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Lokalsport
04/19: Zeit, aus Keitas Schatten zu treten

Ratingen. Die "junge Garde" des Fußball-Oberligisten verlässt sich zu sehr auf den Top-Stürmer. Nun müssen sie es zeigen. Von André Schahidi

Als der Ball kurz vor der Strafraumgrenze heruntersegelt, gibt es einen, der nicht lange fackelt. Daniel Keita-Ruel holt aus, zieht volley ab - und der Gewaltschuss geht durch drei Spieler hindurch ins lange Eck. So erzielte der Stürmer von Ratingen 04/19 das 1:0 gegen Kapellen-Erft (Endstand 2:2). Mal wieder.

Der 26-Jährige ist der mit Abstand beste Fußballer im Kader des Tabellenzehnten. Das weiß er. Das wissen die anderen. Das Problem für den RSV ist nur, dass sich diese Erkenntnis in den Köpfen der (jungen) Spieler ziemlich breitgemacht hat. "Es passiert so oft, dass einer den Ball hat und dann schaut: Was macht Keita", sagt Trainer Peter Radojewski. "Dabei vergessen manche ihre eigene Qualität." Im Klartext heißt das: Alle verlassen sich auf ihren Top-Torjäger. Manche verstecken sich gar hinter ihm.

Im 04/19-Kader stehen ziemlich viele Spieler mit einem 96er-Geburtsjahr. Für die meisten von ihnen, die aus den Jugendschmieden von Fortuna Düsseldorf oder Rot-Weiss Essen kamen, ist es das erste Jahr im Männerfußball. Doch nach 17 Spielen - der kompletten Hinserie in der Oberliga - ist es langsam an der Zeit, zu sagen: Die Schonfrist ist vorbei. Denn Keita kann es nicht alleine richten. Oft genug tut er das, dafür sprechen seine bislang acht Saisontore. Aber er kann die Mannschaft offensiv nicht alleine an die Hand nehmen, auch er hat mal einen schlechten Tag, zumal er nicht immer mit nach hinten arbeitet.

Die Abwehr des RSV steht weitgehend sicher. Mit Adnan Hotic fehlt zwar der Abwehrchef. Doch ein Phil Spillmann verfügt trotz vereinzelter Fehler über große Klasse, genau wie Thomas Denker. Das Problem des RSV beginnt weiter vorne - in der Kreativabteilung. In der vergangenen Saison hatte 04/19 zwei Außenstürmer zur Verfügung, die auch das Tor trafen. Sascha Meier erzielte sieben Treffer, genau wie Ali Can Ilbay, der noch 18 Vorlagen beisteuerte. Dazu war in Chamdin Said ein Stürmer da, der mit 14 Treffern nicht immer, aber immer wieder vor dem Tor präsent war.

Im aktuellen Kader fehlt ein gefährlicher Mann neben Keita. Das muss nicht sein. Denn es gibt genügend Spieler mit dem Potenzial, Keita zu unterstützen und zu entlasten. Carlos Penan zum Beispiel arbeitet viel, ist jedoch bislang sehr ungefährlich. Zwei Tore sind einfach zu wenig für einen Angreifer, der bereits in der Regionalliga gespielt hat. Vor allem für einen Angreifer, der über die Anlagen (Schnelligkeit, Ballsicherheit) eines Carlos Penan verfügt. Er muss im Kopf einen Schalter umlegen.

Das gilt auch für andere. Yusuf Keser zum Beispiel. Oder Damian Bartsch. Die beiden zentralen Mittelfeldakteure liefern grundsolide Leistungen ab. Und beiden haben einen tollen Schuss - nutzen diese Waffe jedoch viel zu selten. Und auf den Flügeln beschleicht einen manchmal das Gefühl, dass ein wenig mehr Mut nicht schaden würde. Yannick Wollert, Sahin Ayas, Nabil Jaouadi oder Fatih Özbayrak sind durch die Bank gut ausgebildete Fußballer. "Ich warte beim ein oder anderen auf die Leistungsexplosion", sagt Trainer Radojewski.

Die Rückrunde wäre der perfekte Moment dafür. Die Mannschaft hatte nun 17 Spiele Zeit, sich aneinander, an die Liga und an das Niveau zu gewöhnen. 22 Punkte sind eine mäßige, aber keine katastrophale Ausbeute. Am Samstag beginnt die Rückrunde gegen Krefeld-Fischeln, danach hat der Kader eine komplette Vorbereitung Zeit, sich auf die Rückserie vorzubereiten. "Ich bin mir sicher, dass wir da anders auftreten werden als zuvor", sagt Radojewski. Denn wie gut wäre ein Daniel Keita-Ruel erst, wenn er noch Unterstützung bekäme?

Quelle: RP
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