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Lokalsport
Bernd Krayer schafft auch den 100. Marathon

Ratingen. Für sein Laufjubiläum schnürte der Ratinger die Schuhe in New York. In der Metropole kam er zusammen mit seinem Bruder ins Ziel. Von Lars Weiske

Quer durch Staten Island, Queens, Brooklyn, Manhattan, Bronx, Harlem und den Central Park, dann hat es Bernd Krayer geschafft und läuft zusammen mit seinem Bruder unter dem Jubel von tausenden Zuschauern über die Ziellinie beim weltberühmten New York Marathon, an dem in diesem Jahr wieder über 50.000 Läufer teilgenommen haben. Es ist der 100. Marathon-Zieleinlauf von Krayer - ein ganz besonderes Jubiläum für den 55-Jährigen. "Das war ein riesiges Erlebnis für mich. Ich habe es einfach nur genossen und das auch noch zusammen mit meinem Bruder. An der Strecke standen mehr als eine Million Zuschauer, es herrschte eine ganz besondere Atmosphäre. Wir hätten pausenlos anhalten können und mit den Leuten geredet und uns bedankt. Du fühlst dich auf der Strecke in New York wie ein Held", schwärmt Bernd Krayer.

Bei seinem Jubiläumslauf durch die Metropole an der Ostküste der USA, ließen sich Krayer und sein Bruder bewusst ganz viel Zeit. "Wir haben entspannte 4:30 Stunden angepeilt und sind auch in diesem Zeitplan geblieben. Wir wollten dieses absolute Super-Highlight in Ruhe aufsaugen und erleben", erzählt er.

Angefangen hat die Leidenschaft für das Laufen Anfang der 90er Jahre beim Lauftreff der TuS Breitscheid. Aus regelmäßigem Laufen wurde relativ schnell der erste Versuch über die 42,195 Kilometer lange Marathondistanz. "Ich wollte erst einmal hereinschnuppern. Mir haben so viele Leute dort gesagt, wie toll es ist, einen Marathon zu laufen. Dann habe ich es einfach mal ausprobiert", erklärt Krayer.

So startete er 1994 beim Essener Marathon - im Nachhinein einer der schwersten Läufe, wie Krayer berichtet. "Ich hatte wenig bis keine Erfahrung, und es war wirklich schwer an diesem Tag. Für mich bleibt dieser Marathon aber natürlich etwas ganz Besonderes."

Es folgten 99 weitere Läufe in 24 Jahren und zusätzlich noch einige sogenannte Ultra-Läufe. Der längste Lauf führte dabei entlang der Berliner Mauer über 160 Kilometer. "Da merkt man dann schon, wie sich der Körper verändert. Das war schon außergewöhnlich." Dabei ging es dem Langstreckenläufer jedoch nicht primär um den sportlichen Wettkampf und herausragende Zeiten. "Durch den Lauf-Sport bin ich unheimlich viel herumgekommen. Ich plane um die Läufe herum immer Städtetouren oder Urlaube mit meiner Frau, mit der ich vor drei Jahren in Frankreich auch ihren ersten Marathon gelaufen bin, und genieße die Zeit in wunderschönen Städten rund um die Welt. Ich durfte in Hamburg, Madrid oder bei enormer Hitze in Sevilla laufen", sagt Krayer. "Außerdem habe ich bei den ganzen Marathons und Läufen unheimlich viele Kontakte geknüpft und Freundschaften geschlossen. Die Läufer-Szene ist einfach total nett, und es macht unheimlich viel Spaß - darum geht es nun mal."

Doch wie schafft der 55-Jährige, sich fit zu halten über all die Jahre, ohne dabei mit gesundheitlichen Problemen kämpfen zu müssen? "Man darf nie vergessen, dass der Körper unheimlich viel leisten muss. Du brauchst eine ausgewogene Balance zwischen Belastungs- und Ruhephasen. Ab und zu muss man das Pensum runterschrauben. Ich muss nicht immer laufen, kann auch mal längere Zeit eine Pause machen - für mich ist das überhaupt kein Problem", erläutert der Routinier. Krayers Gesundheitsplan geht voll und ganz auf, sein Körper spielt mit, Verletzungen hat der Ratinger überraschenderweise nicht zu beklagen. "Bislang bin ich verschont geblieben. Ich habe keine Probleme mit den Knien oder dem Rücken, wie viele andere Läufer. Ich fühle mich gut."

Ein Ergebnis von konzentrierter Arbeit, denn seine Marathonvorbereitung ist gut geplant, und nichts wird dem Zufall überlassen. "Ich beginne ein Vierteljahr vor meinem nächsten Marathon mit der Vorbereitung. In dieser Zeit laufe ich vier- bis fünfmal in der Woche. Ganz wichtig ist, sich kurz vor dem Lauf schon einmal heranzutasten an die Distanz. Dafür absolviere ich fünf bis sechs 30-Kilometer-Läufe", erklärt Krayer.

Ein Mann, der in seinen 100 Marathons immer das Ziel erreicht hat und nicht ein einziges Mal aufgeben musste, sollte wissen, wie es geht. Ans Aufhören denkt Krayer noch lange nicht, die nächsten Läufe sind schon geplant. "Im April gehe ich in Düsseldorf an den Start, im Juni geht es wieder in die USA, dieses Mal nach Seattle an die Westküste. Nur drei Wochen später folgt ein 75-Kilometer-Lauf in Köln." Bernd Krayers Ziele sind klar, und ein bisschen träumen muss immer erlaubt sein. "Mit etwas Glück laufe ich noch die nächsten 25 Jahre. Das wäre echt schön", sagt er.

Quelle: RP
 
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