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Ratingen
So schützt die Stadt ihre Bäume

Ratingen: So schützt die Stadt ihre Bäume
Prachtvoll: Ginkgo-Bäume auf der Straße im Bachkausfeld. FOTO: Blazy Achim
Ratingen. Die Verwaltung führt ein spezielles Kataster, das Aufschluss über den Zustand der Gewächse gibt. Von Gabriele Hannen

Ein Gedicht schwebte vor einigen Tagen durch das Studio des "heute journal" - von Rainer Maria Rilke verfasst, von Claus Kleber rezitiert, von Millionen aufmerksamer Zuschauer aufgenommen. Doch es ging nicht um eine behutsame Einstimmung in die dritte Jahreszeit, sondern um verrottende Kastanienalleen am Beispiel einer in Schleswig. So etwas haben wir leider auch in Ratingen.

Eine Allee ist eine "von hohen Bäumen dicht gesäumte Straße", doch auch sie hat mal klein angefangen. Am Hauser Ring zum Beispiel stand ursprünglich eine Hundertschaft 80 bis 90 Jahre alter Kastanien, denen ziemlich viele Autofahrer schleudernd zugesetzt hatten. Darüber hinaus haben unzählige Rosskastanienminiermotten ihr unseliges Werk verrichtet und die Alleebäume in die Knie gezwungen.

Herbstlich eingefärbt: die Kastanienallee am Hauser Ring. FOTO: Achim Blazy

Neues Ungemach droht nun von Pilzen und einem Bakterium. Beide befallen die ohnehin gestressten Bäume und machen sie letztlich völlig kaputt. Die Stadt Ratingen hält in einem Baumkataster nach, wo welcher Baum steht und wie sein Zustand ist.

Und das sieht für den Hauser Ring genau so schlecht aus wie auch für andere Stellen. Ist nämlich ein Baum schon wegen irgendwelcher Verletzungen geschwächt, wirkt sich jeder weitere Schädlingsbefall umso schlimmer aus.

Die Ginkgo-Bäume tragen Früchte. FOTO: Blazy Achim

Uwe Puzalowski, Leiter der Abteilung Stadtgrün bei den Kommunalen Diensten, braucht gar keine Unterlagen, um mit Standort und Zustand über die Stadtbäume Auskunft zu geben. "Wir - und damit meine ich wirklich alle, die hier mit dem Thema zu tun haben - wollen keinen Baum in der Stadt unnötig abholzen. Doch außer um die kranken Exemplare müssen wir uns zum Beispiel auch um die Verkehrssicherheit kümmern, müssen in den Straßenraum ragende Äste entfernen und ermitteln, welche Bäume Schäden haben, die man noch gar nicht sieht".

Und dann kamen auch die Stürme Kyrill und Ela. "Letzterer (Pfingsten 2014) mähte 360 Bäume weg, die wir nach unserem Drei-Jahres-Programm bis Ende 2017 ersetzt haben werden. Bislang sind 270 angepflanzt", so Puzalowski.

Sicher hat eine Veränderung des Klimas die Bäume angegriffen, haben viele nicht die Widerstandskraft, um Streusalz, Hundepipi, Hitze, die vom Asphalt abstrahlt und hoch verdichtete Baumscheiben zu überleben. Dann muss man sich nach neuen Bäumen anderer Arten umsehen.

Wer den Bestand am Hauser Ring betrachtet, der wird sehen, dass die Neuanpflanzungen gar keine Rosskastanien mehr sind, sondern Amerikanische Amberbäume, frost- und winterhart, mit hübscher Herbstlaubfärbung, Streusalz-resistent und nicht weit ausladend, aber hoch wachsend. Genau gegenüber der Einmündung des Dürerrings in den Europaring kann man's sehen: Dort stehen zwei Amberbäume, die etwa 35 bis 40 Jahre alt sind.

Die jungen Exemplare werden, genau wie andere Neuanpflanzungen, am Stamm mit Schilfmatten umwickelt und mit Holzstangen gesichert.

Die Matten sollen die Borke schützen, die zum Beispiel bei Temperaturschwankungen im Winter aufplatzen könnte.

Alle neuen Ratinger Bäume haben einen Wall um den Stamm, damit sie in jungen Jahren eine Extraportion Wasser bekommen können, die dann nicht gleich abläuft.

Am Backhausfeld stehen inzwischen die Ginkgo-Bäume so wacker, wie es geht, die Mülheimer Straße hat in ihrem Verlauf nahe dem Zugang zum Blauen See kräftige, wenngleich nicht alte Bäume. Gleiches gibt es am Berliner Platz. Auf der Poststraße wurden die Robinien, die nicht bis in Ewigkeit wachsen, durch Gleditschien ersetzt, die überraschenderweise wie Robinien mit verkleinerten Blättern aussehen.

Wer sich schon auf die Laubbeseitigung mittels Laubsauge- oder blasgeräten freut, der wird - zumindest bei städtischen Maschinen - immer häufiger mit leisen, batteriebetriebenen Maschinen rechnen können. In diesen Tagen sind die Geräte naturgemäß wieder besonders häufig im Einsatz.

Quelle: RP
 
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