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04/19: Die Sportliche Leitung ist jetzt gefordert

Analyse: 04/19: Die Sportliche Leitung ist jetzt gefordert
Daniel Keita-Ruel ist der unbestritten beste Spieler bei 04/19 - aber er ist auch eine Ich-AG auf dem Platz. FOTO: Blazy/archiv
Ratingen. Zur Winterpause hängt der Fußball-Oberligist seinen eigenen Ansprüchen weit hinterher und ist nur vier Punkte von den Abstiegsplätzen entfernt. Die Ergebnisse stimmen nicht, die Mannschaft ist unrund zusammengestellt. Im Winter muss einiges passieren. Von André Schahidi

Es heißt immer, neue Besen kehren gut. Manchmal jedoch ist es mit den "alten" Aufräumern immer noch gut saubermachen: Fußball-Oberligist Ratingen 04/19 besinnt sich nach der mehr als durchwachsenen Hinrunde, die mit nur 23 Punkten auf Platz zwölf endete, auf einen "alten Besen" für die Abwehr. Benjamin Teichmöller, der nach einer starken Saison als Rechtsverteidiger zum Regionalligisten FC Kray wechselte, kehrt zurück nach Ratingen. Er soll die Defensive stabilisieren. Es ist eine von vielen Lücken, die der Vorsitzende Jens Stieghorst gemeinsam mit Michael Kulm (Sportlicher Leiter) und Trainer Peter Radojewski zu schließen hat. Wo es beim RSV noch krankt, analysieren wir hier:

Der Kader Die Mannschaft ist insgesamt zu unausgewogen besetzt. Ursprünglich stand nach der vergangenen Saison ein gutes Gerüst. Nach den späten, aber nicht völlig überraschenden Abgängen von Ali Can Ilbay, Lukas Fedler und Sascha Meier wurde jedoch unzureichend nachverpflichtet. Die Leistungsträger wurden durch ganz junge Spieler ersetzt, die in Teilen noch lange nicht oberligatauglich sind.

In der Abwehr baute Philipp Rößler nach starkem Start kontinuierlich ab. Orhan Dombayci, einer der besseren Fußballer im RSV-Kader, wird eigentlich weiter vorne benötigt. Mit der Rückkehr von Teichmöller steht nun wieder die extrem stabile Viererkette aus Teilen der Vorsaison mit Adnan Hotic, Thomas Denker und Stefan Rott. Hier besteht kein Bedarf mehr.

Dafür muss der RSV auf der Sechserposition handeln. Damian Bartsch geht für ein halbes Jahr nach Neuseeland. Fatih Özbayrak, einer der guten Zugänge, könnte die Position neben dem starken, aber auch anfälligen Phil Spillmann ausfüllen. Doch das ist personell zu dünn. Denn Timo Krampe bewies bislang nicht, ein vollwertiger Defensivakteur zu sein.

Dies gilt weiter vorne auch für Spieler wie Nico Rymarczyk, Frederik Streit oder Sahin Ayas. Sie haben in der Oberliga mehr mit sich zu kämpfen als mit dem Gegner. Weil dies auch für den eigentlich sehr talentierten Nabil Jaouadi gilt, ist 04/19 extrem flügellahm. Fast alle gefährlichen Angriffe gehen durch die Mitte. Das Spiel über die Außen ist mangels vorhandener Fähigkeiten im Eins-gegen-Eins sowie extremer Kraft-Defizite gegen stabilere Spieler nicht vorhanden.

Im Sturm ist aktuell die Sorge am größten. Daniel Keita-Ruel ist unbestritten ein toller Fußballer. Aber er ist eine Ich-AG auf dem Platz. Läuft es bei ihm, läuft es auch bei der Mannschaft. Spielt er hingegen schlecht, geht gar nichts, weil er auch nicht mannschaftsdienlich agiert. Keita ist eine einsame Insel im extrem fragilen 04/19-Gebilde, es wirkt, als fühle er sich nicht wirklich als Bestandteil des Teams. Dabei müsste er bei seinem Können und seiner Vita ein absoluter Führungsspieler auf dem Platz sein - sowie es Adnan Hotic und Thomas Denker in der Abwehr sind. Sie gehen vorweg, sind lautstark und führen das Team. Vorne herrscht jedoch Ruhe. Zu viel Ruhe.

Keitas Sturmpartner Carlos Penan erlebt eine tragische Saison. Er kämpft, rackert und tut - doch was er abliefert, ist an Ungefährlichkeit (nur zwei Tore) kaum zu überbieten. Das ist für einen Spieler, der in der vergangenen Saison noch im Kader eines Regionalligisten stand, einfach zu wenig. Und es ist auch eine Ohrfeige für die Führung um Stieghorst, Kulm und Radojewski, die Chamdin Said, den Torjäger des Vorjahres, ohne Not ziehen ließen. Sicher, der Libanese hatte auch schwache Spiele. Aber bei Schwarz-Weiß Essen steht Said aktuell bei elf Toren, die 04/19 gut zu Gesicht stünden.

Die Führung Michael Kulm muss sich vorwerfen lassen, den Kader nicht ausgewogen genug geplant zu haben. Zu viele junge Spieler mit viel zu wenig Kaltschnäuzigkeit gehen im harten Oberliga-Geschäft regelmäßig unter. Und weil es sportlich nicht läuft, geht die Leichtigkeit flöten. Das spürt auch Trainer Peter Radojewski, der nun selbst unter Druck steht. Nach der starken letzten Saison sollte das Team auch nun oben mitspielen. Dass dies nicht gelingt, ist dem Kader zuzuschreiben - aber auch dem Trainer. Er ist ein akribischer Arbeiter, der viermal in der Woche trainiert. Aber seine Personalwechsel wirkten in dieser Saison manchmal etwas hilflos. Und drei Wut-Auswechslungen zur Pause, wie mehrfach geschehen, gaben dem ohnehin angeschlagenen Nervenkostüm seiner Schützlinge oft den Rest.

Die Winterpause ist der perfekte Moment für einen Neustart. Michael Kulm muss den Kader reparieren. Zwei offensive Außen, ein Sechser und ein Torjäger müssen her. Mit diesem Kader muss Radojewski dann zeigen, dass er die Mannschaft in einer kompletten Vorbereitung tatsächlich besser macht. Und auch Präsident Stieghorst ist gefordert. Er hat sich aus dem sportlichen Geschäft zuletzt fast komplett rausgehalten. Damit hatte er es sich vielleicht ein bisschen zu einfach gemacht. Denn manchmal sollte man die alten Besen, die man hat, auch benutzen.

Quelle: RP
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