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Saison-Fazit Ratingen 04/19
Das Zeugnis einer schweren Spielzeit

Saison-Fazit Ratingen 04/19: Das Zeugnis einer schweren Spielzeit
Adnan Hotic (Mitte) war lange verletzt und bekommt keinen Vertrag. FOTO: Blazy Achim
Ratingen. "Am Ende", so sagt Karl Weiß, "sind wir Achter. Und das ist völlig in Ordnung." Der Trainer von Ratingen 04/19 wirkt ausgelaugt, was an den schwülwarmen Temperaturen liegen könnte. Aber auch daran, dass endlich ein Schlussstrich unter eine lange, kräftezehrende Saison in der Fußball-Oberliga gezogen wurde. Von André Schahidi

Eine Saison, die fürchterlich begann - und am Ende durchaus versöhnlich endete. Doch was war gut? Was war schlecht? Ein Zeugnis.

Carlos Penan ist unter Trainer Weiß absolut gesetzt - mit Recht. FOTO: Blazy Achim

Trainer Peter Radojewski legte mit dem RSV zu Saisonbeginn einen Fehlstart hin. Nach vier Punkten aus sieben Spielen zogen die Verantwortlichen um den Vorsitzenden Jens Stieghorst extrem früh an der Reißlinie. Radojewski sei "zu lieb" gewesen, hieß es aus Mannschaftskreisen - vor allem zu Führungsspieler, die aber nicht immer ihre Leistung brachten. Doch der Erfolg gibt Stieghorst im Nachhinein recht: Karl Weiß verbuchte 15 Siege in 27 Spielen und führte das Team noch auf den achten Rang. Radojewski vollbrachte derweil ein kleines Wunder: Mit dem nicht oberligatauglichen Cronenberger SC, den er mit nur zwei Punkten auf dem Konto übernahm, hielt "Rado" am letzten Spieltag die Klasse in der Oberliga.

Torhüter Dennis Raschka ist im Kasten des RSV eine Bank. Der 24-Jährige gehört zu den besten Torhütern der Liga. Die vielen Gegentore (insgesamt kassierte Ratingen 54) wurmen ihn jedoch sehr. Ersatzmann Justin Lafelder wird sich weiter mit der Bank begnügen müssen - zumal er in seinem einzigen Einsatz am letzten Spieltag gleich in der ersten Spielminute patzte und ein Gegentor verschuldete.

Dennis Raschka gehört zu den besten Oberliga-Torhütern. FOTO: ABZ/AR

Abwehr Die Hintermannschaft wird im Sommer zur größten Baustelle der Ratinger. In Stefan Rott, der sich mit einem Wechsel zu Absteiger TSV Meerbusch verzockte, und dem zuletzt leider dauerverletzten Adnan Hotic verliert Weiß zwei Abwehr-Stützen. Bedenkt man dann noch, dass es keinen Rechtsverteidiger gibt, weiß man, wo Handlungsbedarf besteht. Phil Spillmann ist eine Bank, Denis Dluhosch kam nach seinem Kreuzbandriss ordentlich in die Rückrunde. Ole Päffgen war ein guter Rechtsverteidiger, mit ihm und Patrick Nemec wurden gestern noch einmal finale Gespräche geführt: Beide Spieler werden den Klub mit Ziel unbekannt verlassen.

Mittelfeld Fatih Özbayrak, Erkan Ari, Tim Manstein, Luka Bosnjak, Carlos Penan - das Mittelfeld des RSV strotzt vor Qualität. Özbayrak, Penan und Ari lieferten eine tolle Saison ab, Manstein kam in der Rückrunde endlich zu seinen Qualitäten - und Bosnjak deutete trotz seiner erst 19 Jahre sein riesiges Talent bereits an. Rechnet man den zuletzt verletzten Timo Krampe und die neuen Spieler Mark Zeh und Dustin Hoffmann hinzu, ist Ratingen hier bereits jetzt gut aufgestellt.

Karl Weiß verbuchte im Schnitt 1,74 Punkte pro Partie. Solide. FOTO: Blazy Achim

Angriff Marvin Ellmann kam vor der Saison als Torjäger - und geht nach nur einem Jahr als Bankdrücker. Der 29-Jährige spielt in den Planungen von Karl Weiß überhaupt keine Rolle - trotz einer ordentlichen Torquote von sieben Treffern in nur 1023 Spielminuten. "Der Trainerwechsel war für mich persönlich gar nicht gut. Danach habe ich überhaupt kein Vertrauen mehr bekommen. Ich muss zugeben, dass ich mich nicht gut behandelt fühlte", sagte der Stürmer, der in diesen Tagen seinen Vertrag auflösen will. Zuletzt spielte er meist nur für die zweite Mannschaft - selbst in seinem letzten Spiel gönnte Weiß dem Stürmer nur fünf Minuten. Ismail Cakici gelang die Rückkehr aus der Bezirks- in die Oberliga mit elf Treffern, Emrah Cinar gelangen immerhin fünf Treffer. Stärkste Offensivkraft war aber Carlos Penan, dem von der Außenbahn neun Tore gelangen.

Umfeld Die Saison von Ratingen 04/19 wurde begleitet von Querelen um den neuen Rasen. Monatelang war dieser, immerhin 200.000 Euro teuer, in einem desaströsen, ungepflegten Zustand. Das Thema sorgte gar für Diskussionen in der Politik. Jetzt, pünktlich zum Mehrkampf-Meeting, wurde er endlich repariert und hergerichtet. Warum nicht gleich so?

Ansonsten war es trotz der schwierigen Saison erstaunlich ruhig beim RSV. Einerseits löblich - andererseits schlecht. Denn wirkliche Anstrengungen des Vorstands, den kümmerlichen Zuschauerschnitt von knapp 200 Besuchern mittelfristig zu erhöhen, sind nicht zu erkennen.

Quelle: RP
 
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