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Lokalsport
04/19 wächst über sich hinaus

Ratingen. Der Oberligist zeigt im Endspurt der Saison einen beachtlichen Form-Anstieg. Was sind die Gründe für die neue Stärke? Von André Schahidi

Der bemerkenswerteste Satz fiel ganz zum Ende des Trainergesprächs nach der Fußball-Oberligapartie zwischen Ratingen 04/19 und dem KFC Uerdingen. "Ob eine Mannschaft gegen uns gewinnt", sagte Peter Radojewski, "bestimmen nur wir alleine." Es ist ein Satz, der - erst recht nach dem verdienten 3:0-Sieg des RSV über die Krefelder - das neue Selbstvertrauen der Ratinger ausdrückt.

"Schon verrückt. Vor knapp zwei Wochen standen wir auch hier - und alles war mist", sagte Radojewski in der etwas nachdenklicheren Retrospektive. "In Hönnepel wurde gesagt, wir wären platt, dazu furchtbar unkreativ. Und jetzt? Meine Mannschaft dominiert den Gegner bis zur letzten Minute." Eine passende Erklärung dafür lieferte der Coach gleich mit: "Selbstbewusstsein", sagte er. "Das steigt und steigt und steigt gerade." Und das ist den Ratingern anzumerken. Ein Tor wie das zum 2:0, als Daniel Keita-Ruel eine Flanke von der Seitenlinie aus vollem Lauf passgenau auf den Fuß von Carlos Penan servierte - das wäre den Ratingern noch vor drei Wochen niemals gelungen.

"Das Team arbeitet so hart, wir kämpfen alle für einander", betont Doppeltorschütze Penan. Ein Anzeichen dafür: Die Mannschaftsbesprechung nach dem Spiel findet nicht mehr so statt, dass jeder irgendwo auf dem Rasen sitzt oder liegt und dem Trainer zuhört. Inzwischen halten sich alle im Arm, stehen eng zusammen - wie auf dem Platz. Es ist ein neuer Teamgeist, der da erwacht ist. Und: Er kam gerade zum rechten Zeitpunkt.

Doch es gibt auch noch einen anderen Grund. So familiär der Rahmen im Sportpark Keramag auch ist - den Ansprüchen eines Oberligisten genügt er nicht. Und vor allem nicht der Ratinger Spielweise. Denn der Kunstrasenplatz ist kleiner als der im Stadion. Und steht somit dem Konzept mit schnellen Stürmern ein wenig im Weg. "Im Stadion habe ich endlich den Platz, den ich brauche", sagt Keita-Ruel. "Und auch die Atmosphäre ist eine ganz andere. Man fühlt sich einfach heimischer, das hier ist unser Stadion." Zumal das Spielen auf dem neuen Rasen etwas ganz anderes ist als zuvor, als der Ball beim Flachpass die Streuung einer Schrotflinte hatte.

Man kann sich kaum vorstellen, dass diese Ratinger Mannschaft noch irgendwas mit dem Abstieg aus der Oberliga zu tun haben wird. Und doch sind es nur fünf Punkte bis zum ersten Abstiegsrang. Ein beruhigendes Polster sieht anders aus. "Deshalb werden wir jetzt auch genau so weitermachen", fordert Trainer Radojewski. "Wir müssen noch punkten, um ganz sicher zu sein." Dennoch ist das Ironische an der Geschichte, dass für die Ratinger auf Rang zehn der vierte Platz punktemäßig genau so weit weg ist wie der erste Abstiegsplatz, den der VfB Hilden belegt.

Während das Schiff sportlich beim RSV langsam in ruhigere Fahrwasser schippert, wird fleißig an der kommenden Spielzeit gebastelt. Marvin Ellmann und Tim Manstein kommen vom Wuppertaler SV. Einige Leistungsträger aus dem aktuellen Kader haben Zweijahresverträge. Mit Daniel Keita-Ruel und Carlos Penan werden Gespräche geführt. "Ich fühle mich in Ratingen zu Hause", sagt Keita. "Aber ich habe auch Angebote. Klar ist, dass ich gerne einmal höherklassig spielen würde. Am liebsten mit Ratingen. Wir werden aber sprechen." Penan möchte der Klub gerne halten, allein schon wegen seiner Arbeitsmoral. Wenn jetzt noch Tore hinzukommen - um so besser. Toni Molina, Trainer des Liga-Konkurrenten Schwarz-Weiß Essen, sagte irgendwann in der Hinrunde, Ratingen verfüge über das beste Sturmduo der Liga. Nun, ein halbes Jahr später, kann man sich endlich so ein wenig vorstellen, was er meinte.

Quelle: RP
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