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04/19 braucht einen "Typ Sascha Meier"

Analyse: 04/19 braucht einen "Typ Sascha Meier"
Sascha Meier absolvierte in der vergangenen Saison 28 Partien für den RSV und erzielte dabei sieben Tore. FOTO: Otto Krschak
Ratingen. Warum wird die Mannschaft des Fußball-Oberligisten aktuell in der Tabelle durchgereicht? Ist die Mannschaft zu jung? Fehlen Leitwölfe? Ist es gar ein Einstellungsproblem? Eine Bestandsaufnahme. Von André Schahidi

Manchmal musste Sascha Meier so richtig tief durchschnaufen. "Das geht schon alles sehr schnell für mich", sagte der alte Haudegen. Fünf Minuten später stand er dann wieder für Ratingen 04/19 auf dem Platz und hielt seine Knochen in der Fußball-Oberliga hin: Grätschend, ackernd und Tore schießend. War das Spiel vorbei, grinste Meier breit, offenbarte dabei einige Falten rund um die Augen. Logisch, bei einem 33-Jährigen. "Das macht so unfassbar viel Spaß", sagte er, fast noch nach Atem ringend. "Diese jungen Spieler scheuchen mich - und ich sehe mich fast als Papa."

Das war vergangene Saison. Da war Meier der Routinier in der Mannschaft der Ratinger. Blickt man heute nach einem Oberliga-Spiel in die Gesichter der Protagonisten, kaum einer ist über 22, 23 Jahre alt. Adnan Hotic und Daniel Keita-Ruel sind 26. Carlos Penan 25. Und Thomas Denker, der Kapitän, ist 24. Das war es. Acht Spieler des RSV haben noch eine "Eins" am Anfang der Jahreszahl stehen. Und dieser so unglaublich junge Kader wird sich nun wohl im Abstiegskampf der Oberliga beweisen müssen.

Trainer Peter Radojewski ist sehr nachdenklich angesichts der aktuellen Situation. "Andere Mannschaften rennen, ackern, kämpfen und tun", sagt der Trainer. "Und dann kommen wir mit unserer jungen Mannschaft." Eine Mannschaft, in der für eine ganze Handvoll Spieler gerade einmal das erste Senioren-Jahr angebrochen ist. Und eine Mannschaft, die nach dem guten Saisonstart eigentlich nichts mit dem Klassenkampf im Keller zu tun haben wollte. "Wir werden aber nach und nach durchgereicht", sagt Radojewski nach dem bitteren 1:2 am Sonntag gegen die SpVg Schonnebeck. "Und das müssen wir dringend stoppen."

Die aktuelle Krise des Oberligisten hat viele Gründe. Manche liegen auf der Hand. Andere nicht. Natürlich macht Stürmer Daniel Keita-Ruel aktuell eine tiefe Formkrise durch. Dennoch sind Alternativen für ihn rar, da Carlos Penan, vom Sportlichen Leiter Michael Kulm immerhin aus der Regionalliga geholt, bislang keinen großartigen Wert für die Mannschaft beweist, sogar haarscharf am Prädikat "Totalausfall" vorbeischrammt.

Es liegt aber nicht alleine an Keita, das wäre viel zu einfach. Der Mannschaft fehlen die Routiniers, die das Gerüst bilden und dem wackelig-jungen Mannschaftskonstrukt in brenzligen Situationen den nötigen Halt verleihen können. Womit wir wieder bei Sascha Meier wären. Der Solinger war mit allen Wassern gewaschen - und nahm die Mannschaft in brenzligen Situationen auch mal an der Hand. Seine Erfahrung war immer wichtig - selbst wenn er nicht spielte. Er gab den jungen Spielern Tipps und die nötige Sicherheit.

Nach dem ungewollten Aderlass im Sommer setzte Kulm fast ausschließlich auf die Jugend. Ein lobenswertes Konzept. Doch im Moment wirkt es, als würde der Mannschaft die Balance fehlen. Die meisten Spieler sind mit sich selber beschäftigt. Auf dem Platz steht noch keine Einheit, die - wie in der vergangenen Saison - füreinander kämpft. Vor allem auf den Flügeln ist das offensichtlich: Fatih Özbayrak, Sahin Ayas, Yannick Wollert oder auch dem momentan verletzten Nabil Jaouadi fehlten jegliche Sicherheit im Spiel nach vorne. "Ich kann aber auch kaum wechseln", sagt Radojewski. "Weil ich auf der Bank noch jüngere Spieler sitzen habe."

Der Trainer hat alles versucht. Mannschaftsabende, Motivationsspritzen. Tatsächlich ist die Stimmung in der Mannschaft besser geworden. Auch auf dem Platz sah das gegen Schonnebeck durchaus vorzeigbar aus. "Aber wir sind halt gnadenlos ineffektiv." Und das vor den anstehenden Spielen gegen Uerdingen oder Wuppertal. Da gilt es: Irgendwie unbeschadet in den Winter kommen. Und dann vielleicht nochmal auf dem Transfermarkt zuschlagen. Dort muss sich doch ein Routinier finden - denn 04/19 braucht einen "Typ Sascha Meier".

Quelle: RP
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