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Lokalsport
Aliens hängen zwischen Anspruch und Realität

Lokalsport: Aliens hängen zwischen Anspruch und Realität
Florian Pompino (l.) wird von seinem Diezer Gegenspieler in die Bande gedrückt - es passte zum schwachen Spiel derAliens am Sonntag. FOTO: Achim Blazy
Ratingen. Der Eishockey-Regionalligist hinkt den eigenen Erwartungen meilenweit hinterher. Doch was sind die Gründe dafür? Von André Schahidi

Während Achim Johnigk versucht, die Partie der Ratinger Ice Aliens gegen die EG Diez-Limburg irgendwie in Worte zu fassen, prasselt der Regen auf das Dach der Ratinger Eissporthalle. Im VIP-Raum am Sandbach ist nur noch ein versprengter Haufen Sponsoren anwesend, die restlichen (wenigen) Zuschauer hatten die Halle nach Ende der peinlichen 2:7-Niederlage der Außerirdischen fluchtartig verlassen. Dass es wetterbedingt so wenige waren, hatte seine Vorteile - sie mussten nicht die "schlechteste Leistung, an die ich mich seit langem erinnern kann", wie Milan Vanek sagte, beiwohnen.

Und so bleiben die Ratinger auch nach dem Trainerwechsel eine unkonstante Mannschaft. Ordentliche Leistungen, wie am vergangenen Sonntag gegen Herford (8:5) werden gefolgt von Arbeitsverweigerungsauftritten wie gegen Diez. "Das war blutleer und viel zu wenig Motivation", befand Johnigk, der sichtlich angefressen war. Die Aliens verbrachten - auch durch eine saudumme Spieldauerstrafe von Dustin Schumacher - viel zu viel Zeit auf der Strafbank und kassierten drei der sieben Tore in Unterzahl. "Über das Foul werden wir noch reden müssen, das geht nicht", sagt Johnigk. Auch die Tatsache, dass sich die Diezer vor dem Spiel unsportlich viel Zeit gelassen hatten, wollen die Aliens nicht als Ausrede gelten lassen. "Das war schon frech", sagte Milan Vanek. "Die haben uns eine Stunde in der Kabine warten lassen. Aber auch das ist kein Grund. Wir haben einfach schlecht gespielt."

Doch was sind dann die Gründe? Sind die Aliens vielleicht einfach nicht so gut, wie sie selbst glauben? Klaffen Anspruch und Realität zu weit auseinander?

Die anderen Teams in der Liga haben vor der Saison massiv aufgerüstet. "In den Top vier haben die Mannschaften fast alle mehrere Profis im Team", sagt der zweite Vorsitzende Rainer Merkelbach. "Wir können damit nicht dienen. Unsere Jungs gehen alle arbeiten. Aber diese Profis schießen eben die entscheidenden Tore." Vanek wiegelt ab. "Ich glaube, dass wir den besten Kader der Liga haben", sagt er. "Aber wir bringen das nicht aufs Eis."

Auch an der Stimmung, über die in den vergangenen Wochen viel diskutiert wurde, soll es nicht mehr liegen. "Die Stimmung steht aktuell im kompletten Kontrast zu den Ergebnissen. Wir verstehen uns wieder richtig gut, haben uns zusammengerauft. Aber irgendwie kriegen wir die Köpfe nicht frei. Wir reden offen darüber im Team."

Doch woran liegt es dann? Johnigk spricht weiterhin den Fitnesszustand der Mannschaft an. "Es sind einige dabei, die einfach nicht fit sind", sagt er - tatsächlich schleppen einige Spieler ein paar Kilo zu viel mit sich rum. Das mag auch an der Trainingsbeteiligung liegen, die in dieser Saison als mangelhaft gilt. "Es gibt ja auch Gründe, warum Alex gegangen ist", sagt Johnigk über seinen Vorgänger. "Manchen fehlt mir der Wille zu einer hundertprozentigen Leistung. Das ist schade, denn die Mannschaft hat durchaus schon Qualität gezeigt."

Johnigk will nun durchgreifen. "Wir werden wohl drastischere Maßnahmen ergreifen", sagt er. "Aber das müssen wir auch mit dem Vorstand absprechen. Wir brauchen mehr Herzblut. Wenn das Talent alleine nicht reicht, geht es halt um Einsatz."

Das sieht auch Stürmer Vanek ähnlich. "Die fünf, sechs Ausfälle dürfen keine Ausrede sein. Wir haben genug Qualität", sagt er. "Wir müssen uns im Powerplay dramatisch verbessern, müssen endlich von der Strafbank fernbleiben. Dass wir das nicht umsetzen, liegt ganz alleine an uns." Doch der Tscheche sieht auch Positives - denn in Neuwied, Neuss und Lauterbach kommen jetzt drei schlagbare Gegner bis zur Weihnachtspause auf die Aliens zu. "Ich würde mir mindestens sechs Punkte aus den drei Spielen wünschen", betont Vanek. "Wenn das klappt, hätte ich schöne Weihnachten."

Quelle: RP
 
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