formulierungen wie "kann ich mal eben" oder "das dauert auch nur einen Moment". Gibt sich jemand beispielsweise als Mitarbeiter der Stadtwerke aus, der zwar unangemeldet, aber "bloß rasch etwas nachgucken muss", reicht der kurze Anruf beim Unternehmen, um die Identität des angeblichen Mitarbeiters zu überprüfen. So ein Identitäts-Check ist immer sinnvoll, "auch ein Polizist wird sich jederzeit mit Dienstmarke und Karte ausweisen", sagt Lutz Hohaus. Denn selbst als falsche Polizisten machen manche Abzocker fette Beute. "Senioren sind in der Tatsituation häufig vollkommen überfordert", weiß der Kripomann. "Sie werden massiv unter Druck gesetzt." Also gilt, lieber ein Mal mehr "nein" sagen, als später festzustellen, man ist betuppt worden. Das gilt für den Enkeltrick wie angebliche Schnäppchen auf Kaffeefahrten , auch im Internet ist Vorsicht geboten. "Sagen mir Name und Betreff einer E-Mail nichts, sollte sie gelöscht werden", ehe hier in Abofallen getappt wird, "immer gut die Nutzerbedingungen lesen". Und nicht auf "okay" drücken im Sinne von "das wird schon alles seine Richtigkeit haben", sondern auch das Kleingedruckte lesen. Hoch ist die Dunkelziffer der geprellten, aus Scham schweigen die meisten Opfer. "Anzeigen liegen im zweistelligen Bereich", weiß Hohaus. Und weil es oft Trickbetrüger sind, deren Netzwerk ins Ausland reicht, ist es schwer, sie dingfest zu machen.

Quelle: RP
 
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