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Analyse
SPD verliert sogar in ihren Hochburgen

Wahl in NRW: Gewinner und Verlierer
Ratingen. Wahlnachlese: Die FDP profitiert von der hohen Wahlbeteiligung und geht als klarer Sieger aus dieser Wahl hervor. Die AfD ist dort am stärksten, wo die Wahlbeteiligung am geringsten ist. Die CDU hat ihre alte Form noch nicht erreicht. Von Joachim Preuss

Der Tag nach einer Wahl ist der Tag der Analysen. So geben die Einzelergebnisse aus den Wahllokalen beispielsweise Auskunft über das Wahlverhalten der näheren Umgebung: Wo sind die Hochburgen der Parteien und Kandidaten? Und vor allem: Wo wurde die AfD gewählt?

Netz-Reaktionen auf das NRW-Wahlergebnis

Elisabeth Müller-Witt (SPD), die ihrem Herausforderer Jan Heinisch (CDU) klar unterlegen war, wandte sich gestern via Facebook an ihre Unterstützer: "Das Wahlergebnis war auch für mich persönlich ein herber Schlag ins Gesicht." Man werde sich noch ausführlich mit den Ursachen befassen müssen. Zwar sei sie über die Landesliste weiter im Landtag: "Es stimmt mich aber traurig, dass viele gute und engagierte Kolleginnen und Kollegen diese Chance nicht haben."

Trotz der generellen Wahlschlappe für Elisabeth Müller-Witt (SPD) im Wahlkreis 38 (Ratingen, Heiligenhaus) gibt es noch SPD-Hochburgen, die allerdings bröseln. Für Müller-Witt gab es bei den Erststimmen im Stimmbezirk 7122 in West (Wahllokal Kindergarten an der Daimlerstraße) satte 46 Prozent, in der Wilhelm-Busch-Schule in Hösel dagegen nur 12,1 Prozent. Ein ähnliches Verhältnis gab es auch bei den Zweitstimmer für die SPD.

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In West gab es auch die meisten Stimmen für Uwe Meisenkothen (AfD). In der Erich-Kästner-Schule und in der Gesamtschule erzielte er 18,6 Prozent, in Hösel, Wilhelm-Busch-Schule 1,  nur 1,5 Prozent. Für die Partei stimmten in der Kästner-Schule in West 22,1 Prozent der Wähler.

Die Grünen sind traditionell in Mitte sehr stark: Dort gab es für Christian Otto 9,4 Prozent, während es in der Kästner-Schule in West nur 0,9 Prozent waren. Erst- und Zweitstimme variierten bei der FDP stark. In der Cones-Scheune stimmten 12,4 Prozent für Sebastian Höing, aber 29,8 Prozent für die Partei. In West wurde das schlechteste Ergebnis eingefahren (Gesamtschule: 1,4/3,3 Prozent).

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Für Jan Heinisch war es in Hösel fast ein Heimspiel: In der Buschschule stimmten 66,1 Prozent der Wähler für ihn, die Partei lag in Lintorf (Ebert-Schule) mit 47 Prozent vorne. Keine Überraschung: In West (Gesamtschule) blieben Kandidat und Partei bei etwa 20 Prozent.

"Bei den Zweitstimmen verbesserte die CDU mit 36,1 % ihr historisch schlechtestes Ergebnis von 2012 um + 8 Prozentpunkte (4.812 Stimmen). Sie ging zwar als stärkste Partei aus dieser Wahl hervor, blieb allerdings unter ihren Spitzenwerten früherer Landtagswahlen in Ratingen. Als haushoher Wahlverlierer fuhr die SPD das niedrigste Ergebnis ein, das sie je bei einer Landtagswahl erreicht hat. Sie rutschte mit 26,4 % sogar unter ihren Tiefstwert von 2010, als sie 28,6 % erzielte", heißt es in der Wahlanalyse von Gabriele Labes, Statistikstelle der Stadt Ratingen.

Das Wahldebakel der SPD spiegelt sich in allen Gemeindewahlbezirken wider. Selbst in ihren angestammten Hochburgen West rutschte sie auf 36 % und weniger ab, stellten die Statistiker fest. Die CDU übersprang in ihren bekannten Hochburgen die 40 %- Marke und blieb lediglich in drei Bezirken in Ratingen West unter 30 %. Die Grünen erzielten nirgendwo mehr ein zweistelliges Ergebnis.

Labes: "Die FDP geht als klarer Gewinner aus dieser Wahl hervor. Sie mobilisierte 12 % der Wahlberechtigten und profitierte von der hohen Wahlbeteiligung. In Hösel und Eggerscheidt brachte sie es zur zweitstärksten Kraft mit Werten zwischen 27,1 % und 23,3 %." Die FDP steuerte bei dieser Wahl von Anfang an auf einen neuen Rekordwert zu (17,3 %). Nur bei der Bundestagswahl 2009 lag ihr Stimmenanteil noch etwas höher (19,5 %).

In Bezirken mit geringer Wahlbeteiligung habe die AfD gepunktet: "Neben den Bezirken in Ratingen West erhielt sie ebenfalls einen überdurchschnittlichen Zuspruch in Tiefenbroich mit 10,4 %." Für Uwe Meisenkothen (AfD) stimmten mit 5,1 % ähnlich viele Wähler wie für den Kandidaten der Grünen, Christian Otto. Der Einzug der AfD in den Landtag galt im Vorfeld bereits als sicher. Sie wurde in Ratingen mit 6,7 % viertstärkste Partei. Die Linken blieben mit 3,9 % in Ratingen weit unter der fünf Prozent Hürde. Die Piraten kamen nur noch maximal auf 1,5 %.

Quelle: RP
 
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