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04/19 ist ein Abstiegskandidat

Lokalsport: 04/19 ist ein Abstiegskandidat
Samuel Limbasan spielte gegen Meerbusch in der ersten Hälfte gut - er traf nur das Tor einfach nicht. FOTO: Achim Blazy
Ratingen. Der Fußball-Oberligist muss nach dem 0:1 gegen Meerbusch der unangenehmen Wahrheit ins Auge sehen: Auch nach dem Trainerwechsel geht es in dieser Spielzeit schon wieder nur darum, den Klassenverbleib zu erreichen. Von André Schahidi

Peter Radojewski ist gewiss kein schadenfroher Mensch. Und doch dürfte man es dem Fußballtrainer nicht verübeln, wenn seine Mundwinkel beim Anblick der aktuellen Tabelle der Oberliga unwillkürlich ein wenig nach oben zucken. 16 Punkte hat sein neuer Verein, der Cronenberger SC, mit dem er in den fünf Spielen unter seiner Führung drei Siege geholt hat. Und Ratingen 04/19, der Ex-Klub, der ihn kurz nach Saisonbeginn gefeuert hat? Karl Weiß, sein Nachfolger, hat genau so viele Siege auf dem Konto - allerdings in sieben Spielen.

Nun ist Radojewski zum Glück wahrlich kein schadenfroher Mensch. Dennoch, aus einer derart limitierten Mannschaft wie dem Cronenberger SC drei Siege herauszukitzeln, beeindruckt. Und Weiß? Der steht schon kurz nach seinem Amtsantritt beim RSV unter Druck. Denn die beiden Niederlagen gegen direkte Konkurrenten im Abstiegskampf schmerzen ungeheuer. Und das Wort "Abstiegskampf", da gibt es kein vertun mehr, wird die Ratinger bis zum Saisonende begleiten.

Dabei ist eines klar: Diesen ganzen Text hier würde es gar nicht geben, wenn 04/19, allen voran Samuel Limbasan oder Fatih Özbayrak, auch nur einen Bruchteil der vielen hochkarätigen Chancen im Spiel gegen Meerbusch genutzt hätte. "Deshalb werden wir jetzt auch nicht den Rundumschlag starten", sagt der Vorsitzende Jens Stieghorst. "Wir haben gegen Meerbusch eine sehr gute erste Hälfte gespielt. Trotzdem würde ich gerne wissen, wie der Leistungsabfall zustande kommen konnte." Aus diesem Grund wird sich der Vorstand heute zum Mannschaftstraining begeben, um direkt mit den Spielern in den Dialog zu treten.

Gespannt darf man durchaus darauf sein, ob - und wenn ja, welche - Spieler das Wort ergreifen. Denn echte Führungspersonen lassen sich im Kader des Oberligisten nicht ausmachen. Groß war der Unterschied zum TSV Meerbusch: Der Gegner, spielerisch deutlich unterlegen, verkaufte seine Haut teuer - und präsentierte sich moralisch als Einheit auf dem Platz. Die Ratinger hingegen bauten nach der furiosen ersten Hälfte so unglaublich ab, dass einem Angst und Bange werden konnte: Das Mittelfeld war kaum noch vorhanden, vorne knubbelten sich gleich fünf Stürmer, ohne jedoch ernsthaft dem Ball entgegen zu kommen oder mit nach hinten zu arbeiten. Und es gab niemanden, der seinen Mitspieler mal anfeuerte oder motivierte. "Wir haben keinen, der in schwierigen Momenten voran geht, ein Zeichen setzt oder die Mitspieler antreibt", sagt Stieghorst. "Das müssen wir ändern."

Natürlich haben die Ratinger auch Pech. Nico Wehner, Tim Manstein und Tolga Erginer, drei Linksfüße, sind gesperrt oder verletzt. Und so mühte sich Carlos Penan, der hinter den Spitzen am besten aufgehoben ist, gegen Meerbusch auf der ungeliebten linken Seite ab. Hier ist Abhilfe nahe: Am Sonntag weilte Yannik Wollert im Stadion. Der Flügelspieler war schon letzte Saison im Kader des RSV, machte hier nicht immer eine gute Figur. "Er hat aber unbestritten Qualitäten, wenn er fit ist", betont Stieghorst. Und so wird Wollert voraussichtlich schon beim SC West am kommenden Sonntag spielberechtigt sein.

Weitere Umbaumaßnahmen im Kader werden bis zum Winter verschoben. "Klar ist, dass wir noch zwei, drei Spiele bis dahin gewinnen müssen", betont Trainer Karl Weiß. Doch auch das wird an der allgemeinen Situation nicht viel ändern:

04/19 ist ein Abstiegskandidat.

Quelle: RP
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